Selbst die schönen Zahlen werden kleiner
Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte Dokumente, die nach seinen Angaben aus Unterlagen stammen, die für Wladimir Putin bestimmt sind. Es sollen interne Auswertungen zur politischen Stimmung in Russland vor den Parlamentswahlen im September 2026 sein. Der ukrainische Präsident behauptet, selbst diese Zahlen seien bereits geschönt und für den Kreml günstiger dargestellt worden. Trotzdem würden die Unterlagen sinkende Zustimmungswerte und wachsende Unzufriedenheit zeigen. Nach den veröffentlichten Prognosen könnte die Zustimmung zu Putin bis zum 20. September auf 55 Prozent zurückgehen. Gleichzeitig würde die Ablehnung auf 33 Prozent steigen.
Auch für die Partei Einiges Russland zeichnen die Unterlagen ein schwächeres Bild. Ihre Unterstützung soll demnach auf 22 Prozent fallen. In der Analyse ist von einer fortschreitenden Erosion des sogenannten Donbass-Konsenses die Rede. Dieser Prozess habe nach Darstellung der Autoren im Februar begonnen und werde sich bis zum Wahltag fortsetzen, ohne sich vorher zu stabilisieren. Zugleich rechnen die Verfasser mit einem höheren Protestpotenzial. Der Anteil der Menschen, die Proteste in ihrer eigenen Stadt oder Region für möglich halten, soll bis September auf 21 Prozent steigen. Im veröffentlichten Parteienvergleich bleibt Einiges Russland zwar stärkste Kraft, verliert aber deutlich an Abstand. Dahinter folgen Neue Leute mit 17 Prozent, die Kommunistische Partei mit 14 Prozent, die Liberal-Demokratische Partei mit 10 Prozent und Gerechtes Russland mit 6 Prozent.
Selenskyj erklärte darüber hinaus, die Entwicklungen der Monate Juni, Juli und August könnten die Lage der russischen Führung zusätzlich verschlechtern. Der Druck auf Russland wegen des Krieges werde nach seiner Einschätzung weiter steigen. Seine politische Schlussfolgerung fiel deutlich aus. Wenn sich die Entwicklung fortsetze, könne es irgendwann bedeuten, dass eine Vereinbarung nicht mehr mit den heutigen Machtträgern geschlossen werde, sondern mit jemand anderem in Russland, der sich der Wirklichkeit nicht verschließe. Ob die veröffentlichten Unterlagen authentisch sind und in dieser Form tatsächlich an die russische Führung gingen, wurde nicht unabhängig belegt. Sollten die Zahlen jedoch echt sein, zeigen sie vor allem eines: Selbst Berichte, die beruhigen sollen, verlieren irgendwann ihre beruhigende Wirkung.
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