Nord Stream zurück auf dem Tisch: Washington und Moskau reden plötzlich über amerikanisches Geld
Nord Stream galt politisch als erledigt, nun wird hinter verschlossenen Türen wieder darüber gesprochen. Amerikanische und russische Vertreter beraten über eine Beteiligung von Investoren aus den USA an den Gasleitungen. Auf russischer Seite sitzt Kirill Dmitrijew mit am Tisch, Chef des staatlichen Direktinvestitionsfonds und seit Monaten einer der Männer, über die Moskau wirtschaftliche Kontakte nach Washington knüpft. Auf amerikanischer Seite taucht Jared Kushner auf, Donald Trumps Schwiegersohn. Beide trafen sich in den vergangenen Wochen mehrfach, in Moskau und New York. Wie ausführlich Nord Stream dabei behandelt wurde, bleibt offen. Verschwunden ist das Projekt jedenfalls nicht. Nach Angaben von Beteiligten steht es weiterhin auf der Tagesordnung.
Ein Geschäft wäre derzeit allerdings schwer durchzubringen. Nord Stream unterliegt europäischen und amerikanischen Sanktionen, mehrere Behörden müssten zustimmen. Hinzu kommt Berlin. Deutschland erklärt seit Langem, russisches Gas erfolgreich durch andere Lieferanten ersetzt zu haben. Eine Wiederaufnahme würde ausgerechnet Europas größten Energieverbraucher erneut mit russischem Gas versorgen. Und diesmal könnten amerikanische Investoren daran verdienen. Genau diese Konstruktion macht die Gespräche politisch heikel: Russland liefert, Deutschland kauft, amerikanisches Kapital verdient mit.
Kushner hält wirtschaftliche Vereinbarungen offenbar für einen möglichen Weg zu einer Waffenruhe. Dmitrijew verfolgt auf russischer Seite seit Längerem das Ziel, Gaslieferungen nach Deutschland wieder aufzunehmen. Erst im vergangenen Monat traf er Vertreter des amerikanischen Energie- und Finanzministeriums, um über eine mögliche Zusammenarbeit im Energiesektor zu sprechen. Eine schnelle Rückkehr von Nord Stream ist damit noch lange nicht beschlossen. Doch allein, dass Washington und Moskau über amerikanisches Geld für ein sanktioniertes russisches Gasprojekt sprechen, zeigt, wie weit die wirtschaftlichen Gespräche inzwischen reichen. Der Krieg läuft weiter, die Sanktionen gelten weiter, und trotzdem wird bereits darüber verhandelt, wer eines Tages an russischem Gas nach Europa verdienen könnte.
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