3 Angriffe, 6 Länder betroffen: Russlands digitale Infrastruktur bricht an mehreren Stellen zusammen
Drei Drohnenangriffe auf Rechenzentren des russischen Technologieunternehmens Yandex innerhalb von 4 Tagen, und plötzlich funktionieren selbst alltägliche Dinge nicht mehr. Nach dem Angriff auf eine Anlage in Wladimir am 11. Oktober breiteten sich die Störungen über sechs Länder aus. In Russland konnten Menschen zeitweise keine Taxis bestellen, Einkäufe bezahlen oder Lebensmittel liefern lassen. Selbst die Echtzeitanzeige öffentlicher Verkehrsmittel verschwand aus den digitalen Karten. Elektroroller ließen sich teilweise nicht mehr mieten. Betroffen waren zahlreiche Yandex-Dienste, darunter Yandex Go, Yandex Pay und Yandex Music. Auch der Filmabrufdienst Kinopoisk und die vernetzte Haustechnik mit dem Sprachassistenten Alice fielen teilweise aus.
Besonders unangenehm wurde die Angelegenheit für Unternehmen, die ihre Geschäfte auf fremden Rechnern betreiben. Bei Dodo Pizza konnten Kunden zeitweise weder eine Lieferung noch eine Abholung bestellen, teilweise funktionierte sogar die Bestellung im Restaurant nicht. Bereits bezahlte, aber nicht gelieferte Bestellungen sollten erstattet werden. Die Elektronikkette M.Video meldete Störungen ihrer Internetseite und Anwendung. Auch Supermarktketten wie Magnit und Lenta waren betroffen. Hinzu kamen Probleme bei Banken und Verkehrsdiensten. Die Unternehmen verwiesen teilweise auf Ausfälle eines Anbieters von Rechenleistungen, ohne ausdrücklich Yandex zu nennen. In Sankt Petersburg war sogar die Internetseite des Flughafens Pulkowo vorübergehend unerreichbar. Flugzeuge starteten und landeten weiterhin. Beim Autovermieter Delimobil mussten neue Kundendokumente zeitweise von Hand geprüft werden.
Noch schwerer wiegen die Folgen für staatliche Einrichtungen. Die russische Landwirtschaftsaufsicht versetzte am 11. Oktober um 6 Uhr Moskauer Zeit zwei landesweite Informationssysteme in den Notbetrieb. Über „VetIS“ werden tierische Erzeugnisse wie Fleisch und Milch kontrolliert. Das angeschlossene System „Merkur“ verfolgt ihren Weg vom Hersteller bis zum Geschäft. „Saturn“ überwacht den Einsatz von Pestiziden und anderen landwirtschaftlichen Chemikalien. Darüber werden seit März 2026 auch Imker über geplante Pestizideinsätze informiert. Die Behörde führte die Störungen auf den Stromausfall in der Region Wladimir zurück. Eine unmittelbare Verbindung dieser staatlichen Systeme zur Yandex-Rechnerwolke bestätigte sie allerdings nicht.
Auch außerhalb Russlands mussten Menschen die Folgen tragen. In Kasachstan und Kirgisistan funktionierten Taxibestellungen und Lieferdienste nur eingeschränkt. In Usbekistan konnten Kunden teilweise weder Fahrpreise abfragen noch Busbewegungen verfolgen. Belarus meldete Probleme mit Fahrdiensten und Essensbestellungen, Armenien ebenfalls Ausfälle in Jerewan. Yandex erklärte, die technische Infrastruktur sei auf verschiedene Länder verteilt. Falle ein wichtiger Bestandteil aus, könne das Nutzer treffen, deren Daten auf Rechnern ganz anderer Länder gespeichert seien. Eine bemerkenswerte Abhängigkeit, die erst auffällt, wenn der Bildschirm nicht mehr reagiert.
Der technische Schaden ist erheblich. Laut eigener Störungsmeldung verlor Yandex Cloud gleichzeitig 2 Serverstandorte: ru-central1-a in Wladimir und ru-central1-b, der bereits seit dem Angriff auf Sasowo am 8. Oktober ausgefallen war. Die verbliebenen Standorte ru-central1-d und ru-central1-e arbeiteten weiter. Zahlreiche Datenbanken konnten umgeschaltet werden, andere blieben unzugänglich oder erlaubten lediglich das Lesen vorhandener Daten. Beim Datenspeicher S3 schlug das Schreiben teilweise fehl, das Überwachungssystem Yandex Monium war außer Betrieb. Selbst der Kontakt zur technischen Unterstützung funktionierte nur eingeschränkt. Yandex empfahl seinen Kunden, auf andere Rechenzentren auszuweichen.
In Sasowo standen zudem die Supercomputer „Tscherwonenkis“ und „Ljapunow“, in Wladimir der Rechner „Galuschkin“. Ob diese Anlagen beschädigt wurden, ist unbekannt. Am 9. Oktober traf ein weiterer Angriff das Rechenzentrum in Kaluga, wo mehrere technische Einheiten vollständig ausfielen. Yandex hatte bereits mit anderen Anbietern eine beschleunigte Verlagerung betroffener Kundendienste vereinbart. Mitte 2026 nutzten 64.000 Kunden die Rechnerwolke des Unternehmens. Wie viele jetzt betroffen sind, bleibt offen. Schon am 10. Oktober ergänzte Yandex seine Vertragsbedingungen um einen Haftungsausschluss für außergewöhnliche Ereignisse, ausdrücklich auch für Drohnenangriffe und Raketenbeschuss. Das Unternehmen hatte seine juristische Absicherung damit bereits erweitert, bevor am folgenden Tag das nächste Rechenzentrum getroffen wurde.
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