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Überwachung von Smartphones etc.

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Big Brother aus Österreich: Die Firma, die Handys weltweit überwachte
Eine verdeckte Recherche legt offen, wie mit der Technik eines deutsch-österreichischen Unternehmens Politiker, Journalisten und Prominente getrackt wurden

Günther Rudolph ist sich bewusst, dass er sich auf gefährlichem Terrain bewegt. Über dieses Geschäft dürfe er nicht einmal Bescheid wissen, "sonst kann ich ins Gefängnis kommen", sagt er Anfang Juni zu einem potenziellen Kunden in einem Prager Messe-Hotel. Der Kunde will viel: Proteste gegen eine Mine in einem afrikanischen Land überwachen, Dissidenten in den USA lokalisieren und Überwachungstechnik nach Niger verkaufen – ein Land, das seit dem Militärputsch 2023 von der EU sanktioniert ist.

Rudolph ist Österreicher und Vertriebschef der indonesischen Überwachungsfirma First Wap. Anfang Juni steht er hinter einem Stand auf Europas wichtigster Überwachungs-Messe, der ISS in Prag. Jedes Jahr treffen sich dort Behörden, Geheimdienste, Sicherheitsanalysten sowie Technik-Nerds und Unternehmer. Für Anbieter wie First Wap geht es darum, ins Geschäft zu kommen – offenbar vielleicht auch dann, wenn die Kunden zweifelhaft erscheinen und die Wege dorthin möglicherweise die Grenze der Legalität überschreiten.

 
Ein Anruf reicht: Neuer Handy-Wurm kann iPhones und Android-Geräte ohne einen einzigen Klick übernehmen
Ein Anruf kommt rein, das Telefon klingelt, man geht nicht ran – und trotzdem könnte der Angriff bereits laufen. Sicherheitsforscher der Firma Calif aus Palo Alto haben einen Handy-Wurm gebaut, der ohne Link, ohne Datei und ohne irgendeine Aktion des Opfers auskommt. Getestet wurde der Angriff auf WeChat, einer vor allem in China verbreiteten Nachrichtenplattform mit mehr als 1,4 Milliarden aktiven Nutzern im Monat. Das eigentlich Beunruhigende daran betrifft aber nicht nur WeChat. Der Wurm funktionierte nach Angaben der Forscher auf Apples iOS ebenso wie auf Googles Android und zeigt, wie weit Angriffe auf Smartphones inzwischen gehen können, ohne dass der Besitzer überhaupt einen Fehler machen muss. Calif nennt das Werkzeug WeWorm. Sobald ein WeChat-Konto übernommen war, konnte ein Angreifer private Nachrichten lesen und verschicken, Anrufe tätigen und das Konto kontrollieren. Zusammen mit weiteren Sicherheitsfehlern hätte sich nach Angaben des Unternehmens sogar das gesamte Telefon übernehmen lassen. Besonders brutal daran: Es hätte nicht gereicht, den Anruf einfach zu ignorieren. Calif-Chef Thai Duong erklärte, der Angriff funktionierte sowohl beim Abheben als auch dann, wenn das Telefon weiter klingelte. Nur wer den Anruf wenige Sekunden nach dem ersten Klingeln aktiv ablehnte, hätte die Übernahme verhindern können.

Danach hätte sich der Angriff selbst weiterbewegen können. WeChat gibt gespeicherten Kontakten mehr Rechte und Vertrauen als unbekannten Nummern. Genau das nutzte WeWorm aus. War eine Nummer erst übernommen, konnte der Wurm die gespeicherten Kontakte des Opfers erreichen, dort weitere Konten übernehmen und von diesen wiederum weiterziehen. Vinh Nguyen, früher leitender Datenwissenschaftler bei der US-Geheimdienstbehörde NSA und heute beim Council on Foreign Relations, bezeichnete den Angriff als einen der beunruhigendsten Fälle dieser Art, die er bislang gesehen habe. Innerhalb weniger Stunden hätten seiner Einschätzung nach Hunderte Millionen Geräte erreicht werden können. Computerwürmer, die sich selbst verbreiten, gibt es seit Jahrzehnten. Neu ist, dass ein solcher Angriff mobile Geräte mit den beiden großen Betriebssystemen treffen kann, ohne dass jemand auf einen schädlichen Link tippen oder eine Datei öffnen muss. Calif brauchte nach eigenen Angaben etwas mehr als eine Woche, um das Werkzeug zu bauen. Dabei nutzte das Team frei verfügbare Modelle für künstliche Intelligenz sowie leistungsfähige Systeme aus den USA. Welche genau eingesetzt wurden, verrät das Unternehmen nicht.

 
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