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Antisemitismus:Erziehung zum Hass

Nach Absage von Rap-Konzert:
Antisemitismus ist nicht nur ein „deutsches“ Problem
Der Rapper Chefket beklagt sich über die Absage seines Konzerts am 7. Oktober. Er hätte kein Problem damit gehabt, am Jahrestag des Massakers der Hamas aufzutreten. Dass man das anders sehen kann, versteht er offenbar nicht.
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Das „Mindeste“, um Solidarität mit den Palästinern zu zeigen
Denn das Problembewusstsein dafür, wozu ein Konzert an diesem Abend hätte führen können, fehlt Şevket Dirican. Mit Antisemitismus hat er nichts am Hut, in seinen Songs verkündet er eine Völker und Religionen verbindende Botschaft, wie er im Gespräch mit dem „Spiegel“ darlegt – alles fein. Aber zu denken, in einem Trikot des „FC Palästina“ herumzulaufen (das die Palästinenserflagge in den Grenzen Israels zeigt), sei das „Mindeste“, um seine Solidarität mit den Menschen in Gaza zu bekunden und gegen deren Leid zu protestieren, ohne dass dies eine antisemitische Konnotation hätte, ist bestenfalls naiv.

Und schon nicht mehr ganz bestenfalls naiv ist es, wie der vor 43 Jahren in Heidenheim geborene Dirican sich des Themas Antisemitismus in Deutschland per se entledigt: „Mit der deutschen Geschichte habe ich als Sohn von Türken nichts zu tun, meine Vorfahren waren nicht am Holocaust beteiligt. Dass dann irgendwelche Nazis anfangen, mit solchen Wörtern um sich zu werfen, ist eigentlich die größte Frechheit. Da rege ich mich richtig drüber auf. Antisemitismus ist immer noch ein deutsches Problem, dieses Monster wird hier weiterhin genährt, und gleichzeitig wird so getan, als wäre das so ein importiertes Ding.“


 
Suche nach Massengrab geht weiter
In Rechnitz (Bezirk Oberwart) wird aktuell wieder nach dem Massengrab der 1945 von NS-Funktionären erschossenen 180 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter gesucht. Seit 15. Oktober findet eine kleinräumige Grabung statt.

Ziel der Grabung ist es, die Forschungsergebnisse der TU in Bezug auf eine Grabanlage zu verifizieren. Dabei kam eine neue Untersuchungsmethode zum Einsatz, die im Rahmen eines vom Land Burgenland finanzierten Projekts entwickelt wurde, so das Landesmedienservice. Die neue Methode ermögliche einen dreidimensionalen Blick unter die Erde, unabhängig von der Beschaffenheit des Bodens, bis in eine Tiefe von mehr als drei Metern.

TU-Untersuchung: Hinweise auf menschliche Überreste
Die an der Technischen Universität Wien entwickelte Methode zielt auf elektromagnetische Eigenschaften ab und wurde bisher nur im geologischen Bereich eingesetzt – nun wurde sie erstmals bei der Suche nach menschlichen Überresten angewendet. Im vergangenen Sommer wurde auf diese Weise eine kleine Fläche in der Nähe des Rechnitzer Kreuzstadels untersucht. Laut den Experten der TU könnten sich demnach menschliche Überreste in einer Tiefe von 2,5 Metern befinden.

 
726 antisemitische Vorfälle im ersten Halbjahr gemeldet
726 antisemitische Vorfälle hat die Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) heuer im ersten Halbjahr erfasst. Das sei eine anhaltend hohe Bedrohung, hieß es. Zum Vergleich: Vor dem Terrorangriff der Hamas in Israel, im ersten Halbjahr 2023, wurden 311 Vorfälle dokumentiert.

Von Anfang Jänner bis Ende Juni wurden fünf physische Angriffe, acht Bedrohungen, 78 Sachbeschädigungen und 203 Massenzuschriften in Österreich registriert. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 808 Vorfälle.

Die meisten Fälle, nämlich rund 430, betreffen laut IKG verletzendes Verhalten gegenüber Jüdinnen und Juden. Die häufigste Erscheinungsform war israelbezogener Antisemitismus, gefolgt von antisemitischem Othering und Schoa-Relativierung, heißt es seitens der Meldestelle.

IKG: Dunkelziffer noch höher

 
Nichts gelernt – Gedanken zum Novemberpogrom
In Wien hängen Palästina-Fahnen aus den Fenstern, Anti-Israel-Sticker ersetzen in Clubs Anti-Nazi-Sticker, und aus antisemitischer Gewalt wird die Rebellion eines Volkes. Die Geschichtsvergessenheit zeigt ihr Gesicht

In seinem Gastkommentar schreibt Fridolin Mallmann, Psychoanalytiker und forensischer Psychotherapeut in Wien, darüber, wie sich das Gedenken an den Novemberpogrom und den Holocaust nach dem 7. Oktober 2023, als die Hamas Israel angriff, geändert hat.

Der 9. November ist der Gedenktag an den Novemberpogrom 1938. Doch in welchem Kontext steht die Erinnerung an den Pogrom und an den Holocaust seit dem 7. Oktober 2023?

Als ich im Oktober 2023 einen Bekannten vor dem Haustor abholte, staunte ich nicht schlecht. Auf der ansonsten kaum belebten Gasse stand eine Gruppe von zwanzig Personen, die interessiert mein Wohnhaus musterte. Die Gruppe wollte kurz einen Blick ins Stiegenhaus werfen, da früher Verwandtschaft im Haus gelebt habe. Jüdische Verwandtschaft, die nach dem Anschluss das Land verlassen musste. Es stellte sich heraus, dass sich die Gruppe im Haus geirrt hatte, aber ich erinnerte mich daran, dass sich im Internet ein eigener Auktionskatalog des Dorotheums zu meiner Wohnung finden lässt. Der Auktionskatalog einer Zwangsauktion aus dem Jahr 1938. Ich habe bisher nicht herausfinden können, was mit der jüdischen Familie geschah, die aus meiner Wohnung vertrieben und deren Hausstand unter bietfreudige Wienerinnen und Wiener gebracht wurde. Sie ist verschwunden, irgendwo zwischen Flucht, Massenerschießung oder Vernichtungslager.

Eine Woche später war der 7. Oktober 2023. In meiner Naivität hatte ich kurz die Hoffnung, die Welt würde nach dem Massaker an feiernden Jugendlichen und Kibbuzim-Bewohnern begreifen, durch welchen antisemitischen Terror Israel seit seiner Staatsgründung bedroht ist und dem Staat der Holocaust-Überlebenden zur Seite stehen. Diese Hoffnung hielt ein paar Tage, dann war sie ganz der Gewissheit gewichen, dass in großen Teilen der Welt kein Entsetzen vorherrschte, sondern immer unverhohlener die Sympathie mit den Tätern zutage trat. Der Terror der Hamas wirkte wie ein Befreiungsschlag, dem man sich allzu gerne anschloss.

 
Hitler-Rede abgespielt: Person ausgeforscht
Die Polizei hat eine verdächtige Person nach dem antisemitischen Vorfall bei einer Gedenkfeier in Erinnerung an die Pogromnacht in Mödling ausgeforscht. Am Sonntag wurde während der Feier aus einer angrenzenden Wohnung eine Rede Adolf Hitlers abgespielt.

Nach dem Vorfall während einer Gedenkfeier am Sonntagabend ermittelt das Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE). Laut der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt konnte eine verdächtige Person ausgeforscht werden. Details gab Behördensprecher Erich Habitzl auf APA-Anfrage aber nicht bekannt.

Zudem habe es am Mittwoch eine Hausdurchsuchung gegeben. Dabei seien Beweisgegenstände sichergestellt worden. Diese müssten jetzt ausgewertet werden, so Habitzl. Mit einem Abschlussbericht in der Causa ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt erst in einigen Wochen zu rechnen.

Ermittlungen wegen Wiederbetätigung

 
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