Warum Atomkraft 40 Jahre nach Tschernobyl wieder im Aufwind ist
Eine neue Generation von Mini-AKWs könnte Lösungen bieten, ist jedoch technologisch noch nicht ausgereift und kaum verbreitet
Bei kaum einem Thema sind Österreichs Parteien so einig wie bei der Atomkraft. Von links bis rechts gilt sie als riskant, teuer und politisch untragbar. 40 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl verkörpert die Kernkraft für den Großteil der österreichischen Bevölkerung die denkbar schlechteste Form der Energieerzeugung.
Das war nicht immer so: 1978 ist die Volksabstimmung zur Inbetriebnahme des AKWs Zwentendorf nur mit knapper Mehrheit entschieden worden. Acht Jahre später kam es zur Kernschmelze in Tschernobyl, die die Anti-Atomkraft-Haltung der Österreicherinnen und Österreicher schließlich einzementierte. Seitdem versteht sich Österreich als einer der entschiedensten Gegner der Kernenergie innerhalb der Europäischen Union. Gleichzeitig zeigt die österreichische Energiepolitik auch Widersprüche. Während ein Atomkraftwerk im eigenen Land politisch und gesellschaftlich ausgeschlossen ist, importiert Österreich regelmäßig Atomstrom aus anderen Ländern. Und daran scheint sich auch in absehbarer Zeit nichts zu ändern.
"Renaissance" der Kernenergie
Zuletzt haben äußere Umstände, wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, steigende Energiepreise, der Iran-Krieg und nicht zuletzt die Klimaziele in vielen Teilen Europas die Atomkraft wieder stärker ins Gespräch gebracht. Vor allem Frankreich, sowie mehrere osteuropäische Staaten, planen neue Reaktoren oder verlängern die Laufzeiten bestehender Anlagen. Auch auf EU-Ebene hat sich der Ton verändert: Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach zuletzt offen von einer möglichen "Renaissance" der Kernenergie und kündigte Förderinstrumente für neue Technologien an.
Eine neue Generation von Mini-AKWs könnte Lösungen bieten, ist jedoch technologisch noch nicht ausgereift und kaum verbreitet
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