Niccolò Machiavelli
Der florentinische Staatsmann und Politiktheoretiker Niccolò Machiavelli wurde 1469 geboren. An seinem 25. Geburtstag drang Karl VIII. von Frankreich in Florenz ein und trieb dessen eigentlichen Regenten Piero de“ Medici zur Flucht ins Exil. Karl setzte an seiner Stelle eine republikanische Regierungsform ein, und vier Jahre später wurde der junge Machiavelli in das Amt des Zweiten Kanzlers berufen - eine wichtige Sekretärsfunktion.
14 Jahre lang reiste er in dieser Funktion und auf verschiedenen Missionen durch Europa; so war es praktisch selbstverständlich, dass er wegen Verschwörung angeklagt wurde, als die Familie Medici im Jahr 1512 wieder an die Macht kam. Zwar wurde er freigesprochen, doch das Gericht nötigte ihm das Versprechen ab, den öffentlichen Dienst für immer zu quittieren
Sein Name wird heute mit rücksichtsloser Machtpolitik unter Ausnutzung aller Mittel verbunden. Der später geprägte Begriff Machiavellismus wird daher oft als abwertende Beschreibung eines politischen Verhaltens gebraucht, das raffiniert, aber ohne ethische Einflüsse von Moral und Sittlichkeit die eigene Macht und das eigene Wohl als Ziel sieht.
Machiavellis Menschenbild
Niccolò Machiavelli ersetzte in seinen Schriften das tradierte Bild des humanistischen Menschen über die Würde, Toleranz, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit. Er individualisierte die Menschen, indem er feststellte, dass jeder einzelne Mensch spezielle Bedürfnisse und Verlangen (ambizione) habe. Schlecht sind die Menschen deshalb nicht von Natur aus, sondern durch die Art und Weise, wie sie ihre Ambitionen verfolgen. In erster Linie sind die Menschen „undankbar“ selbst gegen ihre „Wohltäter“, und nur ein gewisses „Ehrgefühl“ hält sie oft davon ab, ihren Wohltätern zu schaden. So sind die Menschen nie wirklich gut und nie wirklich böse, doch in jedem Fall muss man ihnen misstrauen. Die Gesetze sind laut Machiavelli geschaffen, um die Bürger vor dem Undank ihrer Mitmenschen zu schützen.