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Der Ukraine Sammelthread

Kein militärischer Ausweg – UN-Flüchtlingschef warnt vor Erschöpfung der Hilfe für die Ukraine
Der neue Leiter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, Barham Salih, hat bei seinem ersten Besuch in der Ukraine deutlich gemacht, dass es trotz aller Hindernisse keinen militärischen Ausweg aus diesem Krieg gibt. Nach Gesprächen in Frontstädten wie Charkiw und Saporischschja traf er Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew. Thema war nicht nur die Suche nach einem tragfähigen Frieden, sondern auch die Zukunft der humanitären Hilfe, während russische Angriffe weiterhin die Energieversorgung des Landes treffen und ein harter Winter die Lage verschärft. Salih sprach von vielen Hürden auf dem Weg zu einer Einigung, betonte jedoch, dass am Ende nur eine gerechte und dauerhafte Friedenslösung den Menschen ermöglichen werde, in ihr normales Leben zurückzukehren.

Die Zahlen zeigen die Dimension: 3,7 Millionen Binnenvertriebene im Land, fast 6 Millionen Geflüchtete in Europa und darüber hinaus. Für das laufende Hilfsprogramm in Höhe von 470 Millionen Dollar sind bislang lediglich 150 Millionen zugesagt. Für 2026 rechnen die Vereinten Nationen mit 10,8 Millionen Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sein werden, vor allem entlang der Frontlinien im Osten und Süden sowie in der nördlichen Grenzregion. Gleichzeitig konkurriert die Ukraine mit Krisen in Sudan und Gaza um knappe Mittel. Weltweit sind 117 Millionen Menschen vertrieben, mindestens 42 Millionen von ihnen gelten als Flüchtlinge. Hinzu kommen drastische Kürzungen aus den Vereinigten Staaten, die das humanitäre System weiter unter Druck setzen. Salih warb dafür, nicht wegzusehen und neben akuter Hilfe stärker auf Wiederaufbau, Eigenständigkeit und langfristige Perspektiven zu setzen.
 
Chatprotokolle eines Generals – Neue Recherchen belasten russischen Armeeführer schwer
Archivierte persönliche Nachrichten des russischen Offiziers Roman Demurchiev zeichnen ein Bild systematischer Misshandlung ukrainischer Kriegsgefangener. In den ausgewerteten Korrespondenzen aus den Jahren 2022 bis 2024 beschreibt der damalige stellvertretende Kommandeur der 20. kombinierten Armee Erschießungen, Folter und die „Beseitigung“ von Gefangenen. Fotos und Videos, die er selbst weiterleitete, sollen brutale Übergriffe dokumentieren. In einer Nachricht berichtet er, ehemalige Strafgefangene hätten ukrainische Soldaten nach deren Kapitulation mit Schanzwerkzeugen getötet. Sein unmittelbarer Vorgesetzter Oleg Mitjajew reagierte demnach mit Lob und der Anregung, die Beteiligten für Auszeichnungen vorzuschlagen. Andere Passagen zeigen, wie Demurchiev Gefangene als „Geschenke“ bezeichnet und einem Kontakt aus der Militärabwehr anbietet. Ein identifizierter Gefangener aus Saporischschja verbrachte fast zwei Jahre in russischer Haft und bestätigte Misshandlungen und Elektroschocks. In weiteren Nachrichten ist von Häftlingen die Rede, die als Grabarbeiter eingesetzt und „dort gelassen“ werden sollten.

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Ramsan Kadyrow, der autoritär regierende Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien und enger Verbündeter von Präsident Wladimir Putin, zeichnet Roman Demurchiev mit dem Achmat-Kadyrow-Orden aus – einer nach seinem Vater benannten Auszeichnung, die für besondere Verdienste im Sinne der tschetschenischen Führung vergeben wird.

Gleichzeitig äußerte Demurchiev intern scharfe Kritik an Einheiten aus Tschetschenien, die öffentlich die Gefangennahme ukrainischer Soldaten für sich reklamierten. Später nahm er jedoch eine Auszeichnung von Ramsan Kadyrow entgegen und empfahl Untergebenen, die Tschetschenen nicht zu verärgern. Auf Fragen zu seinem Umgang mit Kriegsgefangenen brach Demurchiev ein Telefonat ab. Das russische Verteidigungsministerium äußerte sich natürlich nicht. Recherchen dauern an.

Fortsetzung folgt …
 

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Kreml-Kenner: "Putin wird als Führer oft überschätzt"
Der Historiker Mark Galeotti hält die Sanktionen gegen die russische Bevölkerung für einen Fehler. Putin habe entschieden, längstmöglich an der Macht zu bleiben, weil er keinem Nachfolger traut

Mark Galeotti darf nicht mehr nach Russland reisen. Der 60-jährige britische Historiker und Sicherheitsberater landete nach der russischen Vollinvasion der Ukraine am 24. Februar 2022 als einer der ersten Briten auf einer Kreml-Liste vermeintlich "russophober" Europäer. Dabei sitze der "größte Russenfeind" im Kreml, sagt Galeotti mit Blick auf Putin. Mit seinen universitären Vorträgen, Büchern und nicht zuletzt seinem Blog und Podcast In Moscow's Shadows informiert Galeotti regelmäßig zehntausende Interessierte über jenes Land, das er trotz Wladimir Putins radikalem politischem Umbau immer noch mag. Galeotti glaubt auch daran, dass er Russland wieder besuchen werde. "Vermutlich aber erst nach Putins Tod", wenn "die letzte Generation des Homo sovieticus ausgestorben ist", sagt er im Gespräch mit dem STANDARD.

STANDARD: Welchen Kriegsausgang kann Putin als Sieg verkaufen?

Galeotti: Sollte er die verbleibenden 20 Prozent der Oblast Donezk erobern oder zugesprochen bekommen und de facto die Kontrolle über die anderen besetzten Gebiete erhalten, gepaart mit einem gewissen Grad an Sanktionserleichterungen und einer Garantie, dass die Ukraine nicht der Nato beitreten darf, wird er das daheim relativ problemlos als Sieg verkaufen können. Und auch, wenn am Küchentisch anders geredet wird, werden ihm die Russen zumindest öffentlich zustimmen. In Wahrheit sind sie aber einfach nur froh, wenn dieser Krieg vorbei ist.

 
Selenskyj: Attentate auf bekannte Ukrainer vereitelt
Kiews Sicherheitsdienste haben nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj mehrere Attentate auf prominente Ukrainer verhindert. „Es ist gelungen, russische Söldner unschädlich zu machen, die Anschläge auf unsere Bürger planten“, sagte Selenskyj gestern in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft.

„Es handelt sich um ziemlich bekannte Namen, und dass solche Verbrechen verhindert werden konnten, ist ein bedeutendes Ergebnis“, sagte er vor dem vierten Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.

Die Russen hätten Anschläge gegen ukrainische Militärs, Geheimdienstmitarbeiter und ukrainische Medienvertreter vorbereitet und seien unschädlich gemacht worden, führte Selenskyj aus. Details nannte er nicht. Er dankte den Behörden für den Schutz der Bürger.

 
Streit um Energie: Slowakei erhöht Druck auf Ukraine
Nach Ungarn erhöht nun auch die Slowakei den Druck auf die Ukraine, russische Öllieferungen über die Druschba-Pipeline wieder zu ermöglichen. Wenn der Öltransit an die Slowakei morgen nicht wieder aufgenommen werde, werde er den staatlichen Netzbetreiber SEPS auffordern, die Notstromlieferungen an die Ukraine einzustellen, sagte Regierungschef Robert Fico laut Regierungsmitteilung, wie die Nachrichtenagentur CTK gestern meldete.

Über die Druschba-Pipeline wird Öl aus Russland über die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei geliefert. Sie ist nach ukrainischen Angaben durch russische Bombardierungen seit Ende Jänner unterbrochen. Ungarn und die Slowakei beschuldigen die ukrainische Führung, die Wiederaufnahme der Lieferungen absichtlich zu verhindern.

Die Ölversorgung beider Länder ist weitestgehend von der Pipeline abhängig. Aus ukrainischer Sicht trägt der Kauf von Gas und Öl aus Russland durch die zwei EU-Länder zur Finanzierung des russischen Angriffskriegs bei.

 
FOTO Kundgebung zur Unterstützung der Ukraine in Zagreb: „Sie verteidigen ganz Europa“
Der Vizepräsident der kroatischen Regierung, Tomo Medved, sagte heute in Zagreb bei einer Kundgebung zur Unterstützung der Ukraine, dass Kroatien dem ukrainischen Volk weiterhin aufrichtige, solidarische und verantwortungsvolle Unterstützung leiste.

Medved erklärte auf X, er habe als Gesandter von Premierminister Andrej Plenković an dem Treffen teilgenommen, und betonte, dass Kroatien mit der Ukraine sympathisiere, da es seit dem Kroatienkrieg eigene Erfahrungen in der Verteidigung seines Vaterlandes, seiner Identität und des Rechts auf Freiheit gemacht habe.

Er betonte, dass Kroatien auch weiterhin Wissen auf dem Gebiet der Rehabilitation und Wiedereingliederung von Veteranen transferieren und verwundete ukrainische Veteranen in kroatischen Gesundheitseinrichtungen behandeln werde; eine neue Gruppe werde voraussichtlich bald eintreffen.

Er betonte außerdem, dass die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg die Grundlage für das Verständnis der Bedürfnisse der Ukraine im Umgang mit den Folgen des Krieges bilden.

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Selenskyj verurteilt „grausamen Terroranschlag“ in Lwiw
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat gestern nächtliche Bombenexplosionen in der westukrainischen Stadt Lwiw als „zynischen und grausamen Terroranschlag“ verurteilt. Bei dem Anschlag waren eine Polizistin getötet und 25 weitere Menschen teils schwer verletzt worden. Als mutmaßliche Täterin wurde eine 33-jährige Ukrainerin festgenommen, die nach Polizeiangaben von russischen Geheimdiensten zu der Tat angestiftet worden war.

„Wir verfügen über Geheimdienstinformationen, dass die Russen weiterhin solche Dinge, also faktisch Angriffe auf Ukrainer, durchführen wollen“, führte Selenskyj am Abend aus. Zuvor hatte bereits Bürgermeister Andrij Sadowyj in einem Video in seinem Telegram-Kanal von einem Terroranschlag gesprochen.

Keine Stellungnahme aus Moskau
Innenminister Ihor Klymenko informierte über die Festnahme einer Verdächtigen, später nannte die Polizei weitere Details: Die Festgenommene habe in der Nacht mehrere selbst gebastelte Sprengsätze in Mülltonnen in der Stadt platziert.

 
Tote bei russischem Angriff auf Odessa
Bei einem russischen Angriff auf die Region Odessa sind laut ukrainischen Angaben zwei Menschen getötet worden. Drei Personen seien verletzt worden, teilten ukrainische Rettungskräfte heute auf Telegram mit.

Eine russische Drohne sei auf einem Lkw-Rastplatz eingeschlagen. Das habe ein Feuer ausgelöst, bei dem die Menschen ums Leben kamen. Auch aus der südostukrainischen Regionalhauptstadt wurde ein Todesopfer nach einem russischen Angriff gemeldet.

 
Der Krieg im fünften Jahr
Was in der Ukraine geschieht und was das für uns bedeutet

Aus den Vorträgen des Obersts Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer über den Krieg in der Ukraine und dessen Auswirkungen auf Europa geht man immer sehr informiert, aber auch ziemlich deprimiert weg. Reisner, der zu einer Reihe von höheren Offizieren gehört, die im BH über eine ausgezeichnete Analysefähigkeit verfügen, lässt nicht viel Raum für Illusionen.

Ein Seminar, kürzlich im Rahmen des "Presseklubs Concordia", über vier Jahre Krieg in der Ukraine, brachte zwei wichtige Erkenntnisse, aus denen man folgende Schlüsse ziehen kann:

a) Der Krieg ist – ähnlich wie der Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg – weitgehend festgefahren. Ein großer, entscheidender Durchbruch auf dem Schlachtfeld ist von keiner der beiden Seiten zu erwarten, vor allem wegen der neuen Technik des massenhaften Einsatzes von Drohnen. Das verhindert, dass sich genügend massierte Kräfte sammeln können. Auf freiem Feld würden sie abgeschossen. Es ist aber ein Abnützungskrieg – und die entscheidende Frage ist, ob einer der beiden Seiten (oder auch beiden) die Kräfte und der Willen zum Durchhalten ausgehen.

Bedroht ist da eher die Ukraine, weil ihre Zivilbevölkerung unter dem Terror aus der Luft gegen die Energieinfrastruktur leidet. Eine weitere Frage ist, wie sehr der Westen weiter Waffen (Luftabwehr) an die Ukraine liefert. Die USA haben die eigenen Lieferungen eingestellt (nicht aber die ebenfalls lebenswichtige Info), die Europäer liefern, aber zu zögerlich. Auch Russland leidet, aber Putins Herrschaft ist nicht wirklich gefährdet.

Fazit: Das militärische "center of gravity" der Ukraine, also der Kernpunkt der eigenen Stärke, ohne den man nicht weitermachen kann, ist die Hilfe des Westens.

 
Kiew meldet Rückeroberung von 400 Quadratkilometern
Die Ukraine hat nach Angaben ihres Armeechefs im Februar die Kontrolle über 400 Quadratkilometer zurückgewonnen. Im Abschnitt Olexandriwka seien acht Siedlungen befreit worden, teilte das Militär heute weiter mit.

Bei einer russischen Angriffswelle auf mehrere Regionen der Ukraine wurden in der Nacht auf heute unterdessen mindestens drei Menschen getötet. Laut ukrainischen Luftstreitkräften griff Russland mit 126 Drohnen und einer Rakete vom Typ Iskander an.

Kurz vor dem morgigen vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine versucht Russland, den Druck auf die Ukraine zu erhöhen. Am Sonntag wurden bei enormen Angriffen auf das Land ein Mensch getötet und mehr als ein Dutzend weitere verletzt.

Russen melden ukrainische Gegenangriffe in Belgorod
Das russische Verteidigungsministerium meldete heute, dass innerhalb von 24 Stunden neben Raketenschlägen auch 541 ukrainische Drohnenangriffe abgewehrt worden seien. Die Angaben sind von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

 
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