Deutsche und Österreicher sind ein Volk, sprechen dieselbe Sprache und teilen denselben Glauben. Türken und Aserbaidschaner sprechen zwar dieselbe Sprache, gehören aber verschiedenen Völkern an und haben unterschiedliche Glaubensrichtungen. Russen und Ukrainer waren einst eigenständige heidnische ostslawische Stämme, die zwar dieselbe Sprache, aber verschiedene Dialekte sprachen. Aufgrund ständiger Konflikte baten sie den skandinavisch-germanischen Stamm der Rus unter der Führung Ruriks um Herrschaft. Rurik gründete einen Staat, der als Rus bekannt wurde. Im 12. Jh zerfiel Rus in einzelne Fürstentümer, und seither haben sich die Wege der heutigen Russen, Ukrainer und Belarussen, getrennt. Mit anderen Worten: Sie lebten etwa 250 Jahre lang in einem einzigen Staat, und in den darauffolgenden 900 Jahren entwickelte jede dieser drei Gruppen ostslawischer Stämme ihre eigene Sprache. Die Unterschiede zwischen den Sprachen sind so groß, dass ein Russe etwa 60 % des Ukrainischen und 70–80 % des Belarussischen versteht. Dies sind keine Dialekte, sondern eigenständige Sprachen. Die russische Propaganda, aus verständlichen Gründen, vor der Revolution als auch unter den Kommunisten, und auch heute noch, behauptet, dass sie alle ein Volk seien – Russen.