Lügen und Übertreibungen: Fünf Passagen der Davos-Rede offenbaren Trumps Weltbild
Wieder einmal schlug eine Trump-Rede hohe Wellen, viele sind entsetzt über das Weltbild des US-Präsidenten. Fünf besonders beunruhigende Beispiele
Donald Trump holt in Davos weit aus und wieder reibt sich die Welt die Augen: Wie soll man mit dem Präsidenten der mächtigsten Demokratie der Welt nur umgehen, wenn der über eine Stunde lang in beinahe jedem Satz Übertreibungen, Lügen und längst widerlegte Behauptungen einstreut?
In den USA mögen sich viele längst an die Rhetorik Trumps gewöhnt haben, in Davos ist das anders. Im Europa-lastigen Publikum beim Weltwirtschaftsforum ist der Applaus meist spärlich, freundliches Lachen gibt es selten. Energischer ist an manchen Stellen das Kopfschütteln der Staaten- und Unternehmenslenker über den Blick des 79-Jährigen auf die Welt. Fünf Beispiele erlauben einen besonderen Einblick auf Trumps Sicht auf die Dinge.
Angeblicher US-Besitz Grönlands
"Nach dem Krieg haben wir Grönland zurück an Dänemark gegeben. Wie dumm waren wir, das zu tun? Aber wir haben es gemacht. Aber wir haben es zurückgegeben. Wie undankbar sind sie jetzt?"
Kaum ein Trump-Thema hält die Europäer dieser Tage mehr in Atem als die Besitzansprüche auf Grönland. Seine Aussage, dass die Insel amerikanisch war, ist falsch.
In Davos sagt Trump fälschlicherweise zudem, dass Dänemark im Zweiten Weltkrieg "nach nur sechs Stunden Kampf" an die Deutschen gegangen sei. Für ihn ist das der Beweis dafür, dass das kleine Land auch nicht die große Insel verteidigen könne. Er ließ aber dieses Mal seine Drohungen bezüglich eines Militäreinsatzes aus und kündigte stattdessen Verhandlungen über einen "Kauf" durch die USA an, von einem Miet- oder Leasingvertrag halte er nichts, sagte Trump. Das Resultat sahen wir dann am Abend in den Schnellverhandlungen mit Nato Generalsekretär Mark Rutte.
In der Rede schiebt er jedenfalls eine Drohung hinterher: "Wir wollen also ein Stück Eis, um die Welt zu beschützen. Und sie wollen es uns nicht geben. Sie haben eine Wahl. Sie können 'Ja' sagen und wir werden sehr dankbar sein, oder sie können 'Nein' sagen – und wir werden uns daran erinnern." Solche erpresserischen Anspielungen haben bei Trump Methode. Und schon hier schien klar, dass er nach einem Weg suchte, Grönland als Gebiet unter amerikanischer Herrschaft darstellen zu können.
Trump misstraut den Nato-Bündnispartnern
"Das Problem mit der Nato ist, dass wir für die anderen zu 100 Prozent da sein werden, aber ich bin nicht sicher, dass sie auch für uns da wären, wenn wir sie anrufen würden."
Tatsächlich hat es bisher erst ein Mal in der Geschichte des Verteidigungsbündnisses den Fall gegeben, dass die Mitgliedsländer gemeinsam militärisch tätig wurden. Das war nach den Terror-Attacken in den USA am 11. September 2001, als die Alliierten mit in Afghanistan und Irak einmarschierten. In Afghanistan kam fast ein Drittel der rund 3600 toten Soldaten zwischen 2001 und 2021 aus anderen Nato-Staaten als den USA. Aus dem vergleichsweise kleinen Dänemark starben 43 Einsatzkräfte.
"Wir zahlen für die Nato. Wir haben seit vielen Jahren gezahlt, meiner Meinung nach zu 100 Prozent, bis ich gekommen bin, weil sie ihre Rechnungen nicht bezahlt haben", sagte er zudem.
Trump zeichnete ein falsches Bild von der Nato und den Zuständen in Europa. Seit Jahren ist unklar, ob er unterscheidet zwischen der Zahlung von Nato-Mitgliedsbeiträgen (die von allen eingehalten werden) und den Budgets, die einzelne Mitgliedsstaaten in ihre Verteidigung stecken. Immer wieder beklagt er, dass andere Länder "nicht zahlen" und redet dann über das bisherige Ziel, dass zwei Prozent der Wirtschaftsleistung eines Landes in Verteidigung fließen sollten. Diese Schwelle hatte er unter viel Druck auf die anderen Staaten im vergangenen Jahr auf fünf Prozent erhöht. Es ist falsch, dass allein die USA die Kosten für die Nato tragen. Auch die Vereinigten Staaten halten zudem das Fünf-Prozent-Ziel nicht ein.
Wieder einmal schlug eine Trump-Rede hohe Wellen, viele sind entsetzt über das Weltbild des US-Präsidenten. Fünf besonders beunruhigende Beispiele
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