Zuckerbergs Plan, Meta mit KI radikal zu verkleinern, ist vorerst gescheitert
Mark Zuckerberg wollte Meta innerhalb weniger Monate so umbauen, dass künstliche Intelligenz einen großen Teil der Arbeit übernimmt, die bisher von Menschen erledigt wird. Intern lief das Vorhaben unter dem Namen „Project OT“, kurz für „Organizational Transformation“. Bei einem Führungstreffen auf Zuckerbergs Anwesen auf Hawaii entstand Anfang des Jahres der Plan für ein Unternehmen, das intern als „KI-nativ“ bezeichnet wurde: kleine Gruppen besonders leistungsfähiger Mitarbeiter sollten ganze Bereiche führen, während digitale Arbeitskräfte immer mehr Aufgaben übernehmen. In internen Berechnungen wurde für einzelne Teams sogar durchgespielt, ihre Größe um bis zu 60 Prozent zu reduzieren. Einige Beschäftigte sollten in neue Bereiche wechseln, andere ihren Arbeitsplatz verlieren. Eine Personalmanagerin rechnete damit, dass der Umbau ähnlich groß oder größer werden könnte als Metas Entlassungsrunde von rund 25 Prozent Ende 2022 und Anfang 2023. Geplant waren zwei große Schritte, zunächst im Mai und anschließend im November. Dazu sollten offene Stellen gestrichen und Beschäftigte mit schlechten Bewertungen aus dem Unternehmen gedrängt werden.
Am 20. Mai setzte Meta den ersten Teil um und entließ zehn Prozent seiner Mitarbeiter. Nur wenige Stunden zuvor hatte Zuckerberg jedoch die Planungen für die zweite Runde im November gestoppt. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung im Unternehmen bereits massiv gekippt. Viele Mitarbeiter waren überzeugt, dass sie mit ihren eigenen Daten und ihrer täglichen Arbeit genau jene KI trainieren sollten, die sie später ersetzen könnte. Meta hatte sogar Software auf Geräten amerikanischer Beschäftigter installieren lassen, die Tastatureingaben und Mausbewegungen erfassen sollte, damit KI-Agenten lernen konnten, menschliche Arbeit am Computer nachzuahmen. Auf internen Plattformen reagierten Mitarbeiter mit wütenden Beiträgen, schwarzem Humor und Bildern von Elefanten, weil die drohenden Entlassungen aus ihrer Sicht der offensichtliche Punkt waren, über den die Unternehmensführung nicht sprechen wollte. Die interne Zustimmung zum Unternehmen fiel innerhalb eines halben Jahres von 74 auf 55 Prozent. Gleichzeitig zeigten Metas eigene Daten, dass die KI längst nicht das lieferte, was Zuckerberg und seine Führungskräfte erwartet hatten.
Durch KI erzeugte Codeänderungen auf internen Plattformen stiegen zwar innerhalb eines Jahres um 220 Prozent, tatsächlich bei den Nutzern ankommende neue oder verbesserte Funktionen jedoch nur um 36 Prozent. Schon im März warnten technische Teams vor Problemen mit der Zuverlässigkeit. Unkontrollierte KI-Agenten führten teilweise groß angelegte Aktionen aus, die Menschen so kaum gestartet hätten. Technische und sicherheitsrelevante Vorfälle stiegen nach internen Angaben um 40 Prozent, während Mitarbeiter 70 Prozent mehr Zeit damit verbringen mussten, die Folgen solcher Fehler zu beseitigen. Anfang Juni wurde eines der Probleme öffentlich sichtbar, als Hacker einen neuen KI-Kundendienst von Meta ausnutzten und Zugriff auf prominente Instagram-Konten erhielten, darunter die nicht mehr aktive Seite des Obama-Weißen-Hauses. Trotzdem hatte Meta während des Umbaus begonnen, klassische Entwicklungsteams aus zehn bis zwanzig Mitarbeitern durch Gruppen von nur drei bis fünf Personen zu ersetzen. Entwickler, Produktmanager, Designer und Forscher sollten ihre bisherigen festen Rollen verlieren und stattdessen allgemeiner als „Builder“ arbeiten. Auch mittlere Führungsebenen sollten verschwinden. Parallel suchte Meta intern nach sogenannten „unersetzlichen Talenten“, darunter Beschäftigte, denen zugetraut wurde, mit Hilfe von KI die Arbeit ganzer Teams zu erledigen. Ein Teil des durch Entlassungen eingesparten Geldes sollte in außergewöhnlich hohe Gehälter für solche Spitzenkräfte fließen.
Zuckerberg hatte den Personalabbau zunächst auch mit den enormen Investitionen des Konzerns begründet. Meta will allein in diesem Jahr mindestens 130 Milliarden Dollar in KI-Chips und andere Infrastruktur stecken, was nach Analystenschätzungen praktisch den gesamten operativen Geldzufluss des Jahres aufzehren könnte. Nach der Entlassungsrunde versuchte die Führung, die Stimmung wieder einzufangen. Das Programm zur Aufzeichnung von Mausbewegungen und Tastatureingaben wurde gestoppt, einige versetzte Mitarbeiter durften in ihre alten Teams zurück, Reisebudgets und Ausgaben für gemeinsame Veranstaltungen wurden erhöht und selbst bessere Snacks in den Büros wurden angekündigt. Anfang Juli trat Zuckerberg überraschend bei einer internen Mitarbeiterversammlung auf und räumte ein, dass die Entwicklung autonomer KI-Agenten langsamer vorankomme als erwartet. Drei bis sechs Monate sollten nötig sein, bis deutlicher Nutzen sichtbar werde. Gleichzeitig startete Meta öffentlich eine Kampagne unter dem Satz, man „setze auf Menschen“, während Zuckerberg Konkurrenten vorwarf, sich stärker auf die Automatisierung von Arbeit zu konzentrieren.
Ganz erledigt ist der Personalabbau dennoch nicht. Zuckerberg versprach lediglich, in diesem Jahr keine weiteren unternehmensweiten Entlassungen zu erwarten. Teambezogene Kürzungen, Entlassungen wegen schlechter Leistung oder ein neuer größerer Abbau im kommenden Jahr bleiben damit ausdrücklich möglich. Der Versuch, Meta in wenigen Monaten radikal auf KI umzustellen und dabei ganze Teams erheblich zu verkleinern, ist damit nicht verschwunden. Aber der erste große Anlauf ist an Widerstand der Mitarbeiter, technischen Problemen und einer KI gescheitert, die bisher weit weniger ersetzt, als Zuckerberg gehofft hatte.