NGOs reagieren mit Faktencheck auf FPÖ-Attacken: "Ein Angriff auf Millionen Österreicher"
Sieben Prozent aller Beschäftigten arbeiten im gemeinnützigen Sektor, ohne den die Gesellschaft kollabieren würde, sagen zivilgesellschaftliche Vereine
Ein Tag, an dem keine Rettung kommt, wenn man verletzt auf der Straße liegt, keine Feuerwehr, wenn eine Schule brennt, die Betreuung für Menschen mit Behinderung und die Lernhilfe für Kinder bleibt auch daheim: Das wäre ein Tag, an dem unser gesellschaftliches und staatliches Gefüge wohl zusammenbrechen würde. Viele Organisationen und Vereine, die gemeinnützige Arbeit leisten, werden unter dem Titel NGOs subsumiert – was nur bedeutet, dass sie nichtstaatliche Vereinigungen sind beziehungsweise Nichtregierungsorganisationen.
Doch mittlerweile sei NGO "ein Kampfbegriff von rechten und autoritären Mächten", so Greenpeace-Sprecherin Ursula Bittner bei einem Hintergrundgespräch des Netzwerks Zivilgesellschaft (ÖNZ) am Freitag.
Falsch dargestellt
Im ÖNZ sind 21 führende Organisationen etwa aus den Bereichen Soziales, Umwelt, Menschenrechte und Tierschutz vertreten. Sie fühlen sich vom "globalen Trend von rechtsextremen Parteien, gemeinnützige Arbeit aus der Zivilgesellschaft zu attackieren" bedroht. Und vor allem auch bewusst falsch dargestellt.
Anlass für das Gespräch war der "kleine Untersuchungsausschuss", mit dem die FPÖ Gelder, die an NGOs gehen, durchleuchten wollte. Michael Meyer, Leiter des Institutes für Nonprofit Management und Governance an der Wirtschaftsuniversität (WU), der mit Bittner, dem Volkshilfedirektor Erich Fenninger und der Geschäftsführung der Asylkoordination, Marion Kremla beim ÖNZ-Gespräch saß, erzählte von seinen "schrecklichen Erfahrungen“ in diesem U-Ausschuss.
"Sumpf"
Als Auskunftsperson stellten ihm alle anderen Fraktionen interessierte Fragen zum gemeinnützigen Sektor. Nur "die FPÖ habe das überhaupt nicht interessiert. Ich habe keine inhaltlichen Fragen bekommen, wurde nur attackiert", sagt der Universitätsprofessor. Und später habe ihn die FPÖ auf Social-Media-Kanälen als "Verteidiger des Systems und des Sumpfs" verunglimpft.
Dabei genieße der "gemeinnützige Sektor in der Bevölkerung sehr großes Vertrauen", betont Meyer, auch deswegen greifen ihn rechtspopulistische Politiker an. Doch das treffe einen "Bereich, der so zu unserer Nationalkultur gehört wie kaum etwas anderes, der kooperative Wohlfahrtsstaat ist extrem stark ausgeprägt, alles funktioniert nur so, weil privat organisierte mit staatlichen zusammenarbeiten".
Bittner führte einen Faktencheck zu den von FPÖ-Chef Herbert Kickl als "NGO-Milliarden" ventilierten Zahlen durch: Von den angeblich von 2019 bis 2025 ausbezahlten 4,3 Milliarden Euro gingen tatsächlich 3,4 an WU und TU, also zwei Universitäten, die keinesfalls NGOs sind. Der Rest, also 900 Millionen Euro, wurde auf 725 Organisationen in ganz Österreich verteilt.
www.derstandard.at
Sieben Prozent aller Beschäftigten arbeiten im gemeinnützigen Sektor, ohne den die Gesellschaft kollabieren würde, sagen zivilgesellschaftliche Vereine
Ein Tag, an dem keine Rettung kommt, wenn man verletzt auf der Straße liegt, keine Feuerwehr, wenn eine Schule brennt, die Betreuung für Menschen mit Behinderung und die Lernhilfe für Kinder bleibt auch daheim: Das wäre ein Tag, an dem unser gesellschaftliches und staatliches Gefüge wohl zusammenbrechen würde. Viele Organisationen und Vereine, die gemeinnützige Arbeit leisten, werden unter dem Titel NGOs subsumiert – was nur bedeutet, dass sie nichtstaatliche Vereinigungen sind beziehungsweise Nichtregierungsorganisationen.
Doch mittlerweile sei NGO "ein Kampfbegriff von rechten und autoritären Mächten", so Greenpeace-Sprecherin Ursula Bittner bei einem Hintergrundgespräch des Netzwerks Zivilgesellschaft (ÖNZ) am Freitag.
Falsch dargestellt
Im ÖNZ sind 21 führende Organisationen etwa aus den Bereichen Soziales, Umwelt, Menschenrechte und Tierschutz vertreten. Sie fühlen sich vom "globalen Trend von rechtsextremen Parteien, gemeinnützige Arbeit aus der Zivilgesellschaft zu attackieren" bedroht. Und vor allem auch bewusst falsch dargestellt.
Anlass für das Gespräch war der "kleine Untersuchungsausschuss", mit dem die FPÖ Gelder, die an NGOs gehen, durchleuchten wollte. Michael Meyer, Leiter des Institutes für Nonprofit Management und Governance an der Wirtschaftsuniversität (WU), der mit Bittner, dem Volkshilfedirektor Erich Fenninger und der Geschäftsführung der Asylkoordination, Marion Kremla beim ÖNZ-Gespräch saß, erzählte von seinen "schrecklichen Erfahrungen“ in diesem U-Ausschuss.
"Sumpf"
Als Auskunftsperson stellten ihm alle anderen Fraktionen interessierte Fragen zum gemeinnützigen Sektor. Nur "die FPÖ habe das überhaupt nicht interessiert. Ich habe keine inhaltlichen Fragen bekommen, wurde nur attackiert", sagt der Universitätsprofessor. Und später habe ihn die FPÖ auf Social-Media-Kanälen als "Verteidiger des Systems und des Sumpfs" verunglimpft.
Dabei genieße der "gemeinnützige Sektor in der Bevölkerung sehr großes Vertrauen", betont Meyer, auch deswegen greifen ihn rechtspopulistische Politiker an. Doch das treffe einen "Bereich, der so zu unserer Nationalkultur gehört wie kaum etwas anderes, der kooperative Wohlfahrtsstaat ist extrem stark ausgeprägt, alles funktioniert nur so, weil privat organisierte mit staatlichen zusammenarbeiten".
Bittner führte einen Faktencheck zu den von FPÖ-Chef Herbert Kickl als "NGO-Milliarden" ventilierten Zahlen durch: Von den angeblich von 2019 bis 2025 ausbezahlten 4,3 Milliarden Euro gingen tatsächlich 3,4 an WU und TU, also zwei Universitäten, die keinesfalls NGOs sind. Der Rest, also 900 Millionen Euro, wurde auf 725 Organisationen in ganz Österreich verteilt.
NGOs reagieren mit Faktencheck auf FPÖ-Attacken: "Ein Angriff auf Millionen Österreicher"
Sieben Prozent aller Beschäftigten arbeiten im gemeinnützigen Sektor, ohne den die Gesellschaft kollabieren würde, sagen zivilgesellschaftliche Vereine