Recherchen decken auf – und dann rechnete Europas höchste Menschenrechtsinstanz mit der FIFA ab, Stunden vor dem Endspiel
Es gibt Briefe, die einen Feiertag ruinieren, und dieser kam mit Absicht zur Unzeit. Wenige Stunden bevor in East Rutherford in New Jersey das Endspiel zwischen Spanien und Argentinien anpfiff, ließ der Europarat der FIFA ein Schreiben zukommen, das keine Bitte war, sondern eine Anklage. Die nächste Krise habe bereits begonnen, heißt es darin gleich zu Anfang, und sie trage 2 Namen, Geld und Macht. Der Satz stammt von Alain Berset, dem Schweizer, der zweimal Präsident jenes Landes war, in dem die FIFA residiert, und er weiß, wovon er spricht.
Das Pikante ist, wer hier wen angreift. Der Europarat, 46 Nationen, Urheber der Europäischen Menschenrechtskonvention, ist nicht irgendein Kritiker von außen. Er ist Vertragspartner der FIFA, seit 2018, mit einem Papier, das Infantino persönlich unterschrieb. Eine natürliche Beziehung nannte Infantino das damals, man teile dieselben Werte, Transparenz und Integrität, den Schutz der Menschenrechte und der Kinder. 8 Jahre später hält ihm derselbe Partner genau diese Worte vor die Nase, und zwar öffentlich, am Tag des größten Fußballfestes des Jahrzehnts. Wer seinen eigenen Verbündeten so vorführt, tut das nicht aus Verstimmung, sondern weil er glaubt, dass hinter verschlossenen Türen längst nichts mehr zu retten ist.
Es gibt Briefe, die einen Feiertag ruinieren, und dieser kam mit Absicht zur Unzeit. Wenige Stunden bevor in East Rutherford in New Jersey das Endspiel zwischen Spanien und Argentinien anpfiff, ließ der Europarat der FIFA ein Schreiben zukommen, das keine Bitte war, sondern eine Anklage. Die...
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