Was möchtest du uns damit eigentlich sagen?
- - - Aktualisiert - - -
Albanien und Griechenland streiten ums Ionische Meer
Der griechische Außenminister Evangelos Venizelos drohte mit dem Veto Athens gegen einen EU-Beitritt Albaniens (Foto: dpa)
Die Griechen und die Albaner sind die ältesten Nationen in Europa. Doch in der modernen Geschichte weisen diese beiden Länder mehr Probleme als gutnachbarliche Beziehungen auf – und die beiden begründen den einzigartigen Fall eines seit sieben Jahrzehnten andauernden „Kriegszustands“ zwischen zwei Nato-Mitgliedern.
Das erste Problem ist historischer Natur. Die Griechen und
die Albaner kämpften zu Beginn des 19. Jahrhunderts gemeinsam für die Unabhängigkeit Griechenlands vom Osmanischen Reich, doch
das ungelöste Problem über
die albanische
Region Cameria belastet weiterhin ihre zwischenstaatlichen Beziehungen.
Sieben Jahrzehnte später führt diese ungelöste Frage dazu, dass die griechische Grenzpolizei Albanern die Einreise verweigert, wenn diese in der Region Cameria geboren wurden. Diese Region wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch die griechischen Behörden ethnisch gesäubert. Sie vertrieben die Mehrheit der albanischen Cam-Bevölkerung und beriefen sich dabei auf das griechische Kriegsrecht über Albanien. Der Geist dieses formalen Gesetzes, das in Kraft blieb, hat die bilateralen Beziehungen bis heute beeinflusst.
Im Oktober 2014 thematisierte Griechenland das Problem der albanischen Schulbücher bei der Europäischen Union, indem es behauptete, der historische Inhalt über die Cameria sei ein Problem. Es sagte, „
ein Land mit solchen Schulbüchern kann nicht EU-Mitglied werden“. Albanien hat den Antrag gestellt, der EU beizutreten.
Es gibt drei weitere Hauptprobleme, die die albanisch-griechischen Beziehungen beeinträchtigen – die Seegrenze im Ionischen Meer, die albanische Kommunal-/Territorial-Reform und die politische Einmischung durch die Spitze der orthodoxen Kirche Albaniens.
Die wichtigste bilaterale Frage ist der Grenzverlauf im Ionischen Meer. Im Jahr 2009 wurde das Grenzabkommen über das Ionische Meer von den beiden jeweiligen Außenministern unterzeichnet – und 225 Quadratkilometer an albanischen Hoheitsgewässern südlich des wichtigsten albanischen Tourismus-Zentrums Saranda und nördlich der griechischen Insel Korfu wurden zum Streitfall zwischen Albanien und Griechenland. Griechenland kartographierte die albanischen Hoheitsgewässer als zwei der insgesamt 20 griechischen Energiezonen. Die albanischen Hoheitsgewässer bergen vier Milliarden Barrel Öl und 1,5 Milliarden Kubikmeter an Gasreserven. Diese könnten in den kommenden 20 Jahren Gewinne im Umfang von 20 Milliarden Euro bescheren.
Das Verfassungsgericht Albaniens stoppte im Januar 2010 die Ratifizierung des Abkommens über die Seegrenzen. Das Gericht wies es mit der Begründung zurück, dass es „die territoriale Integrität Albaniens“ verletze. Im Juni bat die albanische Regierung die Generalstaatsanwaltschaft, eine strafrechtliche Untersuchung gegen die an der Unterzeichnung des Vertrags Beteiligten zu initiieren.
Schließlich bat der albanische Außenminister Ditmir Bushati im August 2014 den Staatsanwalt, eine Untersuchung gegen hochrangige Beamte aus dem Außenministerium und aus den Justiz- und Verteidigungsministerien, die an den Verhandlungen und an der Unterzeichnung des Grenzabkommens beteiligt waren, zu eröffnen. Die griechische Reaktion bestand darin, zu erklären, dass Albanien nicht in der Lage wäre, die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zu beginnen, ohne zuvor das Grenzabkommen zu ratifizieren. Auf der EU-Ratstagung im Juni 2014 wurde Albanien der Kandidatenstatus gewährt, doch der griechische Außenminister Evangelos Venizelos sagte: „Der Kandidatenstatus und die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen sind nicht das Gleiche. Der Verhandlungsprozess kann erst beginnen, wenn das Grenzabkommen über das Ionische Meer umgesetzt wird.“
Das nächste heiße Thema zwischen den beiden Nachbarn ist die lokale Organisationsreform in Albanien, die im August 2014 ein Gesetz über die territoriale Organisation anwandte und so die Anzahl der Gemeinden auf 61 reduzierte. Griechenland reagierte darauf, weil es glaubt, dass die Reorganisation einige bestehende griechische Minderheiten-Gemeinden mit anderen vermischt und damit „die Minderheitenrechte der Griechen verletzt“.
Das dritte Problem zwischen den Nachbarn könnte als eines beschrieben werden, das aus der griechischen Haltung gegenüber den Albanern resultiert. Griechische Soldaten haben in den vergangenen drei Jahren nach der Erniedrigung albanischer Einwanderer in Griechenland oft ihre anti-albanischen Ansichten zum Ausdruck gebracht. Die albanischen Medien thematisierten im August die rassistischen Beleidigungen und die griechischen Armee-Trainingslieder, die Albaner verunglimpfen.
In Albanien kochten die anti-griechischen Gefühle hoch, es kam zu Protesten vor der griechischen Botschaft in Tirana und griechische Flaggen wurden angezündet. Die Albaner sorgen sich besonders um eine politische Einmischung durch den Chef der albanischen orthodoxen Kirche, Bischof Anastas Janullatos. Er ist ein griechischer Staatsbürger, die diese wichtige religiöse Position nach einer Vereinbarung zwischen den albanischen und griechischen Außenministern im Juni 1991 übernommen hatte – als „vorübergehender Leiter der albanischen orthodoxen Kirche“. Dies war nur sechs Monate nach dem Ende der kommunistischen Diktatur in Albanien, wo die Religion durch die kommunistische Verfassung verboten worden war.
Doch dieses temporäre Amt wird nun seit mehr als zwei Jahrzehnten besetzt und die Albaner haben mehrere Vorwürfe gegen den Erzbischof aufgrund von „anti-albanischen“ Praktiken erhoben. Die Entrüstung der Albaner kochte im August 2014 hoch, als Erzbischof Janullatos eine Zeremonie zum 300. Jahrestag der Geburt des griechischen Heiligen Cosmas abhielt. Der „Koordinierungsausschuss zur Verteidigung der albanischen National-Fragen“, zu dem 26 albanische Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) gehören, protestierte gegen die politische Einmischung des Erzbischofs und erinnerte daran, dass St. Cosmas einen anti-albanischen Hintergrund habe.