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Nachrichten aus Österreich

Pension: Frauen müssen länger arbeiten – und jetzt?
Das steigende Antrittsalter der Frauen ist die große Pensionsreform im Schatten vieler kleiner. Die Folgen für Staat und Arbeitsmarkt sind positiv, es gibt aber auch „Schatten“. Seniorenvertreter fordern mehr Begleitmaßnahmen.

Wien. Erst vergangene Woche hat die türkis-rot-pinke Regierung wieder erklärt, dass in den letzten zwei Jahrzehnten nicht so viel im Pensionsbereich weitergegangen sei wie in dieser Koalition. Anlass für das Selbstlob war das Paket für Arbeiten im Alter mitsamt Absetzbetrag für alle im Pensionsalter, die noch arbeiten. Sei es zusätzlich zur Alterspension oder noch ohne Pensionsbezug. Dazu kamen bei Türkis-Rot-Pink bisher die Einführung der Teilpension, Einschnitte bei der Korridorpension und ein sogenannter Nachhaltigkeitsmechanismus. Und freilich Kürzungen bei der Pensionsanpassung 2026 sowie die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge.

Über die größte Reform dieser Zeit wird allerdings kaum je geredet, denn beschlossen wurde sie vor drei Jahrzehnten. Seit 2024 wird das gesetzliche Frauenpensionsalter schrittweise an jenes der Männer angepasst; vereinfacht gesagt, alle sechs Monate um ein halbes Jahr. Der nächste Schritt ist ein gesetzliches Antrittsalter von 61,5 Jahren ab dem zweiten Halbjahr 2026, erreicht ist die Gleichstellung im Jahr 2033. Vor einem Jahr analysierte unter anderem Christine Mayrhuber, Wirtschaftsforscherin und Chefin der Alterssicherungskommission, in der „Presse“, dass die Erhöhung zwar „kein Selbstläufer“ sei, aber durchwegs „positive Effekte“ habe.

 
Ryanair erhöht Druck auf Regierung und Flughafen Wien
Europas größte Billigfluggesellschaft Ryanair erhöht den Druck auf die Regierung und den Flughafen Wien-Schwechat, die Kosten für den Flugbetrieb zu senken. Insbesondere die Flugverkehrsabgabe von zwölf Euro ist Ryanair-Chef Michael O’Leary ein Dorn im Auge.

„Wir fordern Bundeskanzler (Christian, ÖVP, Anm.) Stocker und Verkehrsminister (Peter, SPÖ, Anm.) Hanke erneut auf, ihre gescheiterte Hochsteuerpolitik aufzugeben“, sagte O’Leary heute in Wien.

Zuckerbrot und Peitsche
Er forderte eine Entscheidung bis zum 1. Mai – dann sei Ryanair bereit, für neues Wachstum auf Österreichs Flughäfen zu sorgen, insbesondere in Wien. Ryanair sei bereit, eine Summe von einer Milliarde US-Dollar (rund 850 Mio. Euro) in Österreich zu investieren und damit das Passagieraufkommen bis 2030 um 70 Prozent auf zwölf Millionen Personen jährlich zu erhöhen, so O’Leary.

Die Fluggesellschaft würde auch die Zahl der beförderten Fluggäste auf den Flughäfen in Salzburg, Linz und Klagenfurt steigern: auf rund eine Million, das entspreche einem Plus von 150 Prozent.

 
Gerechter Parteiausschluss? Dornauer wollte der SPÖ tatsächlich schaden
Übergewinne der Energiewirtschaft als Streitfrage: Die Position des Tiroler Ex-SPÖ-Chefs ist legitim – seine Vorgangsweise aber ein Affront gegen die Partei

Keine Gnade mit dem Tiroler Ex-Parteichef: Das Schiedsgericht der Tiroler SPÖ hat den Ausschluss Georg Dornauers wegen parteischädigenden Verhaltens bestätigt.

Offizieller Grund ist nicht eine seiner Eskapaden, die von Schmusebildern mit einer postfaschistischen Politikerin bis zum Jagdausflug mit René Benko trotz Waffenverbots reichen, sondern ein Streit um "Übergewinne" der Tiwag. Die SPÖ will einen Teil beim landeseigenen Energieversorger für den Wasserkraft-Ausbau belassen, den anderen gezielt für Zwecke wie Kinderbetreuung ausgeben. Dornauer fordert ebenso Geld für Kinderbetreuung, aber auch eine an die gesamte Bevölkerung ausgeschüttete Sonderdividende. Das mag Gießkannenpolitik sein, bietet aber keinen plausiblen Grund für einen Rauswurf.

Genossen bloßstellen
Doch Dornauers Aktion hat eine weitere Dimension. Wie in Koalitionen üblich haben ÖVP und SPÖ in Tirol vereinbart, gegeneinander nicht Politik zu machen – also auch keine unabgesprochenen Anträge einzubringen. Genau das tat er aber.

 
Jetzt also ZARA!
Nach etlichen Anstrengungen, sich als die rechteste ÖVP- Ministerin ever zu inszenieren, streicht Frau Bauer der Antirassismus-Organisation die Subvention, die diese dringend zum Überleben braucht.
Die besondere Bösartigkeit dabei: ZARA erfährt im April(!), dass es keine Subvention für das laufende Jahr gibt.
Mit der Streichung signalisiert Ministerin Bauer der FPÖ, die seit Monaten gegen NGOs kampagnisiert, dass sie weiterhin auf deren Linie ist. Die Desintegrationsministerin offeriert den Blauen ZARA als kleine Morgengabe.
Neben der FPÖ darf sich Basti über seine gelehrige Schülerin freuen. - und noch einer: Trump! Der hetzt seit Jahr und Tag gegen Antirassismus, hat den beiden deutschen Geschäftsführerinnen von HateAid, Partnerorganisation von ZARA, die Einreise in die USA verboten.
Und noch eine antirassistische Organisation in Österreich steht vor dem Aus: BanHate in der Steiermark. Der sehr erfolgreich gegen Hass im Netz arbeitenden Organisation wurde von Blauschwarz in der Steiermark die Subvention gestrichen.
Dagegen gab es heftigen Protest von SPÖ und Grünen.
SPÖ-Chef Babler hat dann erklärt, dass sein Ministerium für ein Jahr die Subventionierung von BanHate übernimmt. Jetzt will er gemeinsam mit der Frauenministerin Ähnliches für ZARA organisieren.
Das ist gut, das ist löblich - aber so kann das nicht weitergehen!
Eine Desintegrationsministerin hintertreibt alle Anstrengungen zu Integration und. Antirassismus - und die SozialdemokratInnen in der Regierung sammeln hinter ihr ein paar Scherben ein?
Jetzt braucht es entschiedenen Widerstand, Ablehnung der Pläne von Bauer. Nicht nur durch einzelne Regierungsmitglieder, sondern auch von der Zivilgesellschaft, von den NGOs, deren Arbeit von den Rechten schlecht geredet wird!
P.S.: Die ÖVP- Ministerin Bauer wird übrigens von ganz Rechts ebenfalls heruntergemacht auf den verschiedenen Plattformen. Nicht wegen ihrer Maßnahmen. sondern weil sie eine Frau ist. Sexistisch. Widerlich!

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Mehr Geld für Rüstung, niedrigere Lohnabgaben: Viele Wünsche ans Budget, aber weiter wenig Geld
Die Koalition will in den kommenden Wochen ihr Doppelbudget für 2027 und 2028 finanzieren. Zwei bis vier Milliarden Euro müssen dafür gefunden werden, neben weiteren Kürzungen wollen die Parteien auch eigene Duftnoten setzen

Die Vorboten sind bereits eingetroffen. Anfang März hat der Ministerrat einen Plan verabschiedet, mit dem die heimische Förderlandschaft in den kommenden Jahren auf neue Beine gestellt werden soll. Angesichts des Krieges im Iran ist dieser Beschluss medial etwas untergegangen. Dabei hat das Projekt eine große Tragweite. ÖVP, SPÖ und Neos wollen nämlich 8,4 Prozent der Bundesförderungen bis 2029 streichen, jedes Jahr soll ein größer werdender Teil der Zuschüsse wegfallen. Vereinbart wurde, die Methode Rasenmäher anzuwenden: Die 8,4 Prozent, die 650 Millionen Euro entsprechen, gelten als Zielwert für alle Ministerien und für alle Budgetuntergliederungen. So hat das die von der Regierung eingesetzte Förder-Taskforce in ihrem Bericht festgehalten, der die Grundlage für den besagten Beschluss im Ministerrat bildete. Eine der Kürzungen in diesem Rahmen sorgt bereits für Diskussionen. Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) hat dem Verein Zara, einer Beratungsstelle gegen Hass im Netz, die Zuschüsse gestrichen, wie der STANDARD zuerst berichtete. Dem Verein droht das Aus, was zu einem Aufschrei führt.

Wenn die Pläne der Taskforce tatsächlich umgesetzt werden, stehen solche Konflikte wohl bald auf der Tagesordnung im Land. Leicht abgehen von dem Vorhaben kann die Koalition aber auch nicht, fußt doch ein Teil der weiteren Budgetsanierung auf eben diesen Förderungskürzungen. Wie also weiter?

 
Ein Holocaustmuseum sollte sich der Täterschaft widmen
Natürlich sollen die Opfer in Erinnerung gehalten werden. Ein solcher Ort in einem Täterland betritt aber Neuland – und muss sich mit NS-Verbrechern beschäftigen

Der in Österreich lebende britische Journalist Liam Hoare schreibt in seinem Gastkommentar über die Pläne der Regierung für ein Österreichisches Holocaustmuseum – und was noch dringend geklärt werden müsste.

Die Bundesregierung arbeitet an einem Österreichischen Holocaustmuseum in scharfem Tempo. Im Dezember des Vorjahres richtete das Kanzleramt einen Runden Tisch mit relevanten Stakeholdern aus, bei dem ein Überblick bestehender internationalen Gedenkorte diskutiert worden sei. Nach einer Auswertung von Best Practices-Beispielen werde eine Machbarkeitsstudie sodann durchgeführt, informierte Staatssekretär Alexander Pröll den Verfassungsausschuss dann im März.

Hier wird aber der Pflug vor den Ochsen gespannt. Eine Machbarkeitsstudie kann nicht beauftragt werden, bevor ein Rahmenkonzept für das zukünftige Museum festgelegt worden ist. Der Herangehensweise der Regierung fehlt es derzeit an Substanz. So muss sie noch zu erklären, was genau die Aufgabe des Museums sein solle, an welchen Zielgruppen es sich richten, und—zuallererst—was seine inhaltlichen Schwerpunkte sein sollen.

"Ein Holocaust-Museum ist keine Heilmittel gegen Antisemitismus."

 
Die ÖVP polemisiert gegen Amnesty, doch die Kritik an Österreichs Asylpolitik stimmt
Populistische Rhetorik kann nicht verbergen: Straftäter-Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan sowie Familiennachzugstopp sind menschenrechtlich höchst problematisch

Harsch reagiert hat ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti auf die Kritik der Amnesty International Österreich-Geschäftsführerin Shoura Hashemi an den Abschiebungen von Straftätern nach Syrien und Afghanistan. Hashemi mache sich "mehr Sorgen um Schwerverbrecher als über deren Opfer", richtete er per Aussendung aus – und bestätigte genau damit den Amnesty-Befund, dass "etablierte Parteien die Rhetorik autoritärer Bewegungen übernehmen".

Die Rechte von Verbrechensopfern nämlich werden weder im Amnesty-Jahresbericht 2025 noch in besagtem Interview relativiert. Derlei zu behaupten ist astreiner Populismus. Vielmehr liegt auf der Hand, dass Österreich mit den – von der Bevölkerungsmehrheit gut geheißenen – Straftäterabschiebungen menschenrechtlich unsicheres Terrain beschreitet. Die Regierung schrammt an der Verletzung einer der zentralen Bestimmungen des Asylrechts vorbei: dass kein Mensch, wirklich niemand, an seine Verfolger ausgeliefert werden darf.

Familien langfristig getrennt
Auch in einem anderen Punkt ist Amnesty zuzustimmen. Der Stopp des Familiennachzugs und dessen künftige extrem niedrige Quotierung verletzen das Menschenrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens tausender Schutzberechtigter. Die Regelung, die in dieser Strenge allein in Österreich existiert, läuft auf langfristige Familientrennungen hinaus. Dass das Leid, das damit einhergeht, als alternativlos hingenommen wird, ist für die Menschenrechte in Österreich kein gutes Zeichen. (Irene Brickner, 21.4.2026)

 
Leak geheimer Dokumente: Warum Kneissls Generalsekretär freigesprochen wurde
2018 waren geheime Berichte über einen russischen Giftanschlag nach außen gelangt. Johannes Peterlik steckte nicht dahinter, urteilte nun das Straflandesgericht Wien

Es waren nicht nur Lochungen, die den Diplomaten Johannes Peterlik vor einem Schuldspruch bewahrten. Aber auch sie trugen dazu bei, dass die Anklage gegen den einstigen Botschafter in sich zusammenbrach.

Dem ehemaligen Generalsekretär von Außenministerin Karin Kneissl war vorgeworfen worden, geheime Berichte der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) nach außen gespielt zu haben, also Amtsmissbrauch und Geheimnisverrat.

Die OPCW hatte ab dem Frühjahr 2018 den Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal untersucht. Die Türklinke seines Hauses im britischen Salisbury war mit dem brandgefährlichen Nowitschok-Gift besprüht worden. Skripal und seine Tochter landeten im Krankenhaus, dutzende Briten wurden gefährdet. Später verstarb eine Frau, deren Freund ein Flacon mit dem Nervengift gefunden und nach Hause gebracht hatte.

Marsalek prahlte mit Leak
Die OPCW untersuchte das in mehreren Berichten, die wiederum Peterlik als Generalsekretär im Herbst 2018 anforderte. Auf dem Smartphone von Ex-Verfassungsschützer Egisto Ott wurden dann abgefilmte OPCW-Berichte gefunden. Ott steht derzeit wegen des Vorwurfs der Spionage für Russland vor Gericht, er bestreitet die Vorwürfe. Die OPCW-Berichte sollen schließlich beim damaligen Wirecard-Manager Jan Marsalek gelandet sein, der sie der Financial Times präsentierte. Laut Ermittlern seien Ott, Weiss und Marsalek als "nachrichtendienstliche Zelle" für Russland tätig.

 
Religiöse Segregation?
An einer Salzburger Volksschule sollten die Erstklässler nach Glaubensbekenntnis getrennt werden

Die neue religiöse Realität macht sich auch in Österreich unübersehbar bemerkbar. In einer Salzburger Volksschule wollte die Direktorin die Schüler in den ersten Klassen nach Religionszugehörigkeit einteilen. Eine Klasse für kleine Katholikinnen und Katholiken, eine für Muslime und Orthodoxe und eine für Kinder ohne Bekenntnis. Begründung der Direktorin: "Wir haben immer weniger getaufte katholische Kinder. Wenn ich diese auf die drei Klassen aufteilen würde, würde das bedeuten, dass jede Klasse nur eine Religionsstunde statt zwei hat" (weil eine Mindestzahl von Anmeldungen erforderlich ist) . Eine Religionsstunde pro Woche sei zu wenig. Der Bildungsdirektor lehnte die Lösung ab und erteilte eine entsprechende Weisung.

Zu Recht. Diese religiöse Segregation geht natürlich gar nicht, abgesehen davon, dass Muslime und orthodoxe Christen eher willkürlich zusammengelegt würden. Das Ganze spiegelt aber den starken Rückgang des katholischen Glaubens (was ist übrigens mit den Evangelischen?). Es gibt natürlich längst Vorschläge, den Religionsunterricht überhaupt aus der Schule zu verbannen oder ihn durch einen Überblick über alle Religionen oder einen Ethikunterricht zu ersetzen. Das nimmt aber weitgehend die Möglichkeit weg, über einen zweitausend Jahre alten, ungemein prägenden (in jeder Hinsicht) Aspekt der eigenen alten Kultur ausreichend unterrichtet zu werden. (Hans Rauscher, 22.4.2026)

 
"Zara bleibt"
Babler und Holzleitner retten Opferschutzstelle Zara – aber mit weniger Finanzierung als zuvor
Mit 300.000 Euro soll der Verein gerettet werden. Vizekanzler Babler kritisierte im Zuge einer Pressekonferenz das Vorgehen von Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP)

Das Vizekanzleramt und das Frauenministerium werden der Opferschutzorganisation Zara mit einer Förderung von 300.000 Euro unter die Arme greifen. Das verkündeten Vizekanzler Andreas Babler und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (beide SPÖ) Mittwochnachmittag bei einer Pressekonferenz. Die beiden Ressorts würden sich die Summe teilen, hieß es.

Zara, welches eine Meldestelle gegen Hass im Netz betreibt, war nach dem überraschenden Förderstopp durch das Integrations- und Familienministerium unter Claudia Bauer (ÖVP) vor dem Aus gestanden. Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren bereits gekündigt worden. Der Grund: Der Verein war in eine Vorleistung gegangen, um den Förderungszeitraum ab Jänner finanzieren – und war so in ein Defizit geraten.

"Zara bleibt", sagte Holzleitner dazu am Mittwoch. Trotz laufender Budgetverhandlungen hätte man kurzfristig Gelder "zusammengekratzt", um eine Überbrückungsfinanzierung zu ermöglichen. "In einer Zeit, in der Hass im Netz allgegenwärtig ist, braucht es professionelle und niederschwellige Hilfe mehr denn je", nannte die Ministerin als Begründung.

 
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