Also, ich finde, dass ihr beide mit euren Gedanken gar nicht mal so falsch liegt.
Keinem von euch kann man wirklich widersprechen.
Die Folgen der Sanktionen kann man jetzt noch nicht absehen. Jedes Land ist individuell, ein Land kann daran zu Grunde gehen,ein anderes aber stehen.
Lilith betrachtet das Ganze aus einer "Menschlichen" Perspektive, die ich persönlich gut nachvollziehen kann.
Bin nämlich kein komplett logisch denkender Mensch und wie ich auch wichtig finde zu betonen: Ich hab nicht wirklich die Ahnung, wenn es um Wirtschaft geht, mit den Zahlen und co. kann man mich jagen. Also werde ich hier auch nicht den Professor spielen.
Der Gedankengang um das Wohlbefinden der Bevölkerung ist auch das woran ich erstes gedacht habe.
Ich hab eigentlich sofort die die selben Bilder im Kopf die Lilith beschreibt. Das ist weder Unwissen noch Unlogik.
Denn wenn wir so denken , werden es auch viele andere tun.
Die Folgen treffen die Menschen, die eh schon am schwächsten und ungeschütztesten sind. Glaubst du ehrlich, eine iranische Mutter wird deswegen "prowestlich" wählen, weil ihr Kind wegen Medikamentenmangels sterben musste? Oder das alte Mütterchen in Russland, was wahrscheinlich schon so 40 Jahre gebuckelt hat und dann weinend vor Scham der Entwürdigung in der Metro betteln geht?
Dieser Gedanke kommt auch nicht von irgendwo her. Man wird eben in den Nachrichten oft mit diesen Bildern konfrontiert. Und natürlich ist es dann ein Gedankengang, den man berücksichtigen sollte.
Ich kann auch Torukos Einwand verstehen, der meiner Meinung nach nicht überheblich klingt sondern eben rational und nüchtern.
Grundsätlich hat man in der zivilisierten Welt drei Optionen, wie man mit Ländern umgeht, die die gemeinsam festgelegten Konventionen, nicht beachtet.
1. Du tust gar nichts, weil du einfach nicht die Mittel dazu hast. Folge der Aggressor deutet diese Passivität als Schwäche und greift Stück für Stück weiter an.
2. Wirtschaftssantionen - die Stufe vor einer militärischen Auseinandersetzung. Absicht: die Lebensqualität der jeweiligen Bevölkerung massivst angreifen, damit das Regime im Bestfall sein Handeln ändert oder es zu einem Regimewechsel kommt.
3. Militärschläge - ist die letzte Option, um einen "Führer" das Handwerk zu legen.
Ja diese Denkweise ist vielleicht viel logischer, aber trotzdem stellen sich mir bestimmte Fragen.
Weswegen wird die Sanktion verhängt? Durch das Fehlverhalten Erdoğans. Warum fängt man aber erst jetzt so sehr damit an? Er hat weit Provokanteres geleistet.
Es geht nicht um seine Ausfälle, man will nur einen in Ungnade gefallenen defactoDiktator loswerden.
Vielen passt das Referendum nicht. Ich sehe hier einfach nur populistische "westliche" Politik, die mal wieder versucht einem Land seinen Willen aufzuzwingen, indem sie die mittellose Bevölkerung leiden lassen.
Die EU-Länder müssen keinen Handel mit uns machen wenn sie nicht wollen. Das ist ihr gutes Recht.
Aber das zu benutzen,um ein Volk zu brechen damit es gegen Erdoğan rebelliert, ist meiner Meinung nach grenzwertig.
Klar reden wir davon, dass man etwas gegen Erdoğan unternehmen muss und ich persönlich hasse diesen Mann wie die Pest. Aber das Volk muss eben von selbst gegen ihn rebellieren und nicht weil die Sanktionen die Menschen brechen. Ich versteh nicht wie das bitte das Demokratiebewusstsein eines Volkes stärken soll?
Diese Sanktionen können sogar das Gegenteil bewirken.
Und den Demokratiegedanken weiter schwächen.
Erdoğan hat ein neues Feindbild. Und die Türken fühlten sich immer sowohl in Europa, als auch Asien außen vor.
Da werden Worte wie "Türkün dostu türktür" viel mehr fruchten. Die Türkei hat in den letzten Jahren nur Streit mit den Nachbarn. Nichts ist einfacher als Paranoia zu schüren. Wer wird uns denn von den Nachbarn lieb in Ruhe lassen außer Azerbaycan? Solche Gedanken könnten leicht fruchten. Ich kann die wirtschaftlichen Konsequenzen nicht voraussehen aber allein das wissen,dass das Land sanktioniert ist wird sein übriges tun. Und wenn wir etwas inzwischen wissen, dann dass Erdoğan genau weiß wie er mit seinen Leuten umzugehen hat. Das muss man ihm leider lassen. Er weiß genau welche Knöpfe er drücken muss.
Selbst wenn wir annehmen, dass die Leute dann gegen Erdoğan rebellieren. Wann wird das sein? Nach 3 Monaten? Nach 3 Jahren? Nach 30 (Ok, bis dahin liegt der Alte hoffentlich unter der Erde)?
Wie lange will man ein Volk leiden lassen wegen einer populistischen Politik?
Und dass niemand in der Türkei leiden wird stimmt nicht.
Im Südosten können vielleicht noch die großen Städte finanzielle Probleme überstehen.
Aber der ländliche Teil wird katastrophal leiden. Ich rede hier von den ohnehin schon schlechten sozialen Strukturen. Demokratisches Gedankengut findest du da jetzt schon kaum, wenn die Leute da unzufrieden werden die ganz sicher nicht zu plumpen Erdoğanhassern.
Ich würde auch sagen das Toruko sein Land mag und sich darum sorgt. Wenn überhaupt bezieht sich seine Gefühlskälte nur auf den Südosten. Ansonsten kann man ihm das wirklich nicht vorwerfen. Ich hingegen bin wahrscheinlich zu nachsichtig mit denen da unten, weil ich nicht wirklich neutral sein kann, auch wenn ich es versuche ;D
Ich sehe es nicht wirklich als ein lass sie hinfliegen und dazulernen. Denn so würden die Türken von sich aus nichts ändern und der nächste Erdi steht vor der Tür.
Das sind eher meine Gedanken dazu