Wal "Timmy" wird in Deutschland zum Politikum
Vor der deutschen Ostsee-Insel Poel ist die private Rettung für den gestrandeten Wal angelaufen. Experten sind auf Distanz zur Entscheidung des zuständigen Ministers Till Backhaus (SPD)
Nun also doch. Am Donnerstag gab es in der Ostsee, vor der Insel Poel Bewegung. Mit einigen Stunden Verspätung lief eine private Wal-Rettungsaktion an. Initiiert haben diese Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und die im Pferdesport tätige Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Sie werden auch die Kosten tragen.
Der Plan: Wal "Timmy", der seit Ende März vor Poel liegt und sich nicht von alleine aus dem flachen Wasser bewegen kann, soll auf ein Luftkissen gehoben und dann ins offene Meer gezogen werden. Mit den Worten "wir dulden dieses Vorhaben" hat Till Backhaus (SPD), der Umwelt- und Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, grünes Licht für die Aktion gegeben.
Seine Kehrtwende kam ziemlich überraschend, denn noch vor zwei Tagen hatte Backhaus erklärt, es werde keinen Rettungsversuch für den Wal geben. Dabei hatte er sich auf ein Gutachten der Stiftung Deutsches Meeresmuseum (DMM) und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) für sein Ministerium berufen.
Im Gutachten wird darauf hingewiesen, dass die Haut des Wales in einem schlechten Zustand sei, man die restlichen Seil- oder Netzreste nicht aus seinem Maul entfernen könne, und eine "Lebendbergung" mit einem "hohen Verletzungsrisiko" einhergehen würden. Fazit: Der Wal sollte "in Ruhe gelassen und nicht gestört werden".
"Das Tier leidet"
Backhaus hatte vor wenigen Tagen dazu noch erklärt: "Das Tier leidet – aber ein schwer geschädigtes Tier wieder ins Wasser zu bringen, ohne realistische Überlebenschance, ist nicht vertretbar."
Der Minister steht jedoch schwer unter Druck. Vor wenigen Tagen sagte er der Ostee-Zeitung: "Diese Hölle ist die schlimmste, die ich je als Minister erlebt habe. Allein gegen mich liegen 47 Strafanzeigen vor. Ich werde täglich angefeindet". Die aufgeheizte Stimmung mache ihn "traurig, tief traurig".
Vor der deutschen Ostsee-Insel Poel ist die private Rettung für den gestrandeten Wal angelaufen. Experten sind auf Distanz zur Entscheidung des zuständigen Ministers Till Backhaus (SPD)
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