„Europäer zahlen Kosten für Nahost-Flächenbrand“
US-Sicherheitsexperte James Davis erklärt, wie sich Europa sehr wohl in den Iran-Konflikt einbringen könnte. Er skizziert Strategien für einen Umgang mit Donald Trump und eine europäische Abschreckung. Trump habe keine Strategie im Iran, meint er. Und: Dieser Krieg schwäche Putin und fordere China heraus.
Die Presse: Der Iran-Angriff hat Europa überrascht. Wie beurteilen Sie Europas Reaktion in dieser neuen Krise im eigenen Hinterhof?
James Davis: Hätten die Europäer diesmal einheitlich reagiert, wäre dies ein Wunder gewesen. Nahost-Interventionen der USA haben Europa auch in der Vergangenheit gespalten, einzelne Staaten haben in der Region auch unterschiedliche Anliegen, die einen haben Militärbasen in der Region, die anderen müssen die Interessen nationaler Unternehmen schützen. Doch es gibt sehr wohl gemeinsame Interessen. Wenn sich der Nahost-Flächenbrand ausbreitet, zahlen auch die Europäer die Kosten, durch hohe Rohstoffpreise, durch Fluchtbewegungen. Ich beobachte das schon lange: Europa scheint kein „Drehbuch“ mit Handlungsanweisungen und Optionen zu haben für internationale Krisen. Auch fehlt die gemeinsame Stimme. Ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht daran, was Frau Kallas (EU-Außenbeauftragte) zuletzt zur Iran-Krise gesagt hat. Für Europa sprechen die Staats- und Regierungschefs.
Und die sind sich nicht einig, wie sie mit Donald Trump umgehen sollen.
Niemand weiß so richtig, wie man mit Trump umgehen soll, nicht nur in Europa. Da gibt es die Trump-Flüsterer, wie den Nato-Generalsekretär und in gewissem Maße auch den deutschen Bundeskanzler. Sie bemühen sich um persönliche Beziehungen, setzen auf Zeit, wollen Katastrophen vermeiden. Das ist riskant, denn wenn man aus Trumps Sicht ein „Freund“ auf der „falschen“ Seite ist, reagiert er umso wütender, weil er sich betrogen fühlt. Daher muss Europa klarer die eigenen Interessen definieren. Und realisieren, dass es auf die Amerikaner derzeit nicht zählen kann.
www.diepresse.com
US-Sicherheitsexperte James Davis erklärt, wie sich Europa sehr wohl in den Iran-Konflikt einbringen könnte. Er skizziert Strategien für einen Umgang mit Donald Trump und eine europäische Abschreckung. Trump habe keine Strategie im Iran, meint er. Und: Dieser Krieg schwäche Putin und fordere China heraus.
Die Presse: Der Iran-Angriff hat Europa überrascht. Wie beurteilen Sie Europas Reaktion in dieser neuen Krise im eigenen Hinterhof?
James Davis: Hätten die Europäer diesmal einheitlich reagiert, wäre dies ein Wunder gewesen. Nahost-Interventionen der USA haben Europa auch in der Vergangenheit gespalten, einzelne Staaten haben in der Region auch unterschiedliche Anliegen, die einen haben Militärbasen in der Region, die anderen müssen die Interessen nationaler Unternehmen schützen. Doch es gibt sehr wohl gemeinsame Interessen. Wenn sich der Nahost-Flächenbrand ausbreitet, zahlen auch die Europäer die Kosten, durch hohe Rohstoffpreise, durch Fluchtbewegungen. Ich beobachte das schon lange: Europa scheint kein „Drehbuch“ mit Handlungsanweisungen und Optionen zu haben für internationale Krisen. Auch fehlt die gemeinsame Stimme. Ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht daran, was Frau Kallas (EU-Außenbeauftragte) zuletzt zur Iran-Krise gesagt hat. Für Europa sprechen die Staats- und Regierungschefs.
Und die sind sich nicht einig, wie sie mit Donald Trump umgehen sollen.
Niemand weiß so richtig, wie man mit Trump umgehen soll, nicht nur in Europa. Da gibt es die Trump-Flüsterer, wie den Nato-Generalsekretär und in gewissem Maße auch den deutschen Bundeskanzler. Sie bemühen sich um persönliche Beziehungen, setzen auf Zeit, wollen Katastrophen vermeiden. Das ist riskant, denn wenn man aus Trumps Sicht ein „Freund“ auf der „falschen“ Seite ist, reagiert er umso wütender, weil er sich betrogen fühlt. Daher muss Europa klarer die eigenen Interessen definieren. Und realisieren, dass es auf die Amerikaner derzeit nicht zählen kann.
„Europäer zahlen Kosten für Nahost-Flächenbrand“
US-Sicherheitsexperte James Davis erklärt, wie sich Europa sehr wohl in den Iran-Konflikt einbringen und dabei von den USA abnabeln könnte. Er skizziert Strategien für einen Umgang mit Donald...