Habt Vertrauen in dieses Europa!
Historisch gibt es keinen Grund, nicht an weitere Erfolge beim Aufbau der europäischen Gemeinschaft zu glauben. Es braucht mehr Mut, Tatkraft und Offenheit
Die Glühbirne wurde von Thomas Edison einst in den USA erfunden. 150 Jahre später muss den Europäern technologisch-innovativ ein Licht aufgehen, Digitalisierung und KI verändern alles.
Vor kurzem publizierte Die Zeit eine üppige Sonderausgabe. Vielsagender Titel: "Europa, was bist Du schön!" Großformatig wurden "66 Sehnsuchtsorte" präsentiert. Sie reichen von den Azoren bis zum Kaukasus, von Helsinki bis Kreta, an die Küsten Marokkos und der Türkei, in 27 EU-Mitgliedsstaaten, einem guten Dutzend Beitrittskandidaten und Nachbarländern im Osten.
Vordergründig ein Reiseprojekt über landschaftliche und kulturelle Vielfalt, drängte sich im Hintergrund das Bild einer viel tieferen Dimension auf, politisch wie wirtschaftlich: "Europa, was bist Du doch faszinierend, gemeinsam so reich und reichhaltig!" Insgesamt leben hier gut 600 Millionen Einwohner, eng verflochten.
Fast 70 Jahre Integrationserfolg
Blickt man nüchtern zurück auf fast 70 Jahre Integrationsgeschichte (1957 wurde in Rom die EWG gegründet), gibt es eigentlich keinen Grund für Pessimismus. Auferstanden aus der deutsch-französischen Aussöhnung nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, wurde aus einer kleinen Gemeinschaft von sechs Gründerstaaten die heutige Union. Der Erfolg: Hohes Wohlstandsniveau, Ernährungssicherheit, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheit, offene Grenzen. Studieren im Ausland, gute Gesundheitsversorgung – alles eine Selbstverständlichkeit.
Aber der Zeitgeist erzählt es anders. Das Gemeinschaftsprojekt Europa wird zunehmend negativ gesehen, von radikalen, populistischen Parteien angefeuert. Der neue alte Nationalismus. Droht Europa der Absturz zwischen den USA des brachialen Donald Trump, dem kriegslüsternen Russen Wladimir Putin und der Diktatur in China unter Präsident Xi Jinping?
Digitaler Wandel
Mitnichten, sagt Mario Holzner vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) dem STANDARD für diese Sonderausgabe. Die Wirtschaft sei nach wie vor leistungsfähig, global in einigen Sektoren führend. Kriege im Iran und in der Ukraine, die Energiekrise drücken runter. Entscheidend für eine gedeihliche Zukunft wird sein, wie gut das sozial-liberale europäische Wirtschaftsmodell den Wandel in eine KI-gesteuerte Zukunft schafft.
Historisch gibt es keinen Grund, nicht an weitere Erfolge beim Aufbau der europäischen Gemeinschaft zu glauben. Es braucht mehr Mut, Tatkraft und Offenheit
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