Der „Grönland-Moment“ – Wie Europa in München lernt, ohne Amerika zu planen
Vor einem Jahr stand auf derselben Bühne der Münchner Sicherheitskonferenz ein amerikanischer Vizepräsident, der Europa offen belehrte, brüskierte und ideologisch attackierte. Die Rede von JD Vance markierte damals den Beginn einer Phase, in der das transatlantische Verhältnis nicht nur politisch, sondern atmosphärisch zerfiel. Handelsstreit, Spott, offene Verachtung, Drohungen gegenüber Verbündeten – vieles, was jahrzehntelang als stiller Konsens galt, wurde öffentlich infrage gestellt. In diesem Jahr ist der Ton weicher. Keine offenen Beschimpfungen, keine demonstrative Geringschätzung. Stattdessen sprechen amerikanische Vertreter von „pragmatischem Realismus“. Doch hinter der neuen Wortwahl steht dieselbe Botschaft: Europa soll für seine eigene Sicherheit zahlen. Europa soll militärisch auf eigenen Beinen stehen. Europa soll die Abhängigkeit von Washington beenden.
Und in München ist zu hören, dass diese Botschaft angekommen ist. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte gleich zu Beginn der Konferenz, die internationale Ordnung auf Grundlage von Rechten und Regeln existiere in ihrer bisherigen Form nicht mehr. Der Anspruch der Vereinigten Staaten auf globale Führungsrolle sei herausgefordert, womöglich verspielt worden. Das ist kein diplomatischer Halbsatz, das ist eine nüchterne Feststellung. Merz sprach offen von einer „Kluft“ im transatlantischen Verhältnis und zählte auf, wo sich die Wege getrennt haben: beim Umgang mit Hassrede, beim Klimaschutz, beim Freihandel. Werte, die Deutsche und viele Europäer lange als gemeinsame Grundlage mit Amerika betrachteten, stehen nicht mehr selbstverständlich nebeneinander.
Und in München ist zu hören, dass diese Botschaft angekommen ist. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte gleich zu Beginn der Konferenz, die internationale Ordnung auf Grundlage von Rechten und Regeln existiere in ihrer bisherigen Form nicht mehr. Der Anspruch der Vereinigten Staaten auf globale Führungsrolle sei herausgefordert, womöglich verspielt worden. Das ist kein diplomatischer Halbsatz, das ist eine nüchterne Feststellung. Merz sprach offen von einer „Kluft“ im transatlantischen Verhältnis und zählte auf, wo sich die Wege getrennt haben: beim Umgang mit Hassrede, beim Klimaschutz, beim Freihandel. Werte, die Deutsche und viele Europäer lange als gemeinsame Grundlage mit Amerika betrachteten, stehen nicht mehr selbstverständlich nebeneinander.
Vor einem Jahr stand auf derselben Bühne der Münchner Sicherheitskonferenz ein amerikanischer Vizepräsident, der Europa offen belehrte, brüskierte und ideologisch attackierte. Die Rede von JD Vance markierte damals den Beginn einer Phase, in der das transatlantische Verhältnis nicht nur...
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