Wer sind die Gewalttäter der Krawalle in Frankreich?
Erste Justizerkenntnisse zeugen von einer explosiven Mischung aus Ultras und Gelegenheitsplünderern. Zahlreiche Festgenommene mussten sich bereits vor Gerichten verantworten
Die französische Polizei mag am Wochenende überfordert gewesen sein – umso prompter führt sie seither die Ermittlungen. Am frühen Dienstagmorgen verhaftete sie in einem Dorf in der zentralfranzösischen Gegend Creuse einen 34-jährigen Mann, der das heimatgeschützte Rathaus von Limoges in Brand gesteckt haben soll. Handyvideos sollen zeigen, wie er durch ein geöffnetes Fenster einen Molotov-Cocktail wirft.
Der Festgenommene gehört zur Ultralinken. Er ist der Polizei bekannt wegen "Gewalt gegen Ordnungskräfte" und figuriert in der S-Kartei für Staatssicherheit. Aus diesem Grund hat sich auch die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft eingeschaltet.
Laut dem Sicherheitsexperten Alain Bauer zählt die Ultralinke in Frankreich ungefähr 5000 Mitglieder. Diese Autonomen, Anarchisten und Radikalökos sollen mit ausländischen Aktivisten des Schwarzen Blocks zusammenarbeiten. Viele hatten sich in den letzten Tagen unter die demonstrierenden Gymnasiasten gemischt und mit der Polizei angelegt. Auch bei den schweren Krawallen dieses Wochenendes agierten sie schwarz vermummt an vorderster Front.
Umstrittene Verbindungen
In Magazinen wie Contre-Attaque (Gegen-Angriff) rechtfertigen sie ihr Vorgehen mit dem Kampf gegen die "totalitären Inszenierung" der Regierung in Paris oder die "Faschisten" in Lyon. Ihr studentischer Ableger Poing levé (erhobene Faust) der trotzkistischen Organisation Révolution permanente (Dauernde Revolution) spielt in den bisherigen Schülerprotesten eine zweifelhafte Rolle.
Umstritten sind die Verbindungen dieser Ultralinken zu politischen Partei wie das Unbeugsame Frankreich. Ihr Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon distanzierte sich am Sonntag gegen jede Gewalt. Premierminister Sébastien Lecornu hielt dem Linken-Chef dagegen vor, er dulde in seinen Reihen Abgeordnete wie den Linksextremisten Raphaël Arnault, dessen parlamentarischer Assistent sich wegen der vorsätzlichen Tötung eines rechtsextremen Studenten anfangs dieses Jahres in Lyon verantworten muss.
Erste Justizerkenntnisse zeugen von einer explosiven Mischung aus Ultras und Gelegenheitsplünderern. Zahlreiche Festgenommene mussten sich bereits vor Gerichten verantworten
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