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Nachrichten aus Ungarn

Nationalfeiertag
Erste Zwischenbilanz für Magyars Kurs
Ungarn begeht am Donnerstag den bedeutendsten Feiertag des Landes, an dem an die Gründung des Staates vor über 1.000 Jahren erinnert wird. Damals christianisierte König Stephan I. das Land mit absoluter Härte, es kam zu einem Systemwechsel. Auch heute erlebt Ungarn eine politische Wende: Ministerpräsident Peter Magyar, der vor 100 Tagen seine Regierungsarbeit aufgenommen hat, will das Land nach eigenen Worten vom „System Orban“ befreien.

Der Erdrutschsieg von Magyars konservativer TISZA-Partei bei der Parlamentswahl im April bedeutete mehr als nur einen Wechsel an der Regierungsspitze. Denn nach 16 Jahren mit Viktor Orban als Regierungschef versprach Magyar eine politische Zäsur. Brüssel erhoffte sich mit der neuen Regierung zudem ein Ende der Blockaden bei EU-Vorhaben und versprach gleichzeitig die Freigabe von bisher eingefrorenen Finanzhilfen in Milliardenhöhe.

Seitdem seine Regierung am 12. Mai, und damit vor 100 Tagen, ihre Arbeit aufnahm, kann Magyar mit Zweidrittelmehrheit Verfassungsänderungen ohne Rücksicht auf andere Parteien umsetzen. Den parlamentarischen Freibrief nutzte der neue Ministerpräsident unter anderem, um Personen, die Orbans Politik jahrelang mittrugen, aus ihren Ämtern zu heben. Oppositionelle orten deswegen in Magyars Politik teils undemokratische bis autoritäre Tendenzen. Erst im Juli musste Staatspräsident Tamas Sulyok via Verfassungsänderung gehen, den Magyar als „Marionette“ Orbans bezeichnet hatte.

Personalvorschläge via Facebook

 
Spitze der ungarischen Antikorruptionsbehörde besetzt
Die Politikwissenschaftlerin Anna Unger ist heute im ungarischen Parlament zur Präsidentin des neuen Amtes für Vermögensrückführung und Vermögensschutz (NVVH) gewählt worden. Ihre Amtszeit beginnt am 1. September und dauert sechs Jahre.

Die Errichtung der Antikorruptionsbehörde, die Korruptionsfälle vor allem aus der Zeit des früheren Premiers Viktor Orban (2010–2026) verfolgen soll, war eines der wichtigsten Wahlversprechen von Regierungschef Peter Magyar gewesen.

Interne Debatten
Unger wurde mit 137 Ja-, sieben Nein-Stimmen und einer Stimmenthaltung gewählt. Magyar bezeichnete die Politologin als Persönlichkeit, die geeignet ist, eine auch im politischen Sinne äußerst wichtige Position zu bekleiden, die 24-stündigen Personenschutz erfordere.

Obwohl Magyar und die Mehrheit der TISZA-Fraktion offiziell hinter Unger standen, löste die Nominierung einer Nichtjuristin auch interne Debatten aus.

 
Korruptionsverdacht: Ermittlungen gegen Ungarns Staatsbank
Die ungarischen Behörden haben strafrechtliche Ermittlungen wegen mutmaßlichen Amtsmissbrauchs und Misswirtschaft bei der staatlichen Eximbank eingeleitet. Das teilte die Polizei heute mit.

Es ist der jüngste Schritt der Regierung von Ministerpräsident Peter Magyar, mutmaßliche Korruption unter der Vorgängerregierung aufzudecken. Die Ermittler beschlagnahmten gestern Tausende Seiten interner Dokumente des Wirtschaftsministeriums.

„Es handelt sich um Dokumente, die im Zuge der internen Prüfung sichergestellt wurden und die zusätzliche Erkenntnisse für die Ermittlungen zu den gemeldeten Taten liefern“, hieß es in einer Erklärung der Polizei.

Kredit an Nordmazedonien wird untersucht
Die Ermittlungen betreffen vier Fälle bei der Eximbank, darunter einen Kredit über eine Milliarde Euro an Nordmazedonien. Das Wirtschaftsministerium hatte im Juli nach einer Prüfung der Bank Anzeige erstattet. Der Kredit an Nordmazedonien war mit einem Zinssatz von 3,25 Prozent und einer vollständigen Staatsgarantie ausgestattet.

Magyar sagte damals, mit dem Darlehen könnten Gelder, die eigentlich zur Förderung ungarischer Unternehmen vorgesehen waren, zur Stärkung eines ausländischen politischen Verbündeten umgeleitet worden sein.

 
Ungarn: Alle Unis kehren in Erasmus-Programm zurück
Nach ihrem Ausschluss im Jahr 2022 nehmen rund zwei Dutzend Hochschulen in Ungarn künftig wieder am europäischen Studentenaustauschprogramm Erasmus teil.

„Erasmus kehrt an alle ungarische Universitäten zurück“, so Bildungsministerin Judit Lannert gestern auf Facebook. Die Regierung habe alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die Teilnahme der Unis an dem von der EU finanzierten Programm ab dem kommenden Wintersemester zu ermöglichen.

21 Hochschulen in Ungarn, darunter einige der führenden Universitäten des Landes, waren 2022 aus dem Programm ausgeschlossen worden, nachdem sie unter dem damaligen rechtsnationalistischen Regierungschef Viktor Orban in den Besitz von Stiftungen überführt worden waren. Nun kommen die Hochschulen ab kommendem Jahr wieder unter staatliche Kontrolle.

EU setzte Erasmus-Förderung aus
Die Überführung der Hochschulen in die Stiftungen hatte in Ungarn für Kontroversen gesorgt. Die rechtsnationalistische Regierung betonte, die Reformen zielten darauf ab, die Modernisierung der Unis voranzutreiben. Kritiker sprachen hingegen von einem Versuch, den Einfluss der langjährigen Regierungspartei FIDESZ im Bildungsbereich zu zementieren.

 
Ungarns Jagd auf die Milliarden des Orban-Systems beginnt
Peter Magyar hat den Ungarn versprochen, Unrechts-Vermögen aus der Orban-Ära zurückzuholen. Nun nimmt eine neue Superbehörde ihre Arbeit auf. Für die Tisza-Regierung geht es um ihre Glaubwürdigkeit.

"Vermögensrückgewinnung" - hinter diesem auch im Ungarischen bürokratisch anmutenden Wort steckt eines der wichtigsten Wahlkampfversprechen der neuen Regierung in Ungarn. Der Premier Peter Magyar und seine Tisza-Partei wollen für den Staat jene Gelder und Vermögenswerte zurückholen, die unter Viktor Orbans Herrschaft in zweifelhafter Weise an Oligarchen, Parteifreunde, Strohmänner oder an die Familie des Autokraten flossen. Und sie wollen die unrechtmäßigen Profiteure juristisch zur Rechenschaft ziehen.

Es geht um eine umfassende Operation gegen Korruption. Und genau das ist es, was viele Ungarn an allererster Stelle von der neuen Regierung erwarten: Entwendete Milliarden sollen dem Staat zurückgegeben werden. Nicht wenige wollen auch "Handschellen klicken hören" und die Nutznießer des Orban-Systems hinter Gittern sehen, wie in sozialen Medien verbreitet zu lesen ist.

 
Ungarn weist zehn russische Diplomaten aus
Ungarn weist zehn russische Diplomaten aus dem Land aus. Das gab Außenministerin Anita Orban heute bekannt. Begründet wurde das mit deren „mit dem Wiener Abkommen unvereinbaren Tätigkeit“ – eine Umschreibung für Geheimdienstaktivitäten. Russland kündigte eine „schmerzhafte“ Vergeltung an, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.

Unter der vorigen, russlandfreundlichen Regierung von Viktor Orban galt Ungarn laut Medienberichten als wichtiger Stützpunkt russischer Geheimdienste in der EU.

 
Diplomaten ausgewiesen
Ungarn vollzieht Kurswechsel zu Russland
Die neue ungarische Regierung von Peter Magyar bricht mit dem russlandfreundlichen Kurs von Vorgänger Viktor Orban: Ungarn weist zehn russische Diplomaten aus. Das gab Außenministerin Anita Orban am Dienstag in sozialen Netzwerken bekannt. Begründet wurde das mit deren „mit der Wiener Konvention unvereinbaren Tätigkeit“ – eine Umschreibung für Geheimdienstaktivitäten. Russland kündigte Gegenmaßnahmen an.

Die Entscheidung bedeute nicht, „dass die diplomatischen Beziehungen zu Russland abgebrochen werden“, stellte Außenministerin Orban klar. Ungarn beabsichtige, den Dialog mit Moskau „unter Wahrung des gegenseitigen Respekts und der Einhaltung der Regeln“ aufrechtzuerhalten. „Wir verteidigen unsere Souveränität“, erklärte dazu Ministerpräsident Magyar auf Facebook.

Die Maßnahme ist ein weiterer klarer Schritt der neuen ungarischen Regierung von Magyar weg von der stark prorussischen Position seines Vorgängers Orban. Magyar hatte bei der Parlamentswahl am 12. April einen triumphalen Wahlsieg über den seit 16 Jahren regierenden Orban errungen.

 
Wie Premier Magyar Ungarns Außenpolitik umkrempelt – und was er bisher schuldig blieb
Die Erwartungen an den proeuropäischen Kurs der neuen Regierung waren hoch. Tatsächlich weht in Budapest ein neuer Wind, doch in manchen Bereichen, etwa in der Asylpolitik, bleibt vieles beim Alten

Die Abwahl des Rechtspopulisten Viktor Orbán nach 16-jähriger Herrschaft hat das EU- und Nato-Land Ungarn außenpolitisch neu positioniert. Péter Magyar, sein Nachfolger im Ministerpräsidentenamt, betonte im Wahlkampf und danach mehrfach: "Ungarns Platz ist in Europa. Es gibt keine Schaukelpolitik zwischen Ost und West. Als verlässlicher und respektierter Partner der Europäischen Gemeinschaften werden wir eine starke Stimme haben."

Programmatisch ist das eine klare Abkehr von Orbáns antieuropäischer, antiwestlicher und vielfach prorussischer Außenpolitik. In den vergangenen Jahren war Ungarn deshalb in der EU isoliert, waren die meisten Universitäten von EU-Stipendien und -Forschungsgeldern abgeschnitten.

 
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