Fünf Jahre Krieg – Russland rutscht in Müdigkeit und Misstrauen
Fünf Jahre Krieg hinterlassen Spuren, die sich nicht mehr überdecken lassen. In Russland kippt die Stimmung spürbar, während Vladimir Putin an seinem Kurs festhält und gleichzeitig immer mehr Menschen die Kosten direkt im Alltag spüren. Die Zustimmung fällt auf 65,6 Prozent, der niedrigste Wert seit Beginn des Krieges, und der Abstand zu früheren Höhen ist deutlich. Was Zahlen zeigen, wird im Land selbst längst ausgesprochen, vorsichtig, aber klar. Viele haben genug von einem Konflikt, der kein Ende findet und bei dem selbst begrenzte militärische Ziele unerreicht bleiben. Die Erwartung, dass sich etwas bewegt, ist einer Müdigkeit gewichen, die sich durch alle Schichten zieht.
Gleichzeitig verschärft sich die wirtschaftliche Lage. Sanktionen greifen tiefer, Investitionen brechen ein, Unternehmen zahlen Rechnungen nicht mehr, Steuerschulden steigen. Die Inflation hat sich festgesetzt, die Zinsen bleiben hoch, und selbst offizielle Stellen sprechen davon, dass Reserven weitgehend aufgebraucht sind. Auf einem Wirtschaftsforum in Moskau kommt Kritik ungewohnt offen. Unternehmer sprechen davon, dass die Führung den Bezug zur Realität verloren hat. Ökonomen verweisen darauf, dass Wachstum kaum noch sichtbar ist, während Preise massiv gestiegen sind. Der Vergleich mit China fällt für Russland ernüchternd aus, selbst ärmere Regionen dort liegen inzwischen über russischem Niveau.
Hinzu kommt ein Thema, das besonders jüngere Menschen trifft. Der Staat schränkt den Zugang zum Netz ein und begründet das mit Sicherheit. Für viele fühlt sich das wie ein Rückschritt an, als würde sich das Land wieder abschotten. Die Vorstellung eines digitalen Eisernen Vorhangs macht die Runde und trifft einen Nerv, der tiefer geht als reine Wirtschaftsdaten. Die Regierung reagiert, aber sie reagiert defensiv. Kritik wird zurückgewiesen oder kontrolliert, während einzelne Stimmen lauter werden. Selbst innerhalb des politischen Systems warnen Akteure vor einem Absturz, sollte sich der Kurs nicht ändern.
Außenpolitisch verschiebt sich der Fokus der Vereinigten Staaten Richtung Iran, was in Moskau als Chance gesehen wird, den Druck in der Ukraine länger auszuhalten. Für viele im Land bedeutet das vor allem eines: keine schnelle Perspektive auf ein Ende. Im Alltag zeigt sich die Entwicklung nüchtern. Weniger Kaufkraft, höhere Preise, weniger Bewegung in Geschäften, steigende Kosten für Energie und Steuern. Gleichzeitig wächst bei vielen der Wunsch, das Land zu verlassen, auch wenn das für die meisten keine Option ist. Am Ende steht kein plötzlicher Bruch, sondern ein langsames Abrutschen. Die Kontrolle des Staates bleibt bestehen, aber das Vertrauen bröckelt. Und je länger der Krieg dauert, desto stärker wird das Gefühl, dass sich daran so schnell nichts ändern wird.