Da ich ja dies eigentlich anders in Erinnerung habe und das Interview von Mesic mir auch irgendwie ein wenig anders in Erinnerung geblieben ist, KI befragt:
Wenn man die im Interview von Stipe Mesić aufgestellten Behauptungen mit den echten völkerrechtlichen Dokumenten, den Beschlüssen der Badinter-Kommission und den tatsächlichen Abläufen des Jahres 1991 abgleicht, kollabiert das Narrativ einer geheimen Verschwörung sofort. [1]
Mesićs Anekdote mischt persönliche (und teils eitel ausgeschmückte) Erinnerungen mit einer Kausalität, die historisch nachweisbar falsch ist. Der historische Abgleich im Detail:
1. Wer löste Jugoslawien auf? (Mesić vs. Badinter-Gutachten Nr. 1)
2. Die Anerkennung: Auslöser des Krieges oder Reaktion auf Aggression?
3. Genscher und die CIA: Der angebliche „Alleingang“
4. Das "Island-Mysterium"
Mesić inszeniert sich in dem Text nachträglich als der große Strippenzieher, der "Prophet", der den Krieg voraussagte. Die Dokumente zeigen jedoch: Die europäische Diplomatie war 1991 schlichtweg heillos überfordert, reagierte viel zu spät auf die von Belgrad gesteuerten militärischen Fakten am Boden und versuchte ab Ende 1991 nur noch, den Scherbenhaufen völkerrechtlich zu ordnen. [1, 2]
Wenn man die im Interview von Stipe Mesić aufgestellten Behauptungen mit den echten völkerrechtlichen Dokumenten, den Beschlüssen der Badinter-Kommission und den tatsächlichen Abläufen des Jahres 1991 abgleicht, kollabiert das Narrativ einer geheimen Verschwörung sofort. [1]
Mesićs Anekdote mischt persönliche (und teils eitel ausgeschmückte) Erinnerungen mit einer Kausalität, die historisch nachweisbar falsch ist. Der historische Abgleich im Detail:
1. Wer löste Jugoslawien auf? (Mesić vs. Badinter-Gutachten Nr. 1)
- Mesićs Behauptung: Die kroatische Führung (und er selbst) reisten im Geheimen nach Bonn, um das Ende Jugoslawiens politisch zu besiegeln.
- Die historische Realität: Der Zerfall Jugoslawiens war das Resultat eines tiefen, jahrelangen inneren Systemkollapses. In den berühmten Gutachten Nr. 1 (29. November 1991) und Nr. 8 stellte die Badinter-Schiedskommission offiziell fest, dass sich die SFRJ „im Prozess der Auflösung befindet“ („in the process of dissolution“). [1, 2, 3, 4]
- Der Grund: Die Bundesorgane (Präsidium, Parlament, Armee) spiegelten den gemeinsamen Staat nicht mehr wider und waren handlungsunfähig geworden. Es war also kein einseitiger „kroatischer Abbruch“ oder ein juristischer „Austritt“ (Sezession), sondern ein staatsrechtliches Sterben des Gesamtgefüges von innen heraus. [1, 2, 3]
2. Die Anerkennung: Auslöser des Krieges oder Reaktion auf Aggression?
- Der Verschwörungsmythos: Genscher und der Vatikan trieben die Anerkennung voran, um Jugoslawien zu zerstören, und provozierten damit den Krieg.
- Die zeitliche Realität (Chronologie-Check):
- März 1991: Der Krieg in Kroatien bricht mit bewaffneten Konflikten (z.B. in Pakrac und Plitvice) aus.
- Juni/Juli 1991: Slowenien und Kroatien erklären ihre Unabhängigkeit, die Jugoslawische Volksarmee (JNA) greift an.
- August–November 1991: Brutalste Kriegsführung (Zerstörung von Vukovar, Beschuss von Dubrovnik).
- 19. Dezember 1991: Deutschland und Island geben die Anerkennung bekannt.
- 15. Januar 1992: Die gesamte Europäische Gemeinschaft zieht geschlossen nach. [1, 2, 3, 4]
- Das Fazit: Als Deutschland und Island Kroatien anerkannten, tobte der Krieg bereits seit fast einem Dreivierteljahr. Bis zu einem Drittel des kroatischen Territoriums war bereits von serbischen Truppen und der JNA besetzt. Die Anerkennung war somit kein Auslöser des Krieges, sondern der verzweifelte (und umstrittene) diplomatische Versuch der EG, einen bereits eskalierten Krieg zu internationalisieren, um die JNA völkerrechtlich als Aggressor in einem fremden Staat zu brandmarken. [1, 2, 3]
3. Genscher und die CIA: Der angebliche „Alleingang“
- Mesićs Behauptung: Genscher griff zum Hörer, instruierte Island, und die Sache war erledigt. [1]
- Die historische Realität: Deutschland preschte im Herbst 1991 außenpolitisch tatsächlich ungewohnt aggressiv voran (was dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher schwere Kritik von Seiten der USA, Frankreichs und Großbritanniens einbrachte). Allerdings hielt sich Bonn formal an die europäischen Vorgaben. [1, 2, 3]
- Die EG-Außenminister hatten am 16. Dezember 1991 in Brüssel beschlossen, dass alle jugoslawischen Republiken, die die Unabhängigkeit wünschten und die Menschenrechtskriterien erfüllten, bis zum 15. Januar 1992 anerkannt werden sollten. Deutschland verkündete die Anerkennung lediglich eigenmächtig schon am 19. Dezember (vollzogen zum 15. Januar). Die CIA wiederum stand der schnellen Anerkennung anfangs sogar skeptisch gegenüber, weil US-Präsident George H. W. Bush bis tief in das Jahr 1991 hinein den Erhalt eines (demokratisierten) Gesamtjugoslawiens bevorzugte, um geopolitische Instabilität zu vermeiden. [1, 2, 3]
4. Das "Island-Mysterium"
- Mesićs Behauptung: Genscher habe Island als "neutralen Staat des Zweiten Weltkriegs" vorgeschlagen und per Telefonat dazu gebracht, Kroatien als Erstes anzuerkennen.
- Die historische Realität: Island war im Zweiten Weltkrieg keineswegs neutral im klassischen Sinne – es wurde 1940 von den Briten besetzt und diente später den Amerikanern als wichtiger Stützpunkt. Dass Island Kroatien und Slowenien sehr früh anerkannte, lag an der isländischen Außenpolitik dieser Ära: Reykjavik (unter Außenminister Jón Baldvin Hannibalsson) solidarisierte sich traditionell extrem schnell mit kleinen Staaten, die nach Unabhängigkeit strebten (Island war auch der allererste Staat, der 1991 die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland nach dem Zerfall der Sowjetunion anerkannte). Genschers Einfluss mag flankierend gewirkt haben, aber Island handelte aus eigener politischer Doktrin.
Mesić inszeniert sich in dem Text nachträglich als der große Strippenzieher, der "Prophet", der den Krieg voraussagte. Die Dokumente zeigen jedoch: Die europäische Diplomatie war 1991 schlichtweg heillos überfordert, reagierte viel zu spät auf die von Belgrad gesteuerten militärischen Fakten am Boden und versuchte ab Ende 1991 nur noch, den Scherbenhaufen völkerrechtlich zu ordnen. [1, 2]