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NATO

„Russland treffen, ohne zu eskalieren“ – Wie die Nato den Preis für Putin in die Höhe treiben könnte
Obwohl Moskau die Grenzen der Nato immer rücksichtsloser testet, scheuen die Europäer harte Gegenmaßnahmen. Sicherheitsexperten warnen vor den Folgen – und fordern ein radikales Umdenken.

Es sind Meldungen eines beliebigen Tages in dieser Woche. Am Dienstag erklärt die Nato, eine aus Belarus eingedrungene, wahrscheinlich russische Drohne über Litauen abgeschossen zu haben. Die Drohne war mit Sprengstoff beladen. Dänemark teilte mit, dass ein russisches Kriegsschiff in der Ostsee nördlich von Rostock mit Leuchtspurmunition auf einen dänischen Militärhubschrauber geschossen habe, der sich auf einer Routinemission befand.

In den Niederlanden legte eine umfassende Sabotageaktion weite Teile des Zugnetzes lahm. Die Täter sind bisher unbekannt, aber Russland dürfte auf der Liste der Verdächtigen weit oben stehen.

In der Nacht zu Mittwoch teilte das US-Justizministerium mit, gegen einen Ring russischer Geheimdienstleute Anklage zu erheben, die Terror finanziert und Morde in den USA und in anderen Ländern geplant hätten. So sieht inzwischen eine ganz normale Woche im Westen aus.

 
Ex-Sicherheitsberater Bolton: Trump hat NATO sehr belastet
Der frühere Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, beschuldigt US-Präsident Donald Trump, die NATO durch sein Agieren schwer und unnötig belastet zu haben.

„Trump hat den Beziehungen zu den NATO-Partnern enormen Schaden zugefügt“, sagte Bolton im Deutschlandfunk. „Dieser Schaden muss repariert werden. Er war völlig unnötig.“ Bolton sagte, er glaube, eine Reparatur sei möglich. „Und je früher wir damit beginnen, desto besser.“

Trump hatte die Bündnispartner seit seinem Amtsantritt mehrfach vor den Kopf gestoßen. So irritierte er mit der Ankündigung, sich die zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland aneignen zu wollen, ebenso wie mit dem Wunsch, Kanada zum 51. US-Bundesstaat zu machen. Auch kommen Trumps Drängen, die Partner müssten ihre eigenen Verteidigungsausgaben umfassend und schnell erhöhen sowie Drohungen einer Truppenreduzierung in Europa nicht gut an.

Bolton: Chancen für Verbesserung, wenn Trump Amt verlässt
Bolton sieht gute Chancen für eine Verbesserung der Beziehungen, wenn Trump nicht mehr US-Präsident ist. „Sobald Trump das Amt verlässt, sehe ich gute Chancen für eine Rückkehr zu einer traditionelleren Politik“, sagte er – selbst wenn der derzeitige Vizepräsident JD Vance Trump folgen sollte. „Ich halte Vance für äußerst opportunistisch. Wer weiß schon, was er 2028 denken wird“, sagte Bolton.

 
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Ich hoffe, dass China seine Militärdoktrin ändert. :)
 
Deutscher General wird Chef des NATO-Militärausschusses
Der deutsche General Carsten Breuer wird neuer Vorsitzender des NATO-Militärausschusses. Der Generalinspekteur der Bundeswehr ist gestern bei einer Sitzung des Gremiums in Kopenhagen zum Nachfolger des italienischen Admirals Giuseppe Cavo Dragone gewählt worden, wie der Ausschuss mitteilte.

Cayo Dragone gratulierte seinem Nachfolger auf X. „Dein operatives Urteilsvermögen, Deine umfassenden Kenntnisse der Allianz und Deine Führungserfahrung bei der deutschen Armee werden der NATO sehr zugutekommen.“

Amtsantritt Mitte 2027
Breuer dankte „für das in mich gesetzte Vertrauen“. „Die Unterstützung der Generalstabschefs unserer NATO-Verbündeten bedeutet mir viel. Im Bündnis liegen große Aufgaben vor uns – für unsere Sicherheit und den Frieden in Europa und darüber hinaus.“

 
Ja, Fico ein Putin-lecker
Slowakei: Fico sieht „Kriegstreiber“ in NATO
Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hat einigen westlichen Politikern vorgeworfen, eine direkte Konfrontation zwischen der NATO und Russland anzustreben.

Nach dem Scheitern der Strategie, Moskau im Ukraine-Krieg zu besiegen, gieße der Westen mit seiner Unterstützung für Kiew weiter Öl ins Feuer, sagte Fico gestern in einer Videobotschaft.

„Bestimmte Kriegstreiber innerhalb der NATO versuchen um jeden Preis, diesen Krieg zu einem Konflikt zwischen Russland und der NATO zu verwandeln“, sagte der Regierungschef des an die Ukraine angrenzenden NATO-Landes.

Die Slowakei werde sich daran nicht beteiligen und unter keinen Umständen Soldaten entsenden. Fico pflegt gute Beziehungen zu Russland und lehnt Militärhilfen für die Ukraine ab.

 
Die NATO übt den Krieg von gestern, während Drohnen längst über ihre Panzer entscheiden
Im lettischen Kiefernwald schleichen dänische Soldaten mit roten Bändern an den Helmen auf spanische Stellungen zu. Wenig später ist die Stellung überrannt. „Alle tot“, ruft ein Spanier unter seinem Panzer hervor, dessen erhobenes Rohr die Zerstörung des Fahrzeugs anzeigt. Schon in der Nacht hatten die Dänen die Sammelräume der NATO-Brigade mit Übungsdrohnen angegriffen. Schlafende Soldaten wurden aufgeschreckt, einige galten anschließend als gefallen. Der kanadische Oberst David Brassard, Kommandeur der zum Schutz Lettlands eingesetzten Brigade, nennt die Übung eine Vorbereitung auf einen tatsächlichen Einsatz. Rund 35 % der kanadischen Landstreitkräfte seien in Lettland gebunden. Deutschland stationiert dauerhaft eine Brigade in Litauen, Großbritannien führt einen Kampfverband in Estland. Die russische Bedrohung lässt den baltischen Staaten wenig Zeit, die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine in die eigene Verteidigung zu übernehmen.

Lettlands Präsident Edgars Rinkēvičs warnt vor einer möglichen russischen Eskalation, die nach bisherigen Erkenntnissen zunächst unterhalb der Schwelle eines offenen Angriffs und damit des NATO-Bündnisfalls bleiben könnte. Russlands Armee sei trotz ihrer geringen Geländegewinne in der Ukraine gefährlicher geworden, weil sie Kampferfahrung gesammelt und sich an neue Formen der Kriegsführung angepasst habe. Während der Übung wurden unbekannte Drohnen gesichtet; ob sie aus Russland stammten oder von Zivilisten gesteuert wurden, blieb offen. Die dänische Einheit hat den Drohnenkrieg intensiv studiert. Fast alle ihrer rund 150 Soldaten können zumindest einfache Fluggeräte steuern. Ihr Kommandeur war selbst in der Ukraine, räumt aber ein, dass auch seine Einheit weit von den dortigen Fähigkeiten entfernt sei. Bei der Übung dienten rund 90 % ihrer Drohnen der Aufklärung. Die Zahl der verfügbaren Fluggeräte sei gering.

Wie groß der Abstand zum Kriegsgeschehen in der Ukraine ist, zeigt sich wenige Kilometer weiter: 2 kanadische Leopard-Panzer stehen ohne Schutznetze an einer Waldkreuzung. Die Besatzungen beginnen nach eigenen Angaben gerade erst, den Drohnenkrieg zu erlernen. Ein Soldat erwartet als Abwehrmittel demnächst eine Schrotflinte. Technik zur Erkennung anfliegender Drohnen fehlt im Panzer. Die kanadische Artillerie stellt ihre M777-Haubitzen inzwischen bis zu 12 Kilometer auseinander und gräbt sie bis zu 3 Meter tief ein. Der frühere lettische Abgeordnete Juris Jurašs, der seit 2022 in der ukrainischen Armee dient, hält das für unzureichend. Gezogene Haubitzen würden dort nach dem Schießen rasch von Drohnen angegriffen; Panzer seien von der Front weitgehend verschwunden oder mit mehreren Schutzschichten versehen. Die NATO-Armeen verstünden noch immer nicht, wie grundlegend sich der Krieg verändert habe, sagt er.

Brassard lässt inzwischen Straßen mit Drohnenschutznetzen überspannen und Gefechtsstände befestigen. Ukrainische Soldaten üben zwar mit lettischen Verbänden, sind an seiner Brigadeübung jedoch nicht beteiligt. Kyrylo Budanow, Leiter des ukrainischen Präsidialamts, kritisiert, dass ukrainische Einheiten bei NATO-Übungen meist nur den Gegner spielen dürften. So sehe das Bündnis zwar, wie seine Verbände vernichtet würden, lerne aber die ukrainischen Verfahren nicht selbst anzuwenden. Lettlands Verteidigungsminister Raivis Melnis fordert, diese Erfahrungen endlich in die Vorbereitung einzubeziehen. In der Ukraine gehen nach Einschätzung des dänischen Kommandeurs rund 90 % der Tötungen auf Drohnen zurück. Im lettischen Wald wartet der kanadische Panzerfahrer derweil auf seine Schrotflinte.
 
Litauen: Neue US-Truppen auf dem Weg
Ein neues Kontingent von US-Truppen macht sich nach Angaben von Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda auf den Weg in das baltische EU- und NATO-Land.

„Großartige Neuigkeiten für Litauen: US-Truppen werden weiterhin in unserem Land stationiert bleiben“, teilte seine Präsidialkanzlei mit. „Die Militärpräsenz in Litauen ist ein unverzichtbarer Teil der Abschreckung und kollektiven Verteidigung.“

Weil die USA gegenwärtig überall ihre Truppenpräsenz in Europa überprüfen, gab es Unsicherheit, wie es mit den US-Truppen in Litauen weitergeht. Das Land sieht sich wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine vor mehr als vier Jahren von Russland bedroht.

Grenze mit Kaliningrad und Belarus
Nauseda dankte in der Mitteilung US-Präsident Donald Trump und dessen Regierung für die Entscheidung, die wichtig für Litauen und die Sicherheit der Region sei. Das baltische Land liegt an der Ostflanke der NATO und grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus.

 
US-Thinktank beschreibt, wie Putin die Nato in Estland überrumpeln könnte
Ein fiktives Szenario skizziert mögliche Eskalationsschritte des Kreml gegenüber der EU und der Nato. Europa, so die US-Analysten, wäre dafür kaum gerüstet

Einem Bollwerk gleich steht die Hermannsfestung am Ufer des Flusses Narwa in der gleichnamigen Grenzstadt im Nordosten des EU- und Nato-Mitglieds Estlands. Im 14. Jahrhundert vom Deutschorden erbaut, dient die Burg heute als Touristenmagnet. In Sichtweite: Russland.

Ausgerechnet dort könnte sich, wenn es nach dem US-Institute for the Study of War (ISW) geht, eines Tages der Konflikt zwischen Russland und der Nato gefährlich zuspitzen. Die Analysten betonen zwar, dass ihr Szenario – jedenfalls derzeit – rein fiktiv und keineswegs unausweichlich sei. Gänzlich unplausibel sind die Eskalationsschritte, die das ISW beschreibt, aber nicht.

Narwa, wo vor allem Russisch gesprochen wird, gilt seit Jahren als möglicher Brennpunkt, sollte der Kreml die Nato testen wollen. Wird aus der Fiktion Realität, würde aus dem vorerst hybriden Krieg, den Russland gegen die EU führt, womöglich rasch ein konventioneller Konflikt.

 
NATO: USA stellen künftig begrenztere Fähigkeiten bereit
Die USA werden der NATO künftig „entscheidende, aber begrenztere Fähigkeiten“ zur Verfügung stellen. Das sagte der Oberbefehlshaber des Bündnisses, US-General Alexus Grynkewich, gestern der Nachrichtenagentur Reuters. Zugleich habe die US-Regierung ihre „eiserne“ Verpflichtung zu Artikel 5 des NATO-Vertrags bekräftigt. Dieser regelt die Beistandspflicht im Fall eines Angriffs.

Bei der Überprüfung der US-Truppenstationierung in Europa gebe es kein im Voraus festgelegtes Ergebnis, erklärte der General weiter. Angesichts der Bedrohungen für das Bündnis „sind wir heutzutage alle Länder der Ostflanke“.

Als Reaktion auf eine Welle mutmaßlicher Sabotageakte verstärkt die NATO unterdessen den Austausch von Geheimdienstinformationen. Das Bündnis müsse angesichts der Bedrohung durch Moskau „besonnen und zuversichtlich“ bleiben, sagte Grynkewich.

 
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