Sloweniens neuer Premier Janša richtet das kleine Land ganz anders aus
Der neue alte Premier verbündet sich mit der rechtsgerichteten israelischen Regierung und will Rundfunkgebühren abschaffen
Der neue slowenische Premier Janez Janša vollzog nicht nur eine komplette Kehrtwendung in der bisherigen Israel-Politik, sondern stellt sich nun auch gegen gemeinsame EU-Positionen. Slowenien legte vergangene Woche ein Veto gegen eine Erklärung der EU ein, in der Israels Entscheidung zum Bau neuer Siedlungen im Westjordanland verurteilt werden sollte. Deshalb konnte das Papier nur als Kommuniqué der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas erscheinen.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dankte Janša für dessen "Mut und Ihre Klarheit angesichts der Heuchelei der EU." Noch im Februar 2026 warnte Slowenien davor, dass Israel keine Souveränität über die besetzten palästinensischen Gebiete besäße und der Ausbau der Siedlungen illegal sei und unverzüglich beendet werden müsse.
In der EU-Entscheidung sollte das E1-Projekt, eine Ausschreibung für den Bau von 1200 Wohnungen für israelische Siedler im Westjordanland, verurteilt werden. Schon zu Beginn der neuen Janša-Regierung befürchtete man in Brüssel, dass Slowenien innerhalb der EU unberechenbarer werden und gemeinsame Positionen boykottieren könnte.
Schwere Vorwürfe
In Slowenien selbst polarisiert die Israel-Politik wie kaum ein anderes Thema. Präsidentin Nataša Pirc Musar war der Ansicht, Slowenien solle die EU-Erklärung unterstützen. Die Opposition wirft der Regierung vor, Israels Interessen zum Nachteil Sloweniens zu verteidigen. Janša von der Partei SDS ist seit 22. Mai Premierminister ist. Es ist seine vierte Amtszeit.
Er koaliert mit der den Christdemokraten und Demokraten und wird von der prorussischen Partei Resnica im Parlament unterstützt. Janšas Haltung zeichnete sich bereits kurz nach seiner Amtsübernahme ab. Nur wenige Minuten nachdem das slowenische Parlament am 4. Juni sein Ministerteam bestätigt hatte, wurde die palästinensische Flagge von der Fassade des Regierungssitzes in Ljubljana entfernt.
Der neue alte Premier verbündet sich mit der rechtsgerichteten israelischen Regierung und will Rundfunkgebühren abschaffen
www.derstandard.at