Recherchen decken auf: 93 Prozent – und ICE sieht trotzdem kein Problem
Die amerikanische Einwanderungsbehörde ICE weist den Vorwurf des Racial Profiling zurück. Die Zahlen erzählen jedoch eine andere Geschichte. Recherchen zu 430 Straßenfestnahmen im Großraum New York und New Jersey zeigen ein Ergebnis, das sich kaum wegdiskutieren lässt. 402 der Festgenommenen waren Latino. Das entspricht mehr als 93 Prozent aller überprüften Fälle. Dabei liegt der Anteil von Latinos an der geschätzten Zahl der Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus in dieser Region nach den ausgewerteten Daten lediglich bei rund 66 Prozent. Die Unterschiede sind so groß, dass Juristen und Bürgerrechtsorganisationen von einem systematischen Vorgehen sprechen.
Es geht dabei nicht um einzelne Einsätze oder Zufälle. Die Auswertung umfasst aktuell fünf Monate ICE-Einsätze in einer der vielfältigsten Regionen der Vereinigten Staaten. Straßenkontrollen, Festnahmen vor Gerichten, Einsätze an Arbeitsplätzen und Zugriffe im öffentlichen Raum ergeben zusammen ein Bild, das viele Einwanderer längst aus ihrem Alltag kennen. Wer spanisch spricht oder als Latino wahrgenommen wird, muss häufiger damit rechnen, ins Visier der Beamten zu geraten.
Das Heimatschutzministerium weist den Vorwurf natürlich entschieden zurück. Doch ein Dementi verändert keine Statistik. Wenn mehr als neun von zehn überprüften Straßenfestnahmen Latinos betreffen, obwohl ihr Anteil an der betroffenen Bevölkerungsgruppe deutlich niedriger liegt, entsteht eine Frage, die sich nicht mit einer Pressemitteilung beantworten lässt. Die Folgen reichen weit über die eigentlichen Festnahmen hinaus. Wer befürchten muss, schon auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen, vor einem Gericht oder auf dem Bürgersteig kontrolliert zu werden, verändert sein Leben. Menschen meiden öffentliche Plätze, verzichten auf Arztbesuche, erscheinen nicht mehr vor Gericht oder schicken ihre Kinder mit Angst zur Schule. Aus einer Polizeimaßnahme wird ein ständiger Begleiter des Alltags.
Genau darin liegt die eigentliche Wirkung solcher Einsätze. Abschiebungen beginnen nicht erst im Haftzentrum oder im Flugzeug. Sie beginnen in den Straßen eines Viertels, wenn eine ganze Bevölkerungsgruppe lernt, dass schon ihr Aussehen ausreichen kann, um von ICE angehalten zu werden. Und genau das Bild zeichnen diese Zahlen.
Fortsetzung folgt …
Die amerikanische Einwanderungsbehörde ICE weist den Vorwurf des Racial Profiling zurück. Die Zahlen erzählen jedoch eine andere Geschichte. Recherchen zu 430 Straßenfestnahmen im Großraum New York und New Jersey zeigen ein Ergebnis, das sich kaum wegdiskutieren lässt. 402 der Festgenommenen waren Latino. Das entspricht mehr als 93 Prozent aller überprüften Fälle. Dabei liegt der Anteil von Latinos an der geschätzten Zahl der Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus in dieser Region nach den ausgewerteten Daten lediglich bei rund 66 Prozent. Die Unterschiede sind so groß, dass Juristen und Bürgerrechtsorganisationen von einem systematischen Vorgehen sprechen.
Es geht dabei nicht um einzelne Einsätze oder Zufälle. Die Auswertung umfasst aktuell fünf Monate ICE-Einsätze in einer der vielfältigsten Regionen der Vereinigten Staaten. Straßenkontrollen, Festnahmen vor Gerichten, Einsätze an Arbeitsplätzen und Zugriffe im öffentlichen Raum ergeben zusammen ein Bild, das viele Einwanderer längst aus ihrem Alltag kennen. Wer spanisch spricht oder als Latino wahrgenommen wird, muss häufiger damit rechnen, ins Visier der Beamten zu geraten.
Das Heimatschutzministerium weist den Vorwurf natürlich entschieden zurück. Doch ein Dementi verändert keine Statistik. Wenn mehr als neun von zehn überprüften Straßenfestnahmen Latinos betreffen, obwohl ihr Anteil an der betroffenen Bevölkerungsgruppe deutlich niedriger liegt, entsteht eine Frage, die sich nicht mit einer Pressemitteilung beantworten lässt. Die Folgen reichen weit über die eigentlichen Festnahmen hinaus. Wer befürchten muss, schon auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen, vor einem Gericht oder auf dem Bürgersteig kontrolliert zu werden, verändert sein Leben. Menschen meiden öffentliche Plätze, verzichten auf Arztbesuche, erscheinen nicht mehr vor Gericht oder schicken ihre Kinder mit Angst zur Schule. Aus einer Polizeimaßnahme wird ein ständiger Begleiter des Alltags.
Genau darin liegt die eigentliche Wirkung solcher Einsätze. Abschiebungen beginnen nicht erst im Haftzentrum oder im Flugzeug. Sie beginnen in den Straßen eines Viertels, wenn eine ganze Bevölkerungsgruppe lernt, dass schon ihr Aussehen ausreichen kann, um von ICE angehalten zu werden. Und genau das Bild zeichnen diese Zahlen.
Fortsetzung folgt …
