Ein Gericht hielt ihn für unglaubwürdig, wenige Wochen später gab ICE ihm Marke und Waffe
Am 17. November vergangenen Jahres wies die Richterin Amy Dieterich vom Bezirksgericht in Maine einen Antrag Brouillettes ab, seine Unterhaltszahlungen an seine zweite Frau zu beenden. Er hatte an 2 Verhandlungstagen ausgesagt, er sei krank, verdiene wenig und habe seinen Führerschein verloren, weil er den Unterhalt nicht zahlte. Seine Angaben seien nicht glaubhaft, hielt die Richterin fest, er sei freiwillig unterbeschäftigt. Die Behörden bestätigen den Zweifel. Die Kraftfahrzeugbehörde von Maine hat keinerlei Vermerk über einen Entzug der Fahrerlaubnis wegen ausbleibender Unterhaltszahlungen. Ein einziges Mal, 2008, ruhte seine Erlaubnis für wenige Wochen, weil er nach einem Unfall keinen Versicherungsnachweis vorlegte. In einem Scheidungsvergleich von 2019 gab er zudem an, bei der Polizei von Hallowell zu arbeiten. Der dortige Polizeichef sagt, der Mann habe dort nie gearbeitet, beworben habe er sich mehrfach, eingestellt worden sei er nie.
Nach Angaben seiner ersten Frau erzählte Brouillette ihr, ICE habe ihn im November eingestellt, in genau jenen Tagen also, in denen die Richterin ihren Beschluss verfasste. Es war die Zeit, in der die Behörde Tausende neuer Beamter in Eile auf die Straße brachte, ohne dass frühere Verantwortliche des Heimatschutzministeriums an eine ordentliche Überprüfung glauben. In derselben Woche, in der ein Gericht seine Aussagen für unglaubhaft erklärt, nimmt eine Bundesbehörde ihn in Dienst und rüstet ihn mit einer Waffe aus. Ob sie von dem Verfahren wusste, ist unbekannt, denn das Ministerium beantwortet keine Frage dazu. Warum das zählt, sagt John Roth, von 2014 bis 2017 Generalinspekteur des Heimatschutzministeriums. Habe ein Gericht festgestellt, dass jemand falsche Angaben gemacht habe, beeinträchtige das dessen Aussage darüber, was bei der Schießerei geschah, in erheblichem Maß. Er halte das für eine große Sache.
Denn eine Aussage ist alles, was es gibt. Am 13. Juli starb Johan Sebastián Durán Guerrero in Biddeford, 25 Jahre alt, Asylsuchender aus Kolumbien, im Besitz einer Arbeitserlaubnis, die ihm diese Regierung selbst ausstellte. Aufnahmen einer Körperkamera vom Augenblick der Schüsse gibt es nicht. Es existiert Brouillettes eigene Schilderung, er habe in Notwehr geschossen, amtlich bestätigt ist seine Beteiligung bis heute nicht.
Hier zeigt sich, worauf ein Rechtsstaat im Ernstfall gebaut ist. Nicht auf Kameras, sondern auf der Annahme, dass die Aussage eines Beamten mehr gilt als die eines Beliebigen, weil ihn ein Amt trägt. Glaubwürdigkeit ist die eigentliche Währung dieses Systems, sie lässt sich nicht messen, sie wird verliehen. Verliert einer sie, steht Wort gegen Wort, und das eine Wort gehört einem Toten. Auch die Version der Behörde hat bereits gewechselt. Dem Büro des Senators Angus King teilte das Ministerium zunächst mit, Durán sei das Ziel des Einsatzes gewesen, und nahm es später zurück. Die Akten zeigen, dass gegen ihn keine endgültige Abschiebungsanordnung vorlag und für Mai eine erste Anhörung angesetzt war. Der weiße Kia, den man anhalten wollte, gehört einem Freund namens Jonathan Ramirez, der eine Arbeitserlaubnis besitzt, seine Steuern zahlt und gegen den ebenfalls keine Anordnung vorliegt. Wer das Ziel dieser Überwachung war, bleibt offen, und vieles spricht dafür, dass der Erschossene es nicht war.
Brouillette selbst antwortet nicht auf Anfragen, sein Anwalt ebenso wenig. Was bleibt, ist eine Rechnung, die niemand aufmachen wollte. Ein Gericht hielt seine Angaben für unglaubhaft, eine Behörde stellte ihn trotzdem ein, und nun hängt die Aufklärung eines Todesfalls am Wort ebendieses Mannes. Unsere Recherchen werden weitergehen.
Am 17. November vergangenen Jahres wies die Richterin Amy Dieterich vom Bezirksgericht in Maine einen Antrag Brouillettes ab, seine Unterhaltszahlungen an seine zweite Frau zu beenden. Er hatte an 2 Verhandlungstagen ausgesagt, er sei krank, verdiene wenig und habe seinen Führerschein verloren, weil er den Unterhalt nicht zahlte. Seine Angaben seien nicht glaubhaft, hielt die Richterin fest, er sei freiwillig unterbeschäftigt. Die Behörden bestätigen den Zweifel. Die Kraftfahrzeugbehörde von Maine hat keinerlei Vermerk über einen Entzug der Fahrerlaubnis wegen ausbleibender Unterhaltszahlungen. Ein einziges Mal, 2008, ruhte seine Erlaubnis für wenige Wochen, weil er nach einem Unfall keinen Versicherungsnachweis vorlegte. In einem Scheidungsvergleich von 2019 gab er zudem an, bei der Polizei von Hallowell zu arbeiten. Der dortige Polizeichef sagt, der Mann habe dort nie gearbeitet, beworben habe er sich mehrfach, eingestellt worden sei er nie.
Nach Angaben seiner ersten Frau erzählte Brouillette ihr, ICE habe ihn im November eingestellt, in genau jenen Tagen also, in denen die Richterin ihren Beschluss verfasste. Es war die Zeit, in der die Behörde Tausende neuer Beamter in Eile auf die Straße brachte, ohne dass frühere Verantwortliche des Heimatschutzministeriums an eine ordentliche Überprüfung glauben. In derselben Woche, in der ein Gericht seine Aussagen für unglaubhaft erklärt, nimmt eine Bundesbehörde ihn in Dienst und rüstet ihn mit einer Waffe aus. Ob sie von dem Verfahren wusste, ist unbekannt, denn das Ministerium beantwortet keine Frage dazu. Warum das zählt, sagt John Roth, von 2014 bis 2017 Generalinspekteur des Heimatschutzministeriums. Habe ein Gericht festgestellt, dass jemand falsche Angaben gemacht habe, beeinträchtige das dessen Aussage darüber, was bei der Schießerei geschah, in erheblichem Maß. Er halte das für eine große Sache.
Denn eine Aussage ist alles, was es gibt. Am 13. Juli starb Johan Sebastián Durán Guerrero in Biddeford, 25 Jahre alt, Asylsuchender aus Kolumbien, im Besitz einer Arbeitserlaubnis, die ihm diese Regierung selbst ausstellte. Aufnahmen einer Körperkamera vom Augenblick der Schüsse gibt es nicht. Es existiert Brouillettes eigene Schilderung, er habe in Notwehr geschossen, amtlich bestätigt ist seine Beteiligung bis heute nicht.
Hier zeigt sich, worauf ein Rechtsstaat im Ernstfall gebaut ist. Nicht auf Kameras, sondern auf der Annahme, dass die Aussage eines Beamten mehr gilt als die eines Beliebigen, weil ihn ein Amt trägt. Glaubwürdigkeit ist die eigentliche Währung dieses Systems, sie lässt sich nicht messen, sie wird verliehen. Verliert einer sie, steht Wort gegen Wort, und das eine Wort gehört einem Toten. Auch die Version der Behörde hat bereits gewechselt. Dem Büro des Senators Angus King teilte das Ministerium zunächst mit, Durán sei das Ziel des Einsatzes gewesen, und nahm es später zurück. Die Akten zeigen, dass gegen ihn keine endgültige Abschiebungsanordnung vorlag und für Mai eine erste Anhörung angesetzt war. Der weiße Kia, den man anhalten wollte, gehört einem Freund namens Jonathan Ramirez, der eine Arbeitserlaubnis besitzt, seine Steuern zahlt und gegen den ebenfalls keine Anordnung vorliegt. Wer das Ziel dieser Überwachung war, bleibt offen, und vieles spricht dafür, dass der Erschossene es nicht war.
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