Washington verschickt jetzt Treue-Fragebögen an NATO-Staaten. Bitte ankreuzen: Unterstützen Sie Trump öffentlich? Kaufen Sie genug amerikanische Waffen? Haben Sie sich erdreistet, US-Stützpunkte für Kriege zu sperren? Währenddessen wird geprüft, wem man Truppen und militärischen Schutz kürzt.
Früher nannte man das Bündnis. Heute offenbar Kundenbindungsprogramm mit Kündigungsdrohung.
„Bitte ankreuzen: Wie unterworfen sind Sie, liebe Verbündete?“
„Hat Ihr Land die amerikanische Außenpolitik öffentlich unterstützt?“ So beginnt der Fragebogen, den Washington dieser Tage an die Verbündeten verschickt hat, und schon die erste Zeile stellt klar, dass hier nicht gefragt, sondern geprüft wird. Eines davon macht dieser Tage in den Botschaften die Runde, verschickt von der größten Militärmacht der Welt an ihre engsten Partner, und es liest sich wie die Mitarbeiterbefragung eines misstrauischen Firmenchefs. Die USA möchten wissen, wie treu jedes Land der NATO der Politik Donald Trumps ergeben ist, bevor sie entscheiden, wie viel Schutz es künftig noch wert sein soll. Man kennt solche Bögen aus der Wirtschaft, wo ein neuer Eigentümer prüft, wen er behalten will. Nur geht es hier nicht um Angestellte, sondern um souveräne Staaten, und der Schutz, jahrzehntelang als selbstverständlich gehandelt, wird zur Ware mit Treuerabatt.
Weitere Prüfpunkte folgen, jeder harmloser formuliert als gemeint. Welche Beschränkungen hat das Land dem US-Militär bei seinen Stützpunkten auferlegt? Kauft es brav bei amerikanischen Rüstungsfirmen ein? Hat es sich gegen Vorschriften gewehrt, die Verträge mit US-Unternehmen erschweren? Und, mit gespielter Beiläufigkeit, hat es sich dem Grundsatz „stark, klar und leise“ angeschlossen, jener Wortschöpfung von Verteidigungsminister Pete Hegseth, die klingt wie die Reklame für ein Herrenparfüm und nun als Maßstab außenpolitischer Reife herhält. Ein Bogen dieser Art kennt keine Zwischentöne. Er will Häkchen, und ein vergessenes Häkchen ist selbst schon eine Antwort. Man stelle sich die Diplomaten souveräner Staaten vor, die ankreuzen sollen, wie oft ihr Land dem Weißen Haus widersprochen hat, als gälte es, eine schlechte Kundenbewertung zu rechtfertigen.
Wer den Bogen liest, begreift rasch, worum es geht. Amerika bietet Schutz und verlangt dafür Gesinnung. Eingeweihte, die wegen der Vertraulichkeit ungenannt bleiben, berichten von deutlicher Ablehnung in den Hauptstädten; man fühle sich behandelt wie ein Lehnsmann, der vor der Belehnung seinen Treueeid abzulegen hat. Der Vergleich hinkt nur an einer Stelle. Der Herr des Mittelalters gab wenigstens Land dazu. Unter Gleichen versteht sich die Treue von selbst. Der Augenblick, in dem einer sie schriftlich einfordert, macht aus Partnern Untergebene.
kaizen-blog.org
Früher nannte man das Bündnis. Heute offenbar Kundenbindungsprogramm mit Kündigungsdrohung.
„Bitte ankreuzen: Wie unterworfen sind Sie, liebe Verbündete?“
„Hat Ihr Land die amerikanische Außenpolitik öffentlich unterstützt?“ So beginnt der Fragebogen, den Washington dieser Tage an die Verbündeten verschickt hat, und schon die erste Zeile stellt klar, dass hier nicht gefragt, sondern geprüft wird. Eines davon macht dieser Tage in den Botschaften die Runde, verschickt von der größten Militärmacht der Welt an ihre engsten Partner, und es liest sich wie die Mitarbeiterbefragung eines misstrauischen Firmenchefs. Die USA möchten wissen, wie treu jedes Land der NATO der Politik Donald Trumps ergeben ist, bevor sie entscheiden, wie viel Schutz es künftig noch wert sein soll. Man kennt solche Bögen aus der Wirtschaft, wo ein neuer Eigentümer prüft, wen er behalten will. Nur geht es hier nicht um Angestellte, sondern um souveräne Staaten, und der Schutz, jahrzehntelang als selbstverständlich gehandelt, wird zur Ware mit Treuerabatt.
Weitere Prüfpunkte folgen, jeder harmloser formuliert als gemeint. Welche Beschränkungen hat das Land dem US-Militär bei seinen Stützpunkten auferlegt? Kauft es brav bei amerikanischen Rüstungsfirmen ein? Hat es sich gegen Vorschriften gewehrt, die Verträge mit US-Unternehmen erschweren? Und, mit gespielter Beiläufigkeit, hat es sich dem Grundsatz „stark, klar und leise“ angeschlossen, jener Wortschöpfung von Verteidigungsminister Pete Hegseth, die klingt wie die Reklame für ein Herrenparfüm und nun als Maßstab außenpolitischer Reife herhält. Ein Bogen dieser Art kennt keine Zwischentöne. Er will Häkchen, und ein vergessenes Häkchen ist selbst schon eine Antwort. Man stelle sich die Diplomaten souveräner Staaten vor, die ankreuzen sollen, wie oft ihr Land dem Weißen Haus widersprochen hat, als gälte es, eine schlechte Kundenbewertung zu rechtfertigen.
Wer den Bogen liest, begreift rasch, worum es geht. Amerika bietet Schutz und verlangt dafür Gesinnung. Eingeweihte, die wegen der Vertraulichkeit ungenannt bleiben, berichten von deutlicher Ablehnung in den Hauptstädten; man fühle sich behandelt wie ein Lehnsmann, der vor der Belehnung seinen Treueeid abzulegen hat. Der Vergleich hinkt nur an einer Stelle. Der Herr des Mittelalters gab wenigstens Land dazu. Unter Gleichen versteht sich die Treue von selbst. Der Augenblick, in dem einer sie schriftlich einfordert, macht aus Partnern Untergebene.
Bitte ankreuzen: Wie unterworfen sind Sie, liebe Verbündete?
Hat Ihr Land die amerikanische Außenpolitik öffentlich unterstützt?" So beginnt der Fragebogen, den Washington dieser Tage an die Verbündeten verschickt hat, und schon die erste Zeile stellt klar, dass hier nicht gefragt, sondern geprüft wird. Eines davon macht dieser Tage in den Botschaften die...