Leni Rastlos ist nach wie vor entsetzt, wie leicht sich das Trumpelstielzchen von Diktatoren in die Tasche stecken lässt.
Erst glaubt er nur zu gerne Putinocios kruden Märchen, jetzt folgt er begeistert Winni Puh.
Donald Trump will weltweit Stärke zeigen. Aber ausgerechnet in Asien, dem Kontinent, dessen Bedeutung im 21. Jahrhundert am stärksten wächst, signalisiert der US-Präsident eine Verringerung des amerikanischen Engagements.
Trump ordnete nur wenige Stunden vor dem Beginn der alljährlichen Sommerübungsserie mit Südkorea an, die amerikanische Beteiligung „substanziell“ zu reduzieren. Darüber freut sich nicht nur Nordkorea auch China ist begeistert.
Im Mai hatte Trump einen neuen Kurs gegenüber Taiwan eingeschlagen, indem er ein von Taipeh gewünschtes Waffenpaket nach Gesprächen mit Chinas Präsident Xi Jinping auf Eis legte.
Warum steht das Trumpeltier jetzt auf diesem schmalen Brett? Im Iran hat er sich in einen Krieg manövriert, den er „binnen wenigen Tagen“ oder „in drei bis vier Wochen“ siegreich zu beenden versprach.
Zumindest in Südkorea ist der Zusammenhang mit dem Iran-Krieg offenkundig. Trump sagt, er habe Südkoreas Präsidenten Lee Jae-myung gefragt, ob Seoul die USA bei der „Entnuklearisierung Irans“ unterstützen wolle, also bei der Militärkampagne gegen Teheran. Die Antwort sei gewesen: „Nein danke."
Zudem sind die Übungen laut Trump „zu teuer“, und sie sendeten ein „völlig unangemessenes und feindseliges Signal“ an das „nicht bedrohliche“ Nordkorea, dessen Führer Kim Jong-un sich ihm gegenüber „respektvoll“ verhalte und zu dem er „sehr gute Beziehungen“ habe. Pjöngjang hatte wiederholt erklärt, „dass die Übungen, die die USA und die Republik Korea als ‚jährlich‘ und ‚defensiv‘ bezeichnen, eine Generalprobe für einen Angriffskrieg sind“.
Nordkoreas PR-Maschinerie freut sich zweifellos über Trumps Aussage, die Übungen seien feindselig. Versucht Trump, Kim zu einem weiteren Treffen zu motivieren, um über eine Denuklearisierung der Halbinsel zu verhandeln? Drei Begegnungen der beiden Staatschefs in Trumps erster Amtszeit verliefen allerdings ergebnislos.
US-Kriegsminister Pete Hegseth hat nach Trumps Anweisung weniger amerikanische Einheiten und Stabsoffiziere auf die Halbinsel geschickt, die Zahl der Flugbewegungen reduziert, einzelne Feld- und Scharfschießabschnitte gestrichen und kombinierte Gefechtsphasen gekürzt.
Allerdings hat Trump bislang nicht die sicherheitspolitischen Verträge mit Südkorea infrage gestellt, das sich völkerrechtlich weiterhin im Krieg mit Nordkorea befindet. Auf der Grundlage des bilateralen Beistandspakts von 1953 sind rund 28.500 US-Soldaten dauerhaft in Südkorea stationiert.
Das traditionelle Manöver „Ulchi Freedom Shield“, benannt nach Eulji „Ulchi“ Mundeok, einem koreanischen Heerführer und Nationalhelden, der die chinesische Sui-Armee besiegte, war bereits in den vergangenen Jahren leicht abgespeckt worden. Gab es 2022 noch 22 Übungen auf Bataillonsebene, war deren Zahl 2025 auf 17 reduziert worden. Schon vor Trumps Anordnung war die Übung „Future Combined Forces Command“, bei der ein südkoreanischer Vier-Sterne-General als Kommandeur fungiert hätte, für die diesjährigen UFS gestrichen worden.
Dass Seoul die Reduzierung der gemeinsamen Militärübungen mit den USA ernst nimmt, zeigt die Reaktion des südkoreanischen Präsidenten. Lee Jae Myung hat seine Forderung bekräftigt, im Kriegsfall die unabhängige Kontrolle über das Militär von den USA zurückzuerlangen.
Zudem drängte er auf rasche Fortschritte zur Beschaffung von Atom-U-Booten. Allein auf die USA will sich Seoul nicht mehr verlassen.
Anders ist die Situation mit Taiwan, Washington hat gegenüber Taipeh keinen mit Südkorea vergleichbaren automatischen Beistandsvertrag und unterhält wegen der Ein-China-Politik nicht einmal offizielle diplomatische Beziehungen zu der Insel, die Peking als abtrünniges Eiland betrachtet.