Die geheimen Tapes von Tante Erika (Eine wahre Geschichte)
Meine Tante Erika, die mein Vater auch ,,liebevoll”, , das ,,Maschinengewehr Gottes”, nannte, war damals die ,,große alte Dame” der Verschwörungsgläubigen.
Es verging kein Tag, ohne ihre neuesten Beweise über die Existenz von Ufos (damals noch fliegende Untertassen genannt), über geheime Wunderwaffen oder dem bevorstehenden Weltuntergang.
Ihre kruden Theorien basierten auf den ,,Protokolle der Weisen von Zion”, (ein antisemitisches Pamphlet, in dem über eine ,,jüdische Weltherrschaft gelogen wurde), auf sogenannte geheime Evangelien, alten Wehrmachtsberichten und Enthüllungen der Wochenzeitschrift ,,Heim und Welt”, der Bildzeitung oder anderer Quellen.
Natürlich waren Ihre Informationen ,,streng vertraulich”, denn auch Mitte der 60er Jahre, durfte man ja nicht mehr alles sagen und wenn doch, drohte Lebenslang Gefängnis mit anschließender Sicherheitsverwahrung im Fegefeuer.
Wir schreiben das Jahr 1963, die Familie traf sich bei Onkel Erwin, der uns voller Stolz sein neues Tonbandgerät zeigte. Ein nagelneues Tonbandgerät von Grundig, dass aber noch Röhrentechnik verwendete und statt der heutigen VU-,,Zappelmeter”, besaß es ebenfalls eine Röhre für die Aussteuerung der Aufnahmen, dass sogenannte ,,magische Auge”.
Voller Stolz, präsentierte er uns einige selbst gemachte Aufnahmen. Dann kam der Höhepunkt des Abends, Bockwurst mit Kartoffelsalat!
Natürlich musste Tante Erika, sofort ihre neuesten ,,streng geheimen” Informationen mitteilen.
Über die Kanone der Chinesen auf dem Mond, die bis nach Amerika schießen konnte, über die unbekannten Wunderwaffen der Nazis, wie zum Beispiel versteckte Atombomben in Deutschland, die jederzeit explodieren könnten.
Natürlich lebte in ihrer Welt der Führer noch, er war in einem U-Boot nach Argentinien geflohen und arbeitete dort an den Endsieg. Aber auch die Nachfahren von Kaiser Wilhelm, waren wieder emsig und wünschten sich das Kaiserreich zurück, da sie das Grundgesetz als Verfassung nicht akzeptierten.