Für mich war das Schlimmste, als meine Großeltern väterlicherseits gestorben sind. Ich bin die ersten Jahre bei ihnen, in ihrem Haus, zusammen mit meinen Eltern aufgewachsen, sie waren immer so stolz auf mich, haben mich beinahe glorifiziert. Vor allem zu meinem Opa hatte ich eine extrem enge Bindung. Er hat mir schon mit 4 lesen und schreiben beigebracht, mir die süßesten Kosenamen gegeben. Wenn ich an ihn denke, denke ich immer zuerst an die Güte in seinen Augen. Wie er betet, wie er den Garten pflegt, das Obst erntet. Er war ein einfacher Mann, aber kein beschränkter Mann. Er ist kurz nach meiner Oma gestorben, nach ihrem Tod war er nicht mehr derselbe. Ich konnte nicht bei der Beerdigung sein, ich habe erst nach der Beerdigung überhaupt von meinen Eltern erfahren, dass er gestorben ist, sie wollten es mir ersparen, aber irgendwann fragte ich etwas über ihn und da sagten sie es mir. Erstaunlicherweise hat es mich und meinen Vater nähergebracht. Er bot mir neulich an, mir das Video von seiner Beerdigung anzuschauen, ich komm darauf nicht klar, ich bin sofort in Tränen ausgebrochen, obwohl sein Tod nun schon 3 Jahre her ist. Seitdem glaub ich nicht mehr, dass die Zeit alle Wunden heilt, man lernt wohl nur besser, zu verdrängen.