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Wieviele Flüchtlinge kann Europa aufnehmen?

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jungle-world.com - Archiv - 18/2015 - Ausland - Die Piratenabwehr vor Somalia

Zu Seeräubern gemacht


Beim geplanten Kampf gegen sogenannte Schlepper zur Abwehr von Flüchtlingsbooten im Mittelmeer verweisen europäische Politiker derzeit gern auf den Erfolg der Atalanta-Mission an Afrikas Ostküste.
VON RUBEN EBERLEIN


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Auf ihrem Sondergipfel am Donnerstag vergangener Woche einigten sich die EU-Politiker auf einen von der EU-Kommission vorgelegten Zehn-Punkte-Plan zur Eindämmung der Migration über das Mittelmeer nach Europa. Ausdrücklich wird bei der geplanten »systematischen Anstrengung, Menschenschmuggler-Schiffe festzusetzen und zu zerstören«, auf die angeblichen Erfolge der Militärmission Atalanta verwiesen. Und tatsächlich deutet sich bei der Reaktion auf die jüngsten Flüchtlingskatastrophen an, dass es – wie in Somalia – der EU nicht um die Bekämpfung der Fluchtursachen geht, sondern allein um die Symptome.
Seit 2008 läuft die EU-Mission Atalanta vor der Küste Somalias, sie hat ihr Einsatzgebiet mittlerweile bis nördlich von Madagaskar ausgeweitet. Anlass für die Militäraktion, an der sich nicht nur EU-Länder inklusive Deutschland, sondern auch Indien, Japan, die USA, Südkorea und Russland beteiligen, war der sprunghafte Anstieg der Piraterie in der Region Mitte der nuller Jahre. Im Wochentakt wurden vor der Küste Somalias Schiffe aus aller Welt gekapert, die Besatzungen festgesetzt und Lösegeld von den Schiffseignern gefordert.
Die Überfälle nahmen ein derartiges Ausmaß an, dass die Fahrt durch den Golf von Aden für viele Reeder zum unüberschaubaren Sicherheitsrisiko wurde. Nicht die Beilegung des Konflikts in Somalia, sondern die Gefährdung der internationalen Handelswege war der Grund für den Einsatz der EU am Horn von Afrika. Ungefähr 30 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls und 16 000 Schiffe jährlich nehmen diese Route.
In Deutschland, das sich als militärische Friedensmacht begreift, ist es nicht schicklich, von wirtschaftlichen Interessen öffentlich zu reden. Während der Atalanta-Debatte und kurz vor der Verlängerung des Afghanistan-Mandats sprach Bundespräsident Horst Köhler die simple Wahrheit aus, dass militärische Einsätze auch wirtschaftlichen Interessen dienen könnten. Es folgte ein Sturm der Entrüstung im politischen Establishment, der Köhler Ende Mai 2010 zum Rücktritt veranlasste.
Atalanta zeigte, dass innerhalb kürzester Zeit reagiert werden kann, wenn die Interessen der EU-Länder bedroht sind. Als ein Kollateralnutzen der gesamten Aktion kann gelten, dass auch Schiffe des Welternährungsprogramms (WFP) und der Mission der Afrikanischen Union in Somalia (Amisom) vor den Überfällen der Piraten geschützt werden. Doch was mit den Hilfslieferungen geschieht, sobald sie einen Hafen in Somalia erreichen, ist eine andere Frage.
Seit dem Sturz des Diktators Siad Barre 1990 befindet sich vor allem der Süden Somalias in einem andauernden Kriegszustand. Versuche der Vereinten Nationen und der USA, die verschiedenen Übergangsregierungen bei der Durchsetzung des Gewaltmonopols zu unterstützen, scheiterten Anfang der neunziger Jahre immer wieder. Im März 1994 verließen die letzten US-Truppen das Land, ein Jahr später zog sich die UN-Truppe zurück.
Nach Jahren der Kämpfe zwischen verschiedenen Warlords übernahm 2006 die Vereinigung Islamischer Gerichte (ICU) die Macht in der Hauptstadt Mogadishu und vertrieb die vor allem von den USA unterstützten, in der Allianz für die Herstellung des Friedens und gegen Terrorismus (ARPCT) zusammengeschlossenen Warlords aus der Stadt. Doch die Regierungszeit der ICU währte nur ein halbes Jahr. Die Regierung des Nachbarlandes Äthiopien sah ihre Interessen durch die Herrschaft der Islamisten bedroht und ging militärisch gegen sie vor, im Januar 2007 musste die ICU ihre letzte verbliebene Hochburg, die Hafenstadt Kismayo im Süden Somalias, aufgeben. Aus den Überresten der ICU ging schließlich die Terrormiliz al-Shabab hervor, die bis heute mit mörderischen Anschlägen in Somalia und den Nachbarländern Kenia und Djibouti Angst und Schrecken verbreitet.
Nach dem Rückzug der UN und der USA blieb das Land lange Zeit sich selbst überlassen und tauchte nur noch selten in der internationalen Berichterstattung auf. Viele Jahre gab es kein Rezept für den Umgang mit dem Staatszerfall in Somalia. Seit 2007 versucht die Eingreiftruppe Amisom, Somalia zu stabilisieren und gegen den Terror von al-Shabab vorzugehen.
Doch die Entwicklungen der vergangenen Jahre geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus. So verfügt Somalia seit August 2012 wieder über eine indirekt gewählte Legislative, die wiederum den Wissenschaftler und Bürgeraktivisten Hassan Sheikh Mohamud zum Präsidenten wählte. Die »Gebergemeinschaft« beschloss Hilfen in Höhe von 2,4 Milliarden US-Dollar im Rahmen eines Drei-Jahres-Planes für Sicherheit und die Stärkung der Wirtschaft.
Die Piraterie etablierte sich ab Mitte der nuller Jahre im Kontext von Krieg und Verelendung vor allem als Einnahmequelle für junge Männer und Fischer, deren Fanggebiete von internationalen Schiffen leergefischt wurden. Dabei ist es nicht immer möglich, zwischen harmlosen Fischern und Piraten zu unterscheiden. So wurde die Ausweitung des Mandats der Bundeswehr zur Verfolgung der Piraten auch an der Küste und im Landesinneren innerhalb einer Zone von zwei Kilometern landeinwärts von Teilen der Opposition und Menschenrechtsgruppen scharf kritisiert (Jungle World 15/2012).
Trotz der vor der Ostküste kreuzenden Armada von Schiffen zur Abwehr der Piraterie warnt die Internationalen Handelskammer (ICC) auf ihrer Website weiterhin vor Überfällen durch somalische Piraten im Golf von Aden und dem Roten Meer. »Somalische Piraten attackieren weiterhin Schiffe an der nördlichen, östlichen und südlichen Küste Somalias«, heißt es. Ihr Einsatzgebiet umfasse auch die Küsten Kenias, Tansanias und Mosambiks und reicht bis zur Westküste Indiens. Die Piraten seien »gefährlich und bereit, ihre automatischen Waffen und Panzerfäuste auf Schiffe zu feuern, um sie zu stoppen«.
Doch zweifellos hat die EU-Mission zur Eindämmung der Piraterie ihr Ziel erreicht. Die Folge ist eine weitere Militarisierung der Außenpolitik der EU, die es längst aufgegeben hat, die Ursachen für die Überfälle und Geiselnahmen in Somalia zu bekämpfen. Auch das Vorgehen gegen Schleuser im Mittelmeer wird nicht an den Fluchtur­sachen ansetzen, sondern vor allem auf die Symptome der Verelendung und des Kriegs ab­stellen.
Hans Lucht, Wissenschaftler am Dänischen Institut für internationale Studien,bezweifelt im Gespräch mit der BBC die Effektivität einer militärischen Lösung: »Wir wissen wenig über die Schmuggler. Sie haben kein Hauptbüro, in das man gehen und alle verhaften könnte«, sagte er dem britischen Sender. »Berichte zeigen, dass kriminelle Aktivitäten und der Handel mit verbotenen Gütern – nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Drogen, Waffen und anderen Schmuggelwaren – weit verbreitet ist und starke lokale und ethnische Bindungen hat.«
Die Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens und Afrikas wird die neue EU-Linie nicht davon abhalten, mit allen Mitteln zu versuchen, Europa zu erreichen. Dass sie dabei auf die Dienste sogenannter Schlepper angewiesen sind, ist auch das Resultat einer strikten Einwanderungsverhinderungspolitik. So ist es für Menschen aus Mali oder dem Kongo schlicht nicht möglich, ein Visum für ein Land der EU zu erhalten, mit dem sie sich dann in ein Flugzeug setzen könnten. Vielen bleibt nur der gefährliche Weg durch die Sahara bis nach Libyen oder an die spanischen Exklaven Ceuta und Me­lilla in Marokko, wo sie dann zu hohen Preisen auf ein schrottreifes Schiff steigen.
So gehen die Tausenden Tote, die jährlich im Mittelmeer ertrinken, auch auf das Konto einer auf Abwehr ausgerichteten Migrationspolitik. Es ist aus Sicht der EU-Staaten nur konsequent, nun auch militärisch gegen die Einwanderung vorzugehen. Zudem dürfte die Migrationsabwehr auch bei der Mehrheit der deutschen und der EU-Bevölkerung auf Zustimmung stoßen, wie häufig vorgebrachte populistische Einwände zeigen, etwa die, dass »wir nicht alle Afrikaner aufnehmen können« oder dass Deutschland nicht »das Sozialamt der Welt« sei. Deshalb dürften die jetzigen militärischen Pläne auch kaum Widerstand hervorrufen.

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:fail:


22. April 2015, 15.23 Uhr:
'Wo bleibt die muslimische Solidarität?'

VON THOMAS VON DER OSTEN-SACKEN




We besonders clever argumentieren will, der fragt dieser Tage, in denen an jedem ein paar hundert Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken, wo denn die muslimische Solidarität bleibe, warum denn islamische Länder die Flüchtlinge nicht aufnähmen.
Tun sie nur längst:
chartoftheday_2380_Pakistan_Hosts_The_Highest_Number_of_Refugees_Worldwide_n.jpg


jungle-world.com - Jungleblog - 'Wo bleibt die muslimische Solidarität?'
? Chart: Pakistan Hosts The Highest Number of Refugees Worldwide | Statista



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[h=1]
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[/h]Die Fluchthilfe, im Kalten Krieg noch ein ehrenwertes Gewerbe, gilt nun als Verbrechen, gegen das sogar militärische Mittel gerechtfertigt sind.



http://jungle-world.com/artikel/2015/18/51865.html
 
Die Frage ist, wann dieser Micky Mouse Staat namens Deutschland endlich seine verkackten Gesetze anwendet und dementsprechend , die hunderttausende, die nachweislich kein Anrecht auf Asyl haben, rausschmeißt.
 
Machen sie. Die frage ist hier nur: Wie lange resp. bis zu welchem Mass???



Im Jugoslavienkrig gab es viel mehr Flüchtlinge im Deutschsprachigen Raum als jetzt. Nur die meisten Flüchtlinge sind bei Vervanten aufgenommen worden die auch die größten kosten übernahmen.
Hier ist es anders viele leben in Flüchtlings Zentren. Es bringt keinen was die Flüchtlinge werden in Männer und Frauen Gruppan getrennt damit sie nachts getrennt schlafen können Tags über werden Sie wider zusammengeschlossen wie Gefangene.
Die ansäsigen Bürger regen sich auf und dulden meist nicht so viele Flüchtlinge an einem Ort.
Es gäbe da sicherlich günstige und Menschenwürdige Varianten.
Dann würde man sich nicht so viel über die Flüchtlinge aufregen.
 
Die Frage ist, wann dieser Micky Mouse Staat namens Deutschland endlich seine verkackten Gesetze anwendet und dementsprechend , die hunderttausende, die nachweislich kein Anrecht auf Asyl haben, rausschmeißt.

Wie ist so ein dummer Ausländer wie du eigentlich an eine Aufenthaltsgenehmigung gekommen? Haben doch sicher Mami und Papi für dich erarbeitet. Denn nur ihretwegen wurden überhaupt die Gesetzte entsprechend geändert, sodass man bleiben durfte. Und jetzt haust du Lachnummer hier Sprüche raus und tust so, als hättest du irgendwas in Deutschland geleistet.

Wie hier die ganzen Emporkömmlinge vergessen woher sie kommen und eigentlich die schlimmsten Schmarotzer von allen sind.

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Im Jugoslavienkrig gab es viel mehr Flüchtlinge im Deutschsprachigen Raum als jetzt. Nur die meisten Flüchtlinge sind bei Vervanten aufgenommen worden die auch die größten kosten übernahmen.
Hier ist es anders viele leben in Flüchtlings Zentren. Es bringt keinen was die Flüchtlinge werden in Männer und Frauen Gruppan getrennt damit sie nachts getrennt schlafen können Tags über werden Sie wider zusammengeschlossen wie Gefangene.
Die ansäsigen Bürger regen sich auf und dulden meist nicht so viele Flüchtlinge an einem Ort.
Es gäbe da sicherlich günstige und Menschenwürdige Varianten.
Dann würde man sich nicht so viel über die Flüchtlinge aufregen.

Du redest Müll, längst nicht alle kamen bei Verwandten unter. Das war die erste Zeit, als nur Kroaten Asylrecht leicht bekamen, später als es für alle galt, waren die Heime voll. Die Deutschen haben selber eine Flüchtlingshistorie und sollen sich nicht so anstellen. Abendland predigen und eigentlich nur Schlaraffenland wollen, so siehts doch aus. Peinliche Haufen.
 
Du redest Müll, längst nicht alle kamen bei Verwandten unter. Das war die erste Zeit, als nur Kroaten Asylrecht leicht bekamen, später als es für alle galt, waren die Heime voll. Die Deutschen haben selber eine Flüchtlingshistorie und sollen sich nicht so anstellen. Abendland predigen und eigentlich nur Schlaraffenland wollen, so siehts doch aus. Peinliche Haufen.


Das Problem liegt mitunter woanders.

Die Neokolonialismus Manier beutet systematisch andere Länder aus, womit Flüchtlinge nur angezüchtet werden.

Wenn die EU die Meere der Einheimische an Fischbeständen leer räumen, was bleibt den Einheimischen ?

Solange diese Probleme nicht offen ausgesprochen werden, wird man nicht weiter kommen.

Man kann diese Probleme nicht offen ansprechen, weil die Industrien die Hände an den Eiern unserer Politiker haben.
 
tako je
..Von Malte Fischer Eigentlich läuft es ja in der bunten Republik. Flüchtlinge finden im Wochentakt vierstellige Geldsummen und melden sich sofort auf der nächsten Polizeidienststelle. Dort erklären sie den gerührten Beamten mit Händen und Füßen, dass sie wüssten, wie schlimm es ist, etwas Wertvolles zu verlieren. Von vier verschiedenen aber doch ähnlichen Fällen berichteten Stern, Focus und deutsche Tageszeitungen allein im Juli. Das törichte Geschwätz von der Lügenpresse dürfte dank dieser Meldungen endgültig vom Tisch sein.
Zeit und Spiegel Online rechnen unbestechlich vor, wie Migration unsere demographischen Probleme löst und die von Pleite-Ossis strapazierten Sozialsysteme saniert. Okay, es wäre vielleicht hilfreich wenn die Studenten aus Asien, Russland oder Polen, die noch etwas aus ihrem Leben machen wollen, nach dem Master nicht gleich wieder abhauen würden. Aber dank Mindestlohn und deutschem Arbeitsrecht haben bei uns zum Glück alle einen garantierten theoretischen Anspruch auf gute Arbeit zu fairen Löhnen. Wird das Geld doch mal knapp, enteignen wir eben die Superreichen und überwinden das neoliberale Scheißsystem, auf das eh keiner mehr Bock hat.
Die politisch progressiven Kräfte der Republik gehen im Zukunftslabor Berlin-Kreuzberg schon seit Jahren neue Wege in der Flüchtlingspolitik. Ein Leuchtturm-Projekt ist die so kosten- wie sozialverträgliche Selbstverwaltung der Flüchtlinge und ihrer Unterstützer in der Gerhart-Hauptmann-Schule. Dank des Einsatzes engagierter Antifaschisten werden Schutzsuchende hier exklusiv von anderen Schutzsuchenden verprügelt oder abgestochen. Keine Handbreit dem Rassismus. Eine muntere Zivilgesellschaft verhindert kreativ, dass so genannte besorgte Bürger auf Versammlungen hetzen können. Junge Männer bekommen in öffentlichen Grünanlagen Raum für unternehmerische Eigeninitiative und begegnen so dem Klischee des faulen Asylanten, der uns nur auf der Tasche liegt.
Um das friedliche Miteinander aller Menschen in Deutschland zukunftsfest zu machen, fehlt eigentlich nur noch ein Blatt Papier mit Gaucks Unterschrift und dem Wort Zuwanderungsgesetz oben drauf. Wären da nur nicht die Nazis. Und die Deutschen, die nicht einsehen wollen, dass die Nazis das drängendste Problem unserer Zeit sind. Diese „Aber-Nazis“ sind eigentlich noch schlimmer als die immerhin ehrlichen NPD-Nazis. Sie tarnen sich als ganz normale Menschen aber man erkennt sie trotzdem ganz leicht. Sie benutzen das Wort „Aber“ in Zusammenhang mit Schutzsuchenden. Ich habe nichts gegen Flüchtlinge aber… Reicht. Klarer Fall. Ich habe nichts gegen Meinungsfreiheit aber zweifelsfrei nachgewiesener Rassismus ist eben keine Meinung, sondern zweifelsfrei nachgewiesener Rassismus. Diese Schande muss im Namen von Demokratie und Freiheit verboten werden. Es gibt Hoffnung, dass Herr Maas bereits an Paragraphen gegen Hate Speech feilt.
Menschenverachtung in sozialen Netzwerken ist ja sowieso eine exklusive Domäne deutscher Rechter. Linke hetzen nicht. Sie üben konstruktive Kritik und vertrauen auf die Kraft ihrer Argumente. So kommentieren zum Beispiel Taz-Leser das Ende der politischen Laufbahn von Erika Steinbach: „Eigentlich kann die sterben gehen.“ „Wenn jetzt noch Kohl, Koch und De Maiziere tot umfallen, war der Tag trotz des Scheißwetters ok.“ „Weg mit der alten Schlampe.“ „Guten Rutsch (in die Urne)“. Dem Humanismus verpflichtet. Aber mit Haltung. Ähnliches Fingerspitzengefühl beweisen deutsche Linke regelmäßig im Umgang mit unseren jüdischen und amerikanischen Freunden. Auch werfen sie ihre Molotov-Cocktails und Pflastersteine nicht aus blindem Hass auf Gebäude und Menschen, wie es bei den Rechten der Fall ist, sondern weil sie für eine bessere Welt ohne Nazis und Bullen kämpfen.
Deshalb wäre es grob fahrlässig, einfach pauschal alle Personen zu ächten, die zu Gewalt aufrufen oder Menschen einschüchtern und attackieren, unabhängig von Absender und Adressat. Die Folge wäre eine fragwürdige Vermischung der Täterprofile von deutschen Nazis mit weltbürgerlichen Antifaschisten oder gar Jugendlichen mit Diskriminierungshintergrund. Das kann keiner wollen weil es ja wieder nur den Aber-Nazis in die Hände spielen würde.
Zum Glück gibt es die Qualitätsmedien. Sie erhellen in diesen düsteren Zeiten die Zusammenhänge und erklären dem Volk, was Menschlichkeit 2015 bedeutet. Selbst dann wenn sie wie Sibylle Berg gelegentlich daran verzweifeln, den Deppen immer wieder neu erläutern zu müssen, dass der Kapitalismus an ihrem Frust Schuld ist. Mit Engelsgeduld klären sie die Sachsen darüber auf, dass sie auch nur Deutsche dank historischer Gnade und westlichem Großmut sind. Sie ziehen die großen historischen Linien von Auschwitz bis Tröglitz, den Orten der Schande von gestern und heute.
Deutsche Dichter und Denker pfeifen regelmäßig Bluthunde wie Seehofer zurück. Sonst gebe es bei uns schon längst wieder Konzentrationslager. Ohne sich von der Hilfs- und Spendenbereitschaft einer Minderheit blenden zu lassen, schlagen kritische Journalisten Alarm. Nur ein Aufstand seiner Anständigsten kann einen Rückfall der Deutschen in die Barbarei verhindern. Dafür sprechen über 200 Anschläge auf Schutzsuchende in diesem Jahr. Nur Demagogen unterscheiden spitzfindig zwischen Gewaltdelikten (10 %) einerseits und Sachbeschädigungen und Propagandadelikten andererseits (90 %). Nur Rassisten, für die schwarze Leben nicht zählen, setzen die Zahlen in Relation zu den steigenden Flüchtlingszahlen oder stellen ihnen gar Gewaltopfer bio- und neudeutscher Herkunft gegenüber, die das Glück hatten, nicht von Nazis erwischt zu werden. Was Ausländer unter sich machen, geht uns nichts an. Was sie Deutschen antun, ist bedauerlich, sollte aber wegen der vielen Nazis nicht an die große Glocke gehängt werden. Sorry.
Höchstens ein paar moralbefreite Springerschweine bringen noch Aufmacher von Totschlägern und Terroristen, die nicht eindeutig der rechten Szene zuzuordnen sind. Insgesamt bestechen die deutschen Medien durch eine beeindruckende moralische Klarheit. Und weil heute fast alle wissen, dass es Flüchtlinge gibt weil wir Waffen exportieren und rechts von der CDU Nazischland beginnt, werden sich hoffentlich noch viele Menschen dem Aufstand der Anständigen anschließen und mutig bekennen, dass sie lieber eine Flüchtlingsfamilie als einen Nazi zum Nachbarn hätten, sollte der nette Zahnarzt und seine Pianistin-Gattin irgendwann ausziehen. Nur können all die schönen Worte das Schweigen von Mutti nicht übertönen. Frau Merkel, zeigen Sie jetzt bitte Haltung.
 
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