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GRIECHENLAND: Der einstige Pleitestaat wird Europas Wachstumsstar
Griechenlands Börsenboom setzt weltweit Maßstäbe, der ehemalige Krisenstaat wächst doppelt so schnell wie der Rest der Euro-Zone. Wie schafft Premier Mitsotakis das?
Gerd Höhler
04.08.2023 - 17:28 Uh
Jetzt kennen die Kurse an der Akropolis-Börse nur eine Richtung: Es geht steil aufwärts. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Leitindex Athex Composite ein Plus von 40,5 Prozent. Damit gehört der griechische Aktienmarkt zu den besten Performern weltweit.
Die Börsenrally zeigt:
Griechenland, das noch vor acht Jahren mit Milliardenkrediten der Euro-Partner vor der drohenden Staatspleite gerettet werden musste, ist wieder da. Das Land liegt beim Wirtschaftswachstum in der Spitzengruppe der EU-Staaten, hat seinen Haushalt konsolidiert und reduziert seine Schuldenquote schneller als jedes andere Land der Euro-Zone. Der neue Athener Wirtschafts- und Finanzminister Kostis Chatzidakis stellt zufrieden fest: „Wir sind nicht mehr das schwarze Schaf Europas.“
Darauf werden auch immer mehr ausländische Investoren aufmerksam. Nach Berechnungen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg sind in den ersten vier Monaten dieses Jahres 3,4 Milliarden Euro aus dem Ausland in griechische Aktien und Anleihen geflossen. Bis zum Jahresende dürfte sich der Zufluss nach Schätzung von Marktbeobachtern auf über zehn Milliarden Euro erhöhen.
Davon profitieren auch griechische Staatsanleihen. Die steigende Nachfrage nach den Papieren treibt die Kurse und drückt spiegelbildlich die Rendite. Sie liegt für den zehnjährigen Bond aktuell bei 3,87 Prozent. Zum Vergleich: Die Rendite der zehnjährigen italienischen Bonds ist 43 Basispunkte höher.
Angesichts des desolaten Zustands der linken Oppositionspartei Syriza ist aus heutiger Sicht auch nicht zu erkennen, wer Mitsotakis 2027 eine dritte Amtszeit streitig machen könnte. Zumal die Wirtschaft brummt und die chronisch hohen Arbeitslosenzahlen zurückgehen. Seit Mitsotakis‘ Amtsantritt im Sommer 2019 fiel die Arbeitslosenquote von 17,6 auf 11,1 Prozent, die Zahl der Jobs wuchs im selben Zeitraum um 19 Prozent.
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Griechenland für dieses Jahr ein Wachstum von 2,4 Prozent. Das wäre mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der Euro-Zone. Bereits 2022 legte das Bruttoinlandsprodukt um 5,9 Prozent zu, 2021 waren es sogar 8,4 Prozent. Die Investitionen stiegen seit Mitsotakis‘ Amtsantritt 2019 um 44 Prozent.
Auch die Sanierung der Staatsfinanzen kommt gut voran: Im Primärhaushalt, der den Schuldendienst ausklammert, erwirtschaftete Griechenland in den ersten sechs Monaten einen Überschuss von 2,1 Milliarden Euro, gegenüber einem Defizit von 3,4 Milliarden im Vorjahreszeitraum.