Ich habe Geschichtsbücher gelesen und was ich hier geschrieben habe ist das, was in diesen Büchern steht. Willst du abstreiten, dass das arme Albanische Volk keine Vorteile hatte, wenn sie zum Islam übertraten?
Aber mich interessiert eine Diskussion um die Islamisierung Albaniens an dieser Stelle relativ wenig.
Islam in Albanien
Die
Islamisierung weiter Teile der Bevölkerung setzte zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein, wiederum im Süden eher und durchgreifender als im Norden. Es gab mehrere Gründe für den Erfolg der neuen Glaubensrichtung bei den Albanern: Die Begünstigung der Viehzucht durch das osmanische Celeb-System kam jenen Teilen der Bevölkerung entgegen, die als
halbnomadische Wanderhirten lebten. Am besten konnte man als Muslim an diesem System partizipieren. Wie in
Bosnien traten auch viele Adelige zum Islam über, um als Timarioten und
Spahis weiter zur grundbesitzenden Oberschicht gehören zu können. Die unter osmanischer Herrschaft aufblühenden Städte (z. B.
Elbasan,
Berat,
Delvina u.a.) waren Ziele der
Binnenmigration. Die vom Land kommenden neuen Bewohner nahmen bald Glauben und Kultur der islamischen Oberschicht an. Ein wichtiger Grund für den Übertritt zum Islam war auch, dass man als Muslim keine
Kopfsteuer zu zahlen hatte. Schließlich hängt die starke Islamisierung Albaniens auch damit zusammen, dass viele Männer aus dem armen Land ihr Glück beim osmanischen Militär suchten, wo sie alsbald den neuen Glauben annahmen. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründe, die oft Motivation zum
Religionswechsel waren, führten dazu, dass manche Konvertierten
Kryptochristen waren, die heimlich die alte Religion weiter zelebrierten. Oft konvertierte zunächst nur das Familienoberhaupt und seine Angehörigen blieben Christen. Es bildeten sich auch Formen eines islamisch-christlichen
Synkretismus heraus. So ist es zum Beispiel im Norden üblich, dass auch muslimische Bauern um den katholischen Viehsegen für ihre Herden bitten und die Priester ihn spenden.
Die historische Forschung geht davon aus, dass die Kirchenbindung der Albaner zur Zeit der türkischen Eroberung geringer als bei anderen Balkanvölkern gewesen ist, weil das Land zwischen
Ost- und
Westkirche gespalten war und weil die Kirche in den miteinander rivalisierenden Fürstentümern wenige Institutionen, geringen Besitz und damit auch wenig Einfluss auf die Bevölkerung hatte. Dies soll die Islamisierung Albaniens begünstigt haben.
Ende des 16. Jahrhunderts war die große Mehrheit der Stadtbewohner muslimisch, während in den Dörfern noch 80 Prozent Christen waren. Im Laufe des 17. Jahrhunderts nahm der auf die Christen ausgeübte Druck zur Konversion zu. Dies hatte zum einen politische Ursachen - die Osmanen gerieten zunehmend in die Defensive gegenüber den christlichen Mächten, zum anderen gab es wirtschaftliche Gründe - der Verfall des Timarsystems führte zur verschärften Ausbeutung insbesondere der christlichen Bauern durch die die Großgrundbesitzer. Um wenigstens der Kopfsteuer zu entgehen, traten deshalb im 17. Jahrhundert häufig ganze Dorfschaften zum Islam über. Seit dieser Zeit ist Albanien ein mehrheitlich muslimisches Land.
Islam in Albanien