Wird Bulgariens Rumen Radev "der nächste Orbán"?
Am 19. April wählt Bulgarien zum achten Mal innerhalb von fünf Jahren ein neues Parlament. Rumen Radev gilt als Favorit bei dieser Wahl, von der sich viele erhoffen, dass sie der Instabilität ein Ende bereitet
Wie Soldaten, stramm aufgereiht, stehen sie hinter dem Luftwaffengeneral und lauschen seinen Worten. Die Parteifreunde in grünen Anzügen tragen die Nummer 21 an der Brust geheftet. Die Zahl steht für Rumen Radevs Partei "Progressives Bulgarien". Der glatzköpfige Kandidat wirkt bei seiner Rede steif, aber entschlossen. Seine Wahlveranstaltungen haben in etwa den Charme eines kommunistischen Zentralkomitees. Doch das ist gewollt, weil es in Bulgarien bei manchen nostalgische Erinnerungen an die sozialistische Zeit weckt.
Radev wettert gegen die kürzliche Euro-Einführung. Die anderen Politiker hätten behauptet, dass diese nicht zur Inflation führen würde, doch nun sei alles so teuer. "Diejenigen, die den Euro in Bulgarien überstürzt eingeführt haben, taten dies ohne finanzielle Puffer, ohne Maßnahmen und ohne Kontrolle", sagt er und betont, dass die Inflation von zwei bis drei Prozent die Ersparnisse der Dorfbewohner, die ihre Lebensmittelrechnungen nicht mehr bezahlen könnten, auffresse.
Radev setzt auf Euroskeptizismus. Er wollte sogar ein Referendum über die Euro-Einführung durchführen lassen, die am Ende reibungslos verlief. Als die bulgarische Regierung im Dezember – zum siebten Mal innerhalb von fünf Jahren – zerbrach, ergriff Radev, der bisherige Präsident, der eigentlich noch ein Jahr im Amt bleiben sollte, seine Chance. Er trat zurück und kandidiert nun bei den Parlamentswahlen diesen Sonntag mit einer neuen Liste.
Beliebtester Politiker des Landes
Obwohl seine Partei noch nicht einmal offiziell registriert wurde, kann er aus seiner Popularität als Staatschef und dem daraus resultierenden Zugang zu Medien viel Kapital schlagen. Als beliebtester Politiker des Landes wird er die Wahlen gewinnen und aller Wahrscheinlichkeit nach neuer Regierungschef. Damit wird der EU-Staat erstmals einen prorussischen EU-Skeptiker zum Premier haben.
Am 19. April wählt Bulgarien zum achten Mal innerhalb von fünf Jahren ein neues Parlament. Rumen Radev gilt als Favorit bei dieser Wahl, von der sich viele erhoffen, dass sie der Instabilität ein Ende bereitet
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