Der Kontext und Hintergrund der ganzen Sache ist schwierig, fragwürdig.
Wir reden von Prominenten der ersten Reihe. D.h. Leuten, die sich persönlich ziemlich sicher im Großen und Ganzen nicht um Engagements und Lebensunterhalt sorgen müssen. Die sicher in wesentlich privilegierterer Form als viele andere die gesundheitliche Gefährdung von sich und ihren Lieben sehr gering halten können.
Gut sie wollen ihre Prominenz offenbar in die Waagschale werfen als Beitrag, um der Kunst- und Kulturbranche Gehör, Aufmerksamkeit zu verschaffen, ihr „zu helfen“. Sie benutzen dafür sehr starken Sarkasmus. Sarkasmus muss beißen, weh tun. Jeder wird da seine unterschiedlichen Grenzen haben. Für mich persönlich hört die Grenze des „Erlaubten“ da auf, wo eine große Gefahr besteht, etwa ganz stark die Angehörigen, Hinterbliebenen von Todesopfern vor den Kopf zu stoßen. Und das scheint mir hier der Fall. Ich sehe nicht, was dies hier hilft, außer dass es die ganze Diskussionskultur um Berichterstattung, Coronamaßnahmen usw. nur noch mehr polarisiert.
Man kann fragen, vielleicht musste diese Radikalität sein, um mal sich Gehör zu verschaffen, um das nochmals breithin zum Thema zu machen. Konkrete Vorschläge gerade von prominenten Vertretern der Branche fände ich hilfreicher. Nicht diese Prominenten brauchen wirklich Unterstützung, sondern die „kleinen“ Künstler, die von Theaterengagements leben, Straßenschausteller usw. Ohne Zweifel. Theaterhäuser, Opernhäuser, Galerien, Museen, die Kleinkunstszene, Kabaretts usw werden stark unterstützt werden müssen. Von mir aus sehr gern und auf jeden Fall.
Sie sollten ihre Prominenz mal für Kritik etwa gegen jene in die Waagschale werfen, die ihre Impftermine einfach so verstreichen lassen. Ist ja auch in den letzten Tagen immer wieder Thema. Die damit sich auch im gewissen Sinn unsolidarisch zeigen. Alle wollen ein normales Leben führen dürfen ohne Einschränkungen. Aber dann müssen auch alle ihren Beitrag dazu leisten. Nur so, und gerade bezüglich Impfen, bekommt man diese ganze Scheiße in den Griff.
Und wenn man endlich dahin gekommen ist. Ich wäre ja gespannt, ob dann der sicher auch notwendige Lobbyismus für die Kunst- und Kulturbranche dann so weiter geht, das persönliche Einsetzen dieser Prominenten dann für alle jene aus der Branche, die dann weiterhin mit den Folgen der Pandemie werden zu kämpfen haben. Bis hin dazu, dass sie vielleicht selbst dann Geld spenden für entsprechende Fonds vielleicht, was weiß ich.