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Der Ukraine Sammelthread

Die Ukraine ist Europas größtes Labor
Es geht nicht nur um moderne Kriegsführung. Im kriegsgeschüttelten Land läuft ein zweites Experiment, nämlich das einer Staatsmacht, die wie eine digitale Plattform organisiert ist

Taras Fedirko, Senior Research Fellow am Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen und Assistenzprofessor an der Universität Glasgow, schreibt in seinem Gastkommentar darüber, warum die Ukraine zum Experimentierfeld geworden ist.

Vier Jahre nach dem großangelegten Einmarsch Russlands in die Ukraine erscheint das Land zunehmend als "Labor" für künftige Kriege. Mit den Worten des britischen Premierministers Keir Starmer: "Die Natur der Kriegsführung verändert sich auf den Schlachtfeldern der Ukraine", und europäische Regierungen sollten von der Ukraine lernen, um im neuen Wettrüsten um Drohnen und KI-Waffen nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Ähnliche Vorstellungen finden sich in unzähligen anderen Konflikten wieder. Die Bombardierung von Guernica in Spanien durch die Nazis ist ein berüchtigtes Beispiel für das bewusste Experimentieren mit wahllosen Luftangriffen auf Zivilistinnen und Zivilisten, und die daraus gezogenen Lehren prägten das Verhalten aller Parteien im Zweiten Weltkrieg. Weniger als 25 Jahre später richtete das Pentagon ein experimentelles Luftkommando in Südvietnam ein. Dort führte die US Air Force laut einem freigegebenen Strategiedokument „ein experimentelles Projekt zur Entlaubung des Dschungels” durch und nutzte den Vietnamkrieg als „Feldlabor” für Taktiken zur Aufstandsbekämpfung. Und auf einer Konferenz für Verteidigungstechnologie in Tel Aviv Anfang Dezember 2025 sagte Boaz Levy, Chef der Israel Aerospace Industries: „Der Krieg, mit dem wir in den letzten zwei Jahren konfrontiert waren, macht die meisten unserer Produkte für den Rest der Welt zulässig.”

 
Selenskyj: Nächste Verhandlungsrunde in Abu Dhabi
Die nächste Runde der US-vermittelten Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland wird Angaben aus Kiew zufolge Anfang März in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwartet.

„Es ist notwendig, alles, was für echte Sicherheitsgarantien erreicht wurde, zu finalisieren und ein Treffen der Staatschefs vorzubereiten“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gestern in einer Videobotschaft. Ein solches Gipfeltreffen könne helfen, „Schlüsselfragen“ zu lösen. „Wenn es um Russland geht, um ein so personalisiertes Regime, dann noch mehr als in anderen Ländern“, hob Selenskyj hervor.

Zuvor hatten in der Schweiz Gespräche zwischen einer ukrainischen und einer US-amerikanischen Delegation zur Vorbereitung eines neuen dreiseitigen Treffens mit Russland stattgefunden. Selenskyj habe dabei mehrfach mit den ukrainischen Unterhändlern Rustem Umjerow und David Arachamija sowie den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner gesprochen.

Selenskyj: Putin nicht bereit für Frieden
Selenskyj erneuerte den Vorwurf, dass Moskau nicht bereit zu einem Friedensschluss sei. Der russische Präsident Wladimir Putin stoppe seine „Kriegsmaschine“ nicht. „Im Gegenteil, er bereitet sich darauf vor, weiter zu kämpfen, und die Welt muss bereit sein, Druck auf Russland auszuüben, damit sich das ändert“, sagte der Ukrainer. Das Rezept seien Sanktionen gegen russisches Energieexporte und Banken.

 
Warum Österreichs Umgang mit den Ukraine-Vertriebenen rauer geworden ist
Vier Jahre nach Kriegsbeginn haben etliche Geflohene eine Existenzgründung in Österreich geschafft. Aber bei den Bedürftigsten wird immer mehr gespart

In diesem Im-Fokus-Newsletter schreibt STANDARD-Redakteurin Irene Brickner über das Schicksal der Kriegsvertriebenen in Österreich und anderen EU-Staaten.

Integrationsministerin Claudia Bauer fand für die Ukrainevertriebenen zuletzt nur Lob. Diese seien "mit Abstand die fleißigste Gruppe" unter den Flüchtlingen in Österreich, sagte sie bei einer Pressekonferenz vor dem vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf seinen Nachbarstaat am heurigen 22. Februar.

Die Hälfte der Arbeitsfähigen unter den rund 94.000 Ukrainerinnen und Ukrainern habe inzwischen einen Job oder befinde sich in Schulungen. "Nur zwei Prozent wollen in baldiger Zukunft in die Ukraine zurückkehren", zitierte die ÖVP-Politikerin aus einer neuen Umfrage in den Kursen des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF).

Selbstlob der Politik
Bauers Wortmeldung war nicht die einzige dieser Art. EU-weit versicherten Politikerinnen und Politiker die Ukraine rund um den Jahrestag ihrer Solidarität – und klopften sich gleichzeitig selbst auf die Schultern. Man habe die Ukraine mit Waffen, Know-how und humanitärer Hilfe unterstützt und den mehr als fünf Millionen Kriegsvertriebenen in der Union Schutz gewährt – und werde das auch weiter so halten.

In der Praxis jedoch ist das vielfach ein leeres Versprechen. Die Hilfe für die Vertriebenen weist in einer Reihe von EU-Staaten inzwischen große Lücken auf. Erfolgsmeldungen über die rasche Integration anpassungsfähiger Ukrainerinnen und Ukrainer sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Unterstützung für bedürftige Menschen aus dem osteuropäischen Land vielerorts eingeschränkt oder gar beendet wurde.

 
Nächtliche Angriffe auf Hafenanlagen in Odessa
Die ukrainische Regierung hat russische Angriffe auf Hafenanlagen in der südlichen Region Odessa gemeldet. Brände seien daraufhin in der Nacht ausgebrochen und Lagerhäuser, Lebensmittelcontainer und Geräte beschädigt worden, teilte der stellvertretende Ministerpräsident Olexij Kuleba heute mit.

Der ukrainische Seekorridor sei aber trotz der Angriffe weiterhin betriebsbereit. Über die Strecke im Schwarzen Meer werden Kuleba zufolge 176 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen, darunter über 150 Millionen Tonnen Getreide.

Feuerpause nahe AKW zwecks Reparaturen
Für die Umgebung des von Russland kontrollierten ukrainischen Kernkraftwerks Saporischschja wurde indes nach russischen Angaben eine lokal begrenzte Feuerpause vereinbart.

 
Internationale Wiederaufbaukonferenz in Wien
Der Wiederaufbau der Ukraine ist für Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) an Bedeutung kaum zu überschätzen. Die Art und Weise dieses Wiederaufbaus werde auch Europas Wirtschaft auf Jahrzehnte prägen, sagte sie heute bei einer Koordinierungskonferenz für den Wiederaufbau der Ukraine in Wien. Die Weltbank schätzt die Kosten auf 588 Mrd. Dollar (498 Mrd. Euro) für einen Zeitraum von zehn Jahren.

Die Beteiligten eine das gemeinsame Ziel, „einen dauerhaften und fairen Frieden und eine sichere und prosperierende Zukunft für die Ukraine“ zu erzielen, sagte Meinl-Reisinger. Es gehe auch um die langfristige Stabilität in Europa und um Solidarität. Das sei eine gemeinsame Verantwortung. Kein Land könne diese Aufgabe alleine stemmen.

Vorwürfe, man wolle mit den Gesprächen vom Krieg profitieren, wies die Außenministerin zurück. Sie verglich das gemeinsame Engagement westlicher Länder mit dem Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg.

Aufbau von Plattform für Hilfsprogramme
An der vom Außenministerium initiierten internationalen Konferenz nahmen mehr als 30 Koordinatorinnen und Koordinatoren aus EU-Ländern sowie aus Japan, Korea, Kanada und Australien teil. Außerdem waren Finanzinstitutionen wie die Europäische Investitionsbank (EIB), die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und die Weltbanktochter IFC beteiligt.

 
Ukraine erhält weiteren Milliardenkredit vom IWF
Das neue Darlehen werde Kiew helfen, die wirtschaftliche Stabilität aufrechtzuerhalten und die öffentlichen Ausgaben weiter fließen zu lassen.

Die Ukraine bekommt vom Internationalen Währungsfonds (IWF) einen vierjährigen Kredit im Umfang von 8,1 Milliarden Dollar. 1,5 Milliarden Dollar davon sollen sofort an das von Russland angegriffene Land fließen, wie der IWF am Donnerstagabend in Washington mitteilte. Das Führungsgremium der internationalen Finanzorganisation gab dafür grünes Licht. Das Geld soll die Regierung in Kiew arbeitsfähig halten. Der Krieg dauert bereits seit mehr als vier Jahren an.

Der IWF erklärte, dass die neuen Maßnahmen dazu beitragen würden, ein internationales Hilfspaket in Höhe von 136,5 Milliarden Dollar abzusichern. Das neue Darlehen werde Kiew helfen, die wirtschaftliche Stabilität aufrechtzuerhalten und die öffentlichen Ausgaben weiter fließen zu lassen. Die ukrainische Regierung begrüßte die Entscheidung. 136,5 Milliarden Dollar sind Schätzungen zufolge die Haushaltsdefizite der Ukraine über vier Jahre. Die Weltbank, die Europäische Union, die Vereinten Nationen und die ukrainische Regierung haben diese Woche einen neuen Bericht veröffentlicht, wonach die Kosten für den Wiederaufbau der Ukraine in den nächsten zehn Jahren 588 Milliarden Dollar betragen werden.

 
Der hat vermutlich wieder zu viel Koks vom Klodeckel geschnüffelt.
RFK Jr greift Demokraten wegen Ukraine-Kurs an!
Robert F. Kennedy Jr sagt, er sei mit dem klaren Ziel angetreten, gegen den Krieg in der Ukraine zu stehen. Er erinnert daran, dass die Demokraten sich früher selbst als Anti-Kriegs-Partei verstanden. In seiner Darstellung habe sich das verändert, sobald Donald Trump den Ukraine-Kurs infrage stellte. Kennedy behauptet, die Partei habe sich daraufhin offen hinter den Krieg gestellt. Als Beleg nennt er, dass der damalige CIA-Chef auf dem Parteitag gesprochen habe. Für Kennedy ist das ein Symbol für einen Kurswechsel. Er zeichnet das Bild einer Partei, die ihre alte Linie aufgegeben habe. Die Demokraten selbst sehen ihre Haltung als Unterstützung für die Ukraine gegen einen Angriffskrieg. Kennedy nutzt den Vergleich, um sich als Alternative zu positionieren. Seine Kritik zielt weniger auf Details der Außenpolitik als auf Glaubwürdigkeit. Der Vorwurf lautet, Prinzipien seien austauschbar geworden. Ob diese Darstellung trägt, hängt von der eigenen Sicht auf den Ukraine-Krieg ab. Klar ist, dass der Konflikt auch in den USA zum innenpolitischen Thema geworden ist.

 
Affäre um unfreiwillige Rekruten für Russland sorgt in Südafrika für Unruhe
Angeblich 1700 Afrikaner kämpfen für Russland im Ukrainekrieg – offenbar oft unter falschen Versprechungen angeheuert. Lange ging der Kontinent eher zögerlich gegen die verantwortlichen Netzwerke vor, nun steigt der Druck auf Moskau

Der Fall hatte monatelang höchste Priorität in Pretoria: 17 südafrikanische Zivilisten waren – mutmaßlich unter falschen Versprechungen – als Söldner für Russland in den Ukrainekrieg gelockt worden, angeblich auch unter Beteiligung einer Tochter von Ex-Präsident Jacob Zuma. Die Videos der verzweifelten Männer von der Front in der Ukraine, in denen sie um politische Hilfe baten, setzten die Regierung unter Druck und belasteten die Beziehungen zwischen den beiden BRICS-Staaten durchaus – allerdings dann doch nicht so stark, dass Südafrika im Jänner auf eine gemeinsame Marineübung mit Russland, China und dem Iran vor der Küste Kapstadts verzichtet hätte.

15 Männer kehrten Ende Februar nach Südafrika zurück, zwei weitere befinden sich nach Angaben der Behörden mit schweren Verletzungen noch in Russland. Präsident Cyril Ramaphosa ließ über seinen Sprecher mitteilen, er habe seinem Amtskollegen Wladimir Putin seinen "aufrichtigen Dank" für die Unterstützung bei der Rückkehr ausgesprochen.

 
Vier Menschen bei russischem Beschuss in Cherson getötet
Bei russischem Beschuss der Stadt Cherson im Süden der Ukraine sind vier Menschen getötet worden. Zwei ältere Frauen, die sich am Eingang eines Wohnhauses befanden, seien bei dem Angriff ums Leben gekommen, schrieb Gebietsgouverneur Olexander Prokudin gestern bei Telegram.

Eine 85-Jährige und ein 63 Jahre alter Mann seien im Krankenhaus an ihren Verletzungen gestorben. Die Ukraine verteidigt sich seit etwas mehr als vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.

 
Selenskyj: "Haben diesen Winter überstanden, den schwierigsten seit Beginn des Krieges"
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Ende des vierten Kriegswinters und den damit verbundenen Widerstand gegen die russischen Angriffe auf das Energiesystem seines Landes begrüßt. "Heute ist der Tag, an dem jeder von uns mit Fug und Recht sagen kann: Wir haben diesen Winter überstanden, den schwierigsten seit Beginn des Krieges", sagte Selenskyj in seiner Videoansprache am ersten Tag des meteorologischen Frühlings.

"Die Russen wollten diesen Winter zur Vernichtung der Ukraine und der Ukrainer nutzen, aber die Ukraine hat nicht nachgegeben", hieß es weiter. Russland habe in einem der größten Angriffe am 6. Dezember über 700 Ziele attackiert, danach folgten regelmäßige Angriffe gegen diverse Objekte zur Energieversorgung. "Kein Volk hat solche Prüfungen durchgemacht", sagte Selenskyj. "Die Ukrainer haben auch das überwunden."

Mit diesen Angriffen, die die Versorgung mit Wasser, Strom und Wärme teilweise unterbrachen, versuchten die russischen Streitkräfte, die ukrainische Zivilbevölkerung massiv unter Druck zu setzen. Durch die russischen Attacken mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern kam es zu stundenlangen Stromabschaltungen in verschiedenen Landesteilen, die die ukrainischen Reparaturtrupps vor schwere Aufgaben stellten.
 
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