Warum lässt die Politik die Menschen zurück?
Die Einschnitte im Sozialbereich werden lange spürbar bleiben und Lebenswege erschweren
Ein Einkaufssamstag. Als braver Vater trotte ich vom Westbahnhof meinem Nachwuchs hinterher, die ganze Mariahilfer Straße entlang. Ziel ist ein Geschäft nahe dem Museumsquartier, weil es "genau dieses eine Leiberl" nur dort gibt. Am unteren Ende der "Mahü" bleibe ich abrupt stehen. Wo früher der Leiner stand und später René Benko sein Einkaufszentrum aus dem Boden stampfen ließ, steht nun ein Bagger auf dem Dach des Rohbaus. Der riesige, halbfertige Betonklotz wird wieder abgerissen. Ein neuer Investor hat den Bau aus der Konkursmasse gekauft und andere Pläne.
Plötzliche Wut
Vor diesem Denkmal von Größenwahn und Selbstüberschätzung steigt plötzlich Wut in mir auf. Wut auf jene, die Benko hofierten und sich beim jährlichen Törggelen um ihn drängten. "Mit tätiger Mithilfe der ÖVP" sei " zwischen den Jahren das zuständige Bezirksgericht aufgesperrt und ein leitender Beamter aus dem Urlaub zurückgeholt" worden, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.
Doch eigentlich hat meine Emotionalität an diesem Tag einen tieferen Grund. Was mich wirklich wütend macht, war, dass es jetzt plötzlich heißt, alle im Land müssten "den Gürtel enger schnallen" und "jeder müsse Opfer bringen". Diese unhinterfragten Platituden sollen unüberlegte Kürzungen im Sozialbereich rechtfertigen – auf Bundes- wie auf Landesebene –, die jene Menschen treffen, die sich am wenigsten wehren können.
www.derstandard.at
Die Einschnitte im Sozialbereich werden lange spürbar bleiben und Lebenswege erschweren
Ein Einkaufssamstag. Als braver Vater trotte ich vom Westbahnhof meinem Nachwuchs hinterher, die ganze Mariahilfer Straße entlang. Ziel ist ein Geschäft nahe dem Museumsquartier, weil es "genau dieses eine Leiberl" nur dort gibt. Am unteren Ende der "Mahü" bleibe ich abrupt stehen. Wo früher der Leiner stand und später René Benko sein Einkaufszentrum aus dem Boden stampfen ließ, steht nun ein Bagger auf dem Dach des Rohbaus. Der riesige, halbfertige Betonklotz wird wieder abgerissen. Ein neuer Investor hat den Bau aus der Konkursmasse gekauft und andere Pläne.
Plötzliche Wut
Vor diesem Denkmal von Größenwahn und Selbstüberschätzung steigt plötzlich Wut in mir auf. Wut auf jene, die Benko hofierten und sich beim jährlichen Törggelen um ihn drängten. "Mit tätiger Mithilfe der ÖVP" sei " zwischen den Jahren das zuständige Bezirksgericht aufgesperrt und ein leitender Beamter aus dem Urlaub zurückgeholt" worden, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.
Doch eigentlich hat meine Emotionalität an diesem Tag einen tieferen Grund. Was mich wirklich wütend macht, war, dass es jetzt plötzlich heißt, alle im Land müssten "den Gürtel enger schnallen" und "jeder müsse Opfer bringen". Diese unhinterfragten Platituden sollen unüberlegte Kürzungen im Sozialbereich rechtfertigen – auf Bundes- wie auf Landesebene –, die jene Menschen treffen, die sich am wenigsten wehren können.
Warum lässt die Politik die Menschen zurück?
Die Einschnitte im Sozialbereich werden lange spürbar bleiben und Lebenswege erschweren