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Nachrichten aus Österreich

Hitze: Regierung beseitigt Hürden für Klimaanlagen in Wohnungen
Auflagen für Mieter und Eigentümer sollen bis Herbst abgebaut werden. Auch in den Schulen sind Maßnahmen geplant.
Angesichts der Rekordhitze der vergangenen Tage und Wochen wird nun die Bundesregierung aktiv. Der Ministerrat hat beschlossen, Hitzeschutzmaßnahmen im Gebäudebereich zu vereinfachen. Bis zum Herbst soll der entsprechende Gesetzesentwurf von Wohn- und Justizministerium vorliegen.

Insbesondere in urbanen Wohngegenden würden viele Häuser nicht über Vorrichtungen verfügen, um die Auswirkungen der hohen Temperaturen für die Bewohner zu lindern, heißt es. Gemeint sind damit etwa Beschattungsvorrichtungen, Begrünungen, Außendämmung, Klimaanlagen oder andere technische Lösungen zur Vermeidung von Überhitzung.

Das Problem ist: Nach derzeitiger Rechtslage bestehen teils beträchtliche Hürden für Mieter bzw. Wohnungseigentümer, die Hitzeschutzmaßnahmen umsetzen.

Hürde für Klimaanlagen in Wohnungen abbauen
Wohnungseigentümer, die in der Wohnung eine Klimaanlage einbauen möchten, benötigen die Genehmigung aller anderen Eigentümer. Eine gerichtliche Durchsetzung ist nur in Ausnahmefällen möglich, wenn sie ein besonderes Interesse nachweisen können.

Mieter wiederum müssen neben einem besonderen Interesse nachweisen, dass die Maßnahme verkehrsüblich ist – also im Alltag bereits als Standard gilt –, damit Vermieter ihre Zustimmung nicht verweigern können.

 
Das ist kein "Ausnahmejahr", Herr Minister. Das ist die Zukunft!
Die Extreme werden weiter zulegen. Die verheerenden Folgen der Dürre und der Hitze zeigen, dass ein Weiter wie bisher längst nicht mehr funktioniert

"2026 ist ein absolutes Ausnahmejahr", erklärt Landwirtschafts- und Klimaminister Norbert Totschnig (ÖVP) in einer Aussendung zu Notfallmaßnahmen für die Landwirtschaft, die vor einer "historischen Belastungsprobe" stehe. Und es stimmt: Bedingungen wie diese sind in Österreich neu. Die Landwirtschaft kämpft mit verheerenden Folgen der Dürre, Felder vertrocknen, Betriebe erzählen bereits von Notschlachtungen, weil es nicht mehr genug Futtermittel gibt. Auch die Stromversorgung steht vor gewaltigen Herausforderungen – während in Ungarn und Rumänien Atomkraftwerke aufgrund des Niedrigwassers herunterfahren, liefert in Österreich die Wasserkraft um rund ein Drittel weniger Strom als in anderen Jahren. Längst gefährdet die Hitze sogar Menschenleben, allein im Juni starben fast 400 Menschen aufgrund der hohen Temperaturen.

Von einem "absoluten Ausnahmejahr", wie es der Minister formuliert, wird in Zukunft allerdings keine Rede mehr sein können. Ganz im Gegenteil, die Extreme werden nur weiter zulegen. Aktuell steht Österreich bei einer Erhitzung von 3,1 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Bis Ende des Jahrhunderts wird diese – beim aktuellen Stand globaler Klimaschutzmaßnahmen – auf mehr als fünf Grad ansteigen. Entsprechend werden sich auch Wetterextreme weiter deutlich zuspitzen.

Trotz alldem ist Österreich sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Anpassung noch immer viel zu langsam. Eine der effektivsten Maßnahmen gegen die Dürre wäre die Renaturierung: Intakte Ökosysteme können wie Schwämme Wasser speichern. Von einem gesünderen Umfeld würde auch die Landwirtschaft massiv profitieren – genauso wie von einer stärkeren Unterstützung für den Aufbau von Humus, für mehr Bäume und Hecken oder für vielfältigere Fruchtfolgen. Von Österreichs Plan für die Wiederherstellung der Natur, der eigentlich bis September in Brüssel abgeliefert werden muss, liegen allerdings bisher nur einige Grundrisse vor.

 
Noch heißer: Neuer Allzeit-Hitzerekord mit 41,2 Grad
Am dritten Tag in Folge ist in Österreich ein neuer Allzeit-Hitzerekord gemessen worden. In Bad Deutsch-Altenburg (Bezirk Bruck an der Leitha) stieg die Temperatur am Mittwochnachmittag laut Geosphere Austria um 15.40 Uhr auf 41,2 Grad.

In Bad Deutsch-Altenburg wurde bereits am frühen Nachmittag die 40-Grad-Marke geknackt. Der Ort übertraf im Laufe des Tages erst seinen eigenen Rekordwert aus 2013 – bis Dienstag waren die dort gemessenen 40,5 Grad Celsius der österreichische Hitze-Spitzenwert. Um 15.40 Uhr überholte der niederösterreichische Messpunkt dann auch den gestrigen Höchstwert aus Wien-Stammersdorf.

In Wien-Stammersdorf wurden – wie schon am Dienstag – 41 Grad verzeichnet. Die Wiener Station war damit die erste im Land, die an drei aufeinanderfolgenden Tagen 40 Grad registrierte.

 
Hätte ich beinahe vergessen:
28,5 Grad
Hornstein erlebte wärmste Nacht der Messgeschichte
Am Dienstag ist mit 41 Grad in Wien-Stammersdorf ein neuer Temperaturhöchstwert gemessen worden, und auch die Nacht auf Mittwoch hat neue Spitzenwerte gebracht: In Hornstein (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) sank das Thermometer nicht unter 28,5 Grad. Damit wurde die wärmste Nacht der Messgeschichte verzeichnet.

In Wien (Innere Stadt) sank die Temperatur nicht unter 27,4 Grad, in Neudorf bei Landsee (Burgenland) nicht unter 26,9 Grad, wie ein Sprecher der GeoSphere Austria bestätigte – mehr dazu in wien.ORF.at.

Auf Platz vier der höchsten Nachttemperaturen lag Retz in Niederösterreich mit 26,7 Grad, gefolgt von Wien-Jubiläumswarte (26,2 Grad), Wien-Donaufeld und der Messstation Leiser Berge (Niederösterreich) mit jeweils 26,0 Grad.

Tropennächte in sechs Landeshauptstädten
In insgesamt sechs Landeshauptstädten hatte es nachts nicht weniger als 20 Grad – damit gilt die Nacht dort als Tropennacht. Neben Wien waren das Linz und Eisenstadt (je 23 Grad), St. Pölten (22,3 Grad), Graz (20,5 Grad), Bregenz (20,3 Grad) und Klagenfurt (20,2 Grad), so die GeoSphere Austria weiter.

 
Länger arbeiten? Dann schafft die Voraussetzungen
Der Vorschlag des Tiroler Landeschefs verkennt die Realität. Statt der Beschäftigten müssen Betriebe in die Pflicht genommen werden

Der Tiroler Landeschef Anton Mattle (ÖVP) ließ Anfang der Woche mit einem Vorstoß aufhorchen: 45 Jahre sollen Menschen laut seinem Modell künftig bis zur Pension arbeiten – und die soll frühestens mit 65 angetreten werden.

Keine Frage: Es ist wichtig, über ein Pensionssystem zu sprechen, das unter immer mehr Druck steht. Doch Mattles Forderung zielt an der Realität vorbei. Das zeigt der Blick auf den Status quo: 45 Versicherungsjahre erreicht laut Wifo derzeit deutlich weniger als die Hälfte der Beschäftigten.

Reicher Erfahrungsschatz
Die Forderung hätte auch Härten, weil viele Betriebe Ältere lieber loswerden wollen, als ihnen das Bleiben schmackhaft zu machen. Und wer mit 55 seinen Job verliert, findet in vielen Branchen kaum noch einen Job. Ein reicher Erfahrungsschatz? Er ist am Arbeitsmarkt aktuell offenbar nicht viel wert.

Eine starre Vorgabe von 45 Arbeitsjahren ist zudem schlicht nicht mehr zeitgemäß. Die wenigsten Menschen bleiben jahrzehntelang in einem Betrieb. Lücken – Phasen der Arbeitslosigkeit, Umschulungen, Neuorientierungen – gehören heute zu Erwerbsbiografien. Dazu kommen Pflege und Betreuung Angehöriger, die Mattle aber berücksichtigen will.

 
Zu wenige Kinder können schwimmen, das muss sich ändern
Laut einer Studie können 137.000 Kinder und Jugendliche in Österreich nicht schwimmen. Höchste Zeit, gemeinschaftlich gegenzusteuern

Eins mal eins ergibt eins. Zwei mal zwei ist vier. Das mathematische Einmaleins, das Multiplizieren kleinerer Zahlen, gehört zu den grundlegenden Dingen, die man im Kindesalter lernen sollte. Da sind sich alle einig. Genau dieses Selbstverständnis braucht es auch beim sportlichen Einmaleins, dem Schwimmen.

Zahlen dazu sind erschreckend: Laut einer Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit aus dem Jahr 2025 können rund 630.000 Menschen in Österreich nicht schwimmen, darunter 137.000 Kinder und Jugendliche. Weitere 76.000 Kinder gelten als unsichere Schwimmer. Allein zehn Prozent der Fünf- bis 19-Jährigen verfügen gar über keinerlei Schwimmkenntnisse. Begründet wird dies unter anderem mit ausgefallenen Schwimmkursen während der Corona-Pandemie und mangelnder Infrastruktur.

Es ist höchste Zeit, hier gemeinschaftlich gegenzusteuern. Und das wird wohl auch die eine oder andere Investition benötigen. Laut einer Analyse des Schwimmverbands gibt es etwa zu wenig Hallenbäder, die einen ganzjährigen Schwimmunterricht ermöglichen würden. Natürlich: Hallenbäder kosten viel Geld, sowohl der Bau als auch die Erhaltung. Dass sich Gemeinden hier bereits zusammentun, um gemeinsam die finanzielle Last zu stemmen, kann ein Zukunftsmodell sein. Denn es ist eine Investition für das Gemeinwohl. Und vor allem eine Investition, die Leben retten kann: Bei Kindern ist Ertrinken nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Unfalltodesursache. (Andreas Gstaltmeyr, 5.8.2026)

 
Hohe Einbußen bei Getreideernte
Die extreme Trockenheit und anhaltende Hitze haben den Getreideanbau heuer stark belastet. Mit rund 2,5 Mio. Tonnen liege die Getreideproduktion ohne Mais um 19 Prozent unter dem guten Vorjahreswert und um 14,4 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt, teilte die Agrarmarkt Austria (AMA) am Mittwoch mit. Auch für Mais wird eine unterdurchschnittliche Ernte erwartet. Vereinzelt war es in Österreich noch nie so trocken wie heuer.

In manchen Gegenden hätte der Ertragsrückgang bei Weizen bis zu 50 Prozent betragen, sagte AMA-Chef Günter Griesmayr am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Trotz der geringeren Getreideernte würden „ausreichend Mengen für die Herstellung von Brot, Mehl und Backwaren zur Verfügung“ stehen. „Besonders erfreulich ist die hohe Qualität des geernteten Brotgetreides“, so Griesmayr.

 
Hitze zwingt zu frühzeitigem Almabtrieb
Die anhaltende Hitze hat nun auch Auswirkungen auf die Almwirtschaft in Niederösterreich. So früh wie noch nie holen die heimischen Bauern ihre Rinder von der Alm, weil das Futter knapp wird. Dadurch verschärft sich auch die Situation auf den Bauernhöfen.

Normalerweise stehen im August auf der Kleinzeller Hinteralm (Bezirk Lilienfeld) etwa 150 Tiere von 24 Bauern aus der Region. Jetzt sind es nur mehr 90. In den vergangenen Tagen brachten die Bauern laufend Tiere zurück ins Tal. Die Tiere finden immer weniger saftiges Gras zum Fressen, das Futter wird knapp.

„In den Bergen gibt es normalerweise immer wieder Gewitter, das hat uns schon oft über trockene Phasen gerettet“, sagt Josef Mayerhofer, Obmann der Niederösterreichischen Alm-und Weidewirtschaft. Aber selbst kleine Gewitter bleiben heuer aus.

 
120 Euro zum Schulstart: So werden Familien unterstützt
Das Burgenland unterstützt Familien auch 2026 mit 120 Euro Schulstartgeld für Kinder in der ersten Schulstufe.
Mit dem Beginn des neuen Schuljahres am 7. September startet im Burgenland erneut die Auszahlung des Schulstartgeldes. Familien können für Kinder, die erstmals eine erste Schulstufe besuchen, eine Förderung in Höhe von 120 Euro beantragen.

Das Angebot richtet sich an Kinder, die in eine erste Klasse Volksschule, Sonderschule oder in die Vorschulstufe eintreten. Voraussetzung ist, dass sowohl das Kind als auch die Erziehungsberechtigten ihren gemeinsamen Hauptwohnsitz im Burgenland haben und Anspruch auf Familienbeihilfe besteht.

Für rund 2.850 Taferlklassler beginnt im September ein neuer Lebensabschnitt. Gleichzeitig stehen Familien vor Ausgaben für die Erstausstattung – von der Schultasche bis zu Unterrichtsmaterialien.

 
Neue Ermittlungen: „Kinder nach Österreich gebracht und sexuell missbraucht“
Staatsanwaltschaften Innsbruck und Klagenfurt ermitteln nach Prüfung eines 991-seitigen internen Berichts, der jahrelang unter Verschluss war.
Kinder, die in einem SOS-Kinderdorf im Ausland sexuell missbraucht und mit einem Job in Österreich „entschädigt“ wurden, nur um hier wieder Gewalt zu erfahren.

Dieser Vorwurf zählt zu einem der schwersten, der in einem Bericht der „Independent Special Commission“ (ISC) dokumentiert ist.

Die ISC hat sich 2021 auf Initiative einzelner Ländervereine mit Missständen in SOS-Kinderdörfern beschäftigt, veröffentlicht wurde aber nur eine stark eingekürzte Version. Die 991-seitige Langfassung hielt der Dachverband unter Verschluss. Auch, als nach Publikwerden von Missbrauchsfällen durch den Falter im Herbst 2025 „volle Aufklärung und Transparenz“ eingefordert – und vom Vorstand auch versprochen wurde.

Erst als der KURIER im November 2025 über die Existenz der Langversion des ISC-Berichts berichtete, hat der Aufsichtsrat des Dachverbands ihn freigegeben und den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis sind neue Verfahren in Innsbruck und Klagenfurt.

 
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