Es gilt das Gesetz, nicht der Koran: Die Schule braucht eine säkulare Feuermauer
Wenn 41 Prozent der jungen Muslime sagen, für sie stehen die Vorschriften ihrer Religion über den Gesetzen in Österreich, dann ist es höchste Zeit, gegenzusteuern
Es ist eine jener Studien, die man nicht mit den üblichen Reflexen wegmoderieren kann. Zu eindeutig sind die Zahlen, zu ernst die Befunde. Wenn laut der Wiener Studie zu Jugend und Integration 41 Prozent der muslimischen Jugendlichen erklären, die Vorschriften ihrer Religion stehen für sie über den Gesetzen Österreichs, dann geht es nicht mehr um Integration im folkloristischen Sinn. Dann geht es um die Grundlagen der liberalen Demokratie.
In dieser wird das Zusammenleben nicht durch göttliche Wahrheiten geregelt, sondern durch gemeinsame, veränderbare, demokratisch beschlossene Regeln. Die Studie ist deshalb alarmierend, weil sie zeigt, wie leicht autoritäre Denkmuster dort Fuß fassen können, wo religiöse Identität über demokratische Zugehörigkeit gestellt wird.
Fundamentalismus in jeder Form
Es geht um den Islam, ja, aber nicht nur. Denn die Herausforderung ist grundsätzlicher: die schleichende Rückkehr religiöser Absolutheitsansprüche in eine offene Gesellschaft und in Räume, die liberale Demokratien bewusst säkular organisiert haben – Schule, Gesetz, Öffentlichkeit, Zusammenleben. Dasselbe würde für jede andere Form von religiösem oder ideologischem Fundamentalismus auch gelten, der für sich beansprucht, über dem weltlichen Recht zu stehen, und die Grundübereinkunft in dieser Republik nicht akzeptiert.
Wenn 41 Prozent der jungen Muslime sagen, für sie stehen die Vorschriften ihrer Religion über den Gesetzen in Österreich, dann ist es höchste Zeit, gegenzusteuern
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