tagesschau.de: War Merz dann schlecht beraten, einen echten Politikwechsel zu versprechen, den er nicht schaffen kann?
Jun: Merz hat viel versprochen, was er in dem Maße nicht mit der SPD als Koalitionspartner halten kann. Dazu hätte er einen vollständigen Regierungswechsel mit einem anderen Koalitionspartner und ähnlichen politischen Ansichten benötigt. Hier haben wir doch zwei unterschiedliche Parteien, die aus verschiedenen politischen Richtungen kommen und nun versuchen müssen, einen gemeinsamen Weg zu finden.
tagesschau.de: Ökonomen hierzulande sagen, dass Schwarz-Rot jetzt eine sehr grundsätzliche Struktur- und Staatsreform schaffen müsste. Ist das realistisch?
Jun: Die Ampelkoalition ist bereits als Fortschrittskoalition mit dem Anspruch angetreten, diesen Reformstau aufzulösen. Nur haben darunter auf der einen Seite Grüne und SPD mit der FDP auf der anderen Seite jeweils etwas anderes verstanden. Das sehen wir jetzt auch wieder: Es gibt nur partielle Gemeinsamkeiten. Es wird sehr schwierig, einen gemeinsamen Entwurf so zu formulieren, mit dem am Ende alle gut leben können - und dass es der große Wurf ist, den sich viele erhoffen. Das ist fast eine Herkulesaufgabe.