Aktuelles

Nachrichten aus Frankreich

Musk bleibt fern, Paris ermittelt weiter – Konflikt zwischen X und Europa eskaliert!
Elon Musk ist nicht erschienen. Die Staatsanwaltschaft in Paris hatte ihn geladen, doch der Termin am Montagmorgen verstrich ohne ihn. Für die Ermittler ändert das nichts. Die Untersuchung gegen ihn und seine Plattform X läuft weiter. Der Fall reicht weit zurück. Bereits im Februar hatten französische Behörden die Büros von X in Paris durchsucht. Grundlage ist ein Verfahren, das seit Anfang 2025 geführt wird. Im Raum stehen mehrere Vorwürfe, darunter die Verbreitung von Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder, Inhalte, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnen, sowie der unrechtmäßige Umgang mit Daten.

Die Einladung zu dem Termin war Teil des üblichen Verfahrens. Beschuldigte erhalten dabei die Möglichkeit, ihre Sicht darzulegen und Maßnahmen zu erklären. Musk hat das abgelehnt. Stattdessen spricht er von einem politischen Angriff. Eine direkte rechtliche Konsequenz für sein Fernbleiben gibt es bisher nicht. Im Hintergrund steht mehr als nur ein einzelnes Verfahren. Frankreich und andere europäische Staaten ziehen die Verantwortung von Plattformen enger. Der Umgang mit Inhalten, die Rolle von Algorithmen und der Einsatz von künstlicher Intelligenz stehen im Fokus. Auch der Chatbot Grok geriet in die Kritik, nachdem ihm die Verbreitung von Holocaustleugnung und manipulierten Bildern vorgeworfen wurde.

X weist alle Vorwürfe zurück. Man habe nichts Unrechtes getan, die Ermittlungen verzerrten das Recht und gefährdeten die Meinungsfreiheit. Gleichzeitig hat das Unternehmen einzelne Funktionen eingeschränkt, etwa bei der Bildgenerierung.Der Konflikt geht über Frankreich hinaus. Die Europäische Union hat mit dem Digital Services Act neue Regeln geschaffen und bereits Strafen verhängt. X musste eine hohe Geldbuße zahlen. Weitere Verfahren laufen. In den USA wird das anders gesehen. Die Regierung unter Donald Trump stellt sich gegen europäische Vorgaben und bezeichnet sie als Angriff auf amerikanische Unternehmen. Europa spricht von Schutz der Nutzer. Washington von Zensur.

Der Streit verläuft damit nicht nur zwischen einem Unternehmen und einer Staatsanwaltschaft. Er verläuft zwischen zwei Systemen, die unterschiedlich entscheiden, wo Verantwortung beginnt und wo sie endet.
 
Der lange Schatten von Istanbul – Warum der Fall Khashoggi plötzlich wieder vor Gericht landet
Fast acht Jahre nach der Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi bewegt sich der Fall erneut. In Frankreich wurde nun ein gerichtliches Ermittlungsverfahren gegen Kronprinz Mohammed bin Salman eingeleitet. Vorausgegangen waren jahrelange Recherchen, die internationale Zusammenarbeit einer investigativen Journalistengemeinschaft, zu der auch wir gehören, die Weitergabe von Erkenntnissen sowie der Druck von Menschenrechtsorganisationen und juristischen Initiativen über mehrere Länder hinweg. Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft bestätigte inzwischen Ermittlungen wegen Vorwürfen der Folter und des gewaltsamen Verschwindenlassens.

Ausgangspunkt war eine Entscheidung des Berufungsgerichts in Paris vom 11. Mai. Das Gericht erklärte Beschwerden von Reporter ohne Grenzen und TRIAL International für zulässig. Der Schritt gilt als neuer Versuch, Verantwortung in einem Fall zu klären, der international zwar einen politischen Schock auslöste, juristisch jedoch bislang erstaunlich wenige Folgen hatte.

Jamal Khashoggi wurde am 2. Oktober 2018 im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul getötet. Der Journalist und Kolumnist der Washington Post hatte das Gebäude betreten, um Unterlagen für seine geplante Hochzeit mit Hatice Cengiz abzuholen. Er verließ das Gebäude nie wieder. Zunächst erklärte Saudi-Arabien, Khashoggi habe das Konsulat lebend verlassen. Später sprach Riad von einer Auseinandersetzung, danach von einer vorsätzlichen Tötung.

 
Razzia bei Nestle-Tochter Perrier in Frankreich
Medien hatten berichtet, dass die Wassermarke unerlaubte Wasseraufbereitungsverfahren eingesetzt habe. Das Wasser könnte nicht mehr als natürliches Mineralwasser bezeichnet werden

Paris – Französische Ermittler haben eine Abfüllanlage der Wassermarke Perrier und ein Labor des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestle durchsucht. Nestle bestätigte die Razzien. Eine Sprecherin betonte: "Wir kooperieren weiterhin in vollem Umfang mit den zuständigen Behörden." Die Antibetrugsbehörde lehnte eine Stellungnahme ab. Die Pariser Staatsanwaltschaft war zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen.

Den Razzien gingen einem Bericht von Radio France zufolge Ermittlungen voraus, die nach einer Anzeige einer Verbrauchergruppe wegen "Täuschung" bei der Pariser Staatsanwaltschaft eingeleitet worden waren. Perrier steht seit Monaten unter Beobachtung, seit französische Medien 2024 berichtet hatten, dass die Marke unerlaubte Wasseraufbereitungsverfahren zur Verhinderung von Verunreinigungen eingesetzt habe. Dadurch sei das Wasser nicht mehr als natürliches Mineralwasser zu bezeichnen gewesen. Ein französisches Gericht hatte Ende 2025 eine von einer anderen Verbrauchergruppe gegen Perrier angestrengte Klage abgewiesen. (Reuters, red, 20.5.2026)


 
Ermittler im Élysée – Durchsuchung wegen Korruptionsverdacht erreicht Frankreichs Machtzentrum
Die Adresse gehört zu den bekanntesten Orten Frankreichs. Im Élysée-Palast in Paris, dem Amtssitz des französischen Präsidenten, haben Ermittler nun eine Durchsuchung im Zusammenhang mit einem Korruptionsverfahren durchgeführt. Im Mittelpunkt stehen mehrere Verträge mit der Veranstaltungsfirma Shortcut Events, die über Jahre große staatliche Zeremonien organisierte. Präsident Emmanuel Macron selbst ist nach den bisherigen Informationen nicht Gegenstand der Ermittlungen. Dennoch zeigt der Vorgang, wie weit sich die Untersuchung inzwischen ausgedehnt hat. Bereits am 14. April hatten Ermittler versucht, Zugang zur Präsidentenresidenz zu erhalten. Damals verhinderte die Präsidialverwaltung den Schritt mit Verweis auf Artikel 67 der französischen Verfassung, der bestimmte Bereiche rund um das Präsidentenamt schützt. Nun erhielt die Nationale Finanzstaatsanwaltschaft jedoch doch die Möglichkeit, die Durchsuchung durchzuführen.

Ausgelöst wurde das Verfahren durch Berichte französischer Medien. Im Fokus steht die Frage, wie Shortcut Events über viele Jahre öffentliche Aufträge erhielt. Das Unternehmen organisierte nach den veröffentlichten Informationen über mehr als zwei Jahrzehnte sämtliche Zeremonien im Panthéon, der nationalen Ruhestätte bedeutender Persönlichkeiten Frankreichs. Auch Veranstaltungen rund um den 80. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie am Omaha-Strand im Jahr 2024 gehörten dazu. Die Ermittler prüfen nun, ob die Aufträge auf rechtmäßigem Weg vergeben wurden oder ob unzulässige Vorteile eine Rolle spielten. Nicht nur im Élysée liefen Maßnahmen. Auch die Geschäftsräume von Shortcut Events sowie das Zentrum nationaler Denkmäler, das als Auftraggeber auftrat, wurden durchsucht. Damit hat die Untersuchung inzwischen Bereiche erreicht, die weit über eine einzelne Firma hinausreichen.

Sie haben keine Berechtigung Anhänge anzusehen. Anhänge sind ausgeblendet.
 

Anhänge

    Sie haben keine Berechtigung Anhänge anzusehen. Anhänge sind ausgeblendet.
Über 100 Fälle
Missbrauch an Schulen schockiert Frankreich
Schläge, Nahrungsentzug, sexuelle Gewalt: Die französische Hauptstadt wird von einem riesigen Missbrauchsskandal an Bildungseinrichtungen kleiner Kinder erschüttert. Inzwischen wird zu Vorwürfen an über 100 Kindertagesstätten und Volksschulen ermittelt. Elterngruppen sind empört, sie sagten am Montag, sie mussten jahrelang kämpfen, um ernst genommen zu werden.

Seit Monaten schon wird Paris von Berichten über Gewalt und Missbrauch in städtischen Kindertagesstätten aufgewühlt. Die Vorwürfe richten sich nicht gegen Lehrerinnen und Lehrer, sondern Aufsichtskräfte. Und es sei, so mehrere Elterninitiativen, den Vorwürfen oftmals nicht konsequent nachgegangen worden.

Gegen 84 Kindergärten, rund 20 Volksschulen und zehn Kinderhorte wurden bereits Ermittlungen aufgenommen. Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft sind alle Pariser Arrondissements betroffen. Seit Jahresbeginn wurden 78 Schülerbetreuer suspendiert, 31 davon wegen des Verdachts sexueller Gewalt.

Schon im Vorjahr wurden 30 Betreuer suspendiert, 16 davon wegen des Verdachts sexueller Gewalt. Vorige Woche gab es weitere 16 Verhaftungen, alle in Zusammenhang mit einem öffentlichen Kindergarten im Pariser Stadtzentrum, wie „Le Monde“ berichtete.

 
Neun Zähne und eine alte Annahme weniger – Was Neandertaler aus einer französischen Höhle plötzlich erzählen
250.000 Jahre sind vergangen, seit Menschen die Höhle Peyr im französischen Rhônetal nutzten. Zurück blieben nur wenige Spuren einer Zeit, über die Wissenschaftler bis heute erstaunlich wenig wissen. Umso größer ist nun die Aufmerksamkeit für neun Zähne, die ausgerechnet dort ein Bild verändern könnten, das lange als selbstverständlich galt. Forscher untersuchten die Funde mit mehreren Verfahren gleichzeitig und kamen zu einem Ergebnis, das überrascht. Neandertaler dieser Zeit waren offenbar deutlich unterschiedlicher, als bisher angenommen wurde.

Besonders auffällig wurde dabei ein Unterschied innerhalb derselben Sammlung. Die Zähne aus tieferen Schichten zeigten weniger typische Neandertalermerkmale als jene aus höheren Schichten. Das deutet darauf hin, dass sich innerhalb der Gruppe über längere Zeit Veränderungen entwickelten oder andere Gruppen zeitweise hinzukamen. Als mögliche Erklärung nennen die Forscher klimatische Veränderungen. Während kälterer Phasen könnten Populationen aus anderen Regionen nach Süden gewandert sein und in der Höhle Schutz gesucht haben. Peyr könnte damit mehr gewesen sein als nur ein Aufenthaltsort. Die Höhle könnte ein Rückzugsgebiet gewesen sein, in dem unterschiedliche Gruppen zusammentrafen. Die Entwicklung der Neandertaler erscheint dadurch weniger geradlinig als lange angenommen. Statt einer einfachen Linie entsteht plötzlich ein deutlich lebendigeres Bild Europas vor Hunderttausenden Jahren.

Sie haben keine Berechtigung Anhänge anzusehen. Anhänge sind ausgeblendet.
 

Anhänge

    Sie haben keine Berechtigung Anhänge anzusehen. Anhänge sind ausgeblendet.
Jugendliche töten in Frankreich Buben nach Streit beim Angeln
Nach der Tötung eines elfjährigen Buben im westfranzösischen Rennes haben zwei tatverdächtige Jugendliche nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Tat gestanden.

Ein 16-Jähriger und eine 15-Jährige hätten erklärt, sie hätten sich „rächen“ und Angelzubehör zurückhaben wollen, sagte Staatsanwalt Frederic Teillet gestern.

Mordanklage möglich
Nach Angaben des Staatsanwalts erklärten die Jugendlichen, der Bub mit Namen Theo habe ihnen Angelköder weggenommen. Er selbst hatte seinen Eltern gesagt, der 16-Jährige habe ihm diese Köder geschenkt. Nach Angaben Teillets kommt eine Anklage wegen „Mordes an einem Minderjährigen“ in Betracht.

 
Die Staatsanwaltschaft Rennes ermittelt wegen vorsätzlicher Tötung eines Minderjährigen.
Zwei Jugendliche (16 und 15) haben die Tat gestanden und als Motiv Rache wegen eines Streits um Angelzubehör angegeben.
Damit steht juristisch ein vorsätzliches Tötungsdelikt im Raum; aufgrund des Alters des Opfers (11 Jahre) kommt die Qualifikation „Mord an einem Minderjährigen unter 15 Jahren“ in Betracht.
Ein Hassverbrechen liegt nach aktuellem Ermittlungsstand nicht vor, da keinerlei gruppenbezogene oder ideologische Motive erkennbar sind.
Da die Täter minderjährig sind, greift das französische Jugendstrafrecht, das bei schweren Delikten jedoch Strafen bis zu 20 bzw. 30 Jahren zulässt (insbesondere für den 16‑Jährigen).
Die Ermittlungen laufen weiter, aber die bisherige Faktenlage spricht für eine Eskalation eines persönlichen Konflikts, nicht für ein politisches oder ideologisch motiviertes Delikt.
 
Norwegen rückt unter Frankreichs nuklearen Schutzschirm
Norwegen schlüpft unter den atomaren Schutzschirm Frankreichs. Ministerpräsident Jonas Gahr Störe unterzeichnete mit Präsident Emmanuel Macron gestern in Paris ein entsprechendes Verteidigungsabkommen.

Bisher sind die NATO-Länder Europas unter dem atomaren Schutzschirm der Supermacht USA. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump gibt es aber Zweifel, ob Washington die Europäer etwa in einem Konflikt mit Russland wirklich schützen würde. Norwegen ist nach Polen und Litauen, die ebenfalls an Russland grenzen, das jüngste Land, das Frankreichs Schutz in Anspruch nehmen will.

Schritt wegen sicherheitspolitischer Lage
Störe sagte der norwegischen Nachrichtenagentur NTB, der Schritt erfolge angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa. Dazu gehörten die starke Aufrüstung Russlands, auch im nuklearen Bereich, sowie der Umstand, dass Moskau einen umfassenden Krieg gegen ein anderes europäisches Land führe. In Friedenszeiten würden jedoch keine Atomwaffen in Norwegen stationiert, fügte er hinzu.

Norwegen schlüpft unter den atomaren Schutzschirm Frankreichs. Ministerpräsident Jonas Gahr Störe unterzeichnete mit Präsident Emmanuel Macron gestern in Paris ein entsprechendes Verteidigungsabkommen.

Bisher sind die NATO-Länder Europas unter dem atomaren Schutzschirm der Supermacht USA. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump gibt es aber Zweifel, ob Washington die Europäer etwa in einem Konflikt mit Russland wirklich schützen würde. Norwegen ist nach Polen und Litauen, die ebenfalls an Russland grenzen, das jüngste Land, das Frankreichs Schutz in Anspruch nehmen will.

Schritt wegen sicherheitspolitischer Lage
Störe sagte der norwegischen Nachrichtenagentur NTB, der Schritt erfolge angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa. Dazu gehörten die starke Aufrüstung Russlands, auch im nuklearen Bereich, sowie der Umstand, dass Moskau einen umfassenden Krieg gegen ein anderes europäisches Land führe. In Friedenszeiten würden jedoch keine Atomwaffen in Norwegen stationiert, fügte er hinzu.

Die Entscheidung ist bemerkenswert, da das NATO-Mitglied Norwegen sicherheitspolitisch traditionell eng an die USA gebunden ist. Das Land mit 5,6 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen gehört nicht der EU an und teilt in der Arktis eine Grenze mit Russland.

Frankreich hatte im März angeboten, seinen Schutzschirm auf andere europäische Länder auszuweiten. Ein Angriff auf Norwegen könnte damit künftig einen französischen atomaren Gegenschlag auslösen.



 
Nach 341 Jahren
Frankreich hebt Sklavereigesetz formell auf
341 Jahre nach Einführung der Sklavereigesetze in Frankreich werden diese am Donnerstag von der Nationalversammlung nun auch formell völlig aufgehoben. Die Abstimmung über das Ende des Code Noir ist vor allem ein symbolischer Akt – und der Versuch des Landes, sich stärker und offener der blutigen Kolonialgeschichte zu stellen. Erstmals schließt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auch Reparationen nicht mehr aus.

Der Gesetzesvorstoß für die endgültige Aufhebung passierte vergangene Woche einstimmig den zuständigen Ausschuss, und Präsident Emmanuel Macron begrüßte den bevorstehenden Beschluss in der Nationalversammlung bereits vorab. Er zeigte sich – anders als das offiziele Frankreich bisher – laut „Le Monde“ auch offen für die Frage von Reparationen. Macron warnte aber zugleich vor überzogenen Hoffnungen und „falschen Versprechen“.

 
Zurück
Oben