Nach Orbáns Niederlage flieht Polens Ex-Justizminister in die USA
Der frühere polnische Justizminister Zbigniew Ziobro hat Ungarn offenbar verlassen und ist in die Vereinigten Staaten gereist. Das bestätigte Polens Justizminister Waldemar Żurek im polnischen Fernsehen. Nach seinen Angaben sei Ziobro bereits in den USA gelandet. Noch unklar sei allerdings, ob die Vereinigten Staaten sein endgültiges Ziel seien oder lediglich eine Zwischenstation. Die Entwicklung sorgt in Polen für erhebliche politische Spannungen. Ziobro hatte 2025 politisches Asyl in Ungarn erhalten und sich dort dem Zugriff der polnischen Justiz entzogen. Hintergrund sind schwere Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Minister. Die Ermittler werfen ihm unter anderem die Führung einer kriminellen Vereinigung sowie den Missbrauch staatlicher Gelder vor.
Im Zentrum der Vorwürfe steht dabei auch die israelische Spionagesoftware Pegasus. Nach Darstellung der polnischen Ermittler sollen mit dem Programm politische Gegner sowie Angehörige überwacht worden sein. Ziobro weist sämtliche Vorwürfe zurück und spricht von politischer Verfolgung. Besonders brisant sind nun Berichte über seine Einreise in die USA. Recherchen ergaben, dass Ziobro und seine Ehefrau amerikanische Visa erhalten haben. Die Entscheidung soll angeblich direkt von Donald Trump persönlich unterstützt worden sein. Weiteren Informationen nach zufolge hätten Außenminister Marco Rubio und der amerikanische Botschafter in Polen, Tom Rose, Vorbehalte gehabt. Vertreter der polnischen PiS-Partei hätten die Entscheidung jedoch über Kontakte ins Trump-Umfeld und in das MAGA-Lager durchgesetzt.
Polens Regierung prüft inzwischen weitere Schritte. Für Montag wurde im Justizministerium ein Treffen zur möglichen Auslieferung Ziobros angekündigt. Die polnischen Behörden hatten zuvor bereits beide polnischen Pässe des ehemaligen Ministers annulliert, darunter auch seinen Diplomatenpass. Nach Angaben von Żurek könnte Ziobro deshalb mit einem Flüchtlingsdokument ausgereist sein. Die Lage ist auch deshalb kompliziert, weil gegen Ziobro bislang kein europäischer Haftbefehl vorliegt. Anders sieht es bei seinem früheren Stellvertreter Marcin Romanowski aus, der weiterhin in Ungarn bleiben soll. Gegen ihn existiert bereits ein europäischer Haftbefehl.
Der Fall zeigt erneut, wie eng sich Teile der internationalen rechten Netzwerke inzwischen gegenseitig absichern. Nach Orbáns Wahlniederlage verliert Ungarn offenbar an Bedeutung als politischer Schutzraum für umstrittene Verbündete der europäischen Rechten. Gleichzeitig deutet der mögliche Wechsel in die USA darauf hin, dass sich das Umfeld um Trump zunehmend als neuer internationaler Rückzugsort für politische Verbündete positioniert, die in ihren Heimatländern unter Druck geraten sind.
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