Péter Magyar startet die Trendumkehr in Ungarns Außenpolitik
Am Donnerstag ist der neue ungarische Regierungschef zu Gast in Wien. Es ist erst sein zweiter bilateraler Besuch – und Zeichen einer Fokussierung auf Mitteleuropa
Aus Polen kommend, wird am Donnerstag Ungarns neuer Regierungschef Péter Magyar zu Gesprächen mit Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) in Wien erwartet. Der Senkrechtstarter der ungarischen Politik will sein Land nach der 16-jährigen Herrschaft des Rechtspopulisten Viktor Orbán wieder demokratisieren und in die Bahnen europäischer Normalität lenken.
Magyar hatte mit seiner bürgerlich-zivilgesellschaftlichen Tisza-Partei die Parlamentswahl am 12. April fulminant gewonnen. In der neuen Volksvertretung hat die Fraktion der Tisza mit 141 von 199 Abgeordneten eine komfortable Zweidrittelmehrheit, die sie zu Verfassungsänderungen ermächtigt. Dass Orbán ständig an dem Wahlrecht herumdokterte, um die relativ stärkste Kraft überproportional zu bevorteilen, erwies sich für ihn als Bumerang.
Österreich ist die zweite Station von Magyars erster Auslandsreise als Regierungschef – zwölf Tage, nachdem er dieses Amt angetreten hat. Die Ziele sind bewusst gewählt. Unter der übergeordneten Agenda, Ungarn wieder in den europäischen Mainstream zu führen, spielt bei Magyar ein weiteres Ansinnen eine zentrale Rolle: die Stärkung der mitteleuropäischen Achse in der EU.
Erweiterung von Visegrád?
Eigentlich gibt es da schon seit Anfang der 1990er-Jahre die Visegrád-Vier (V4), bestehend aus Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei. Vor allem Orbáns russlandfreundliche Politik und seine Feindschaft zum bürgerlichen polnischen Premier Donald Tusk ließen die V4 zunehmend in Irrelevanz versinken. Magyar will dieses Format nun wiederbeleben – und ausweiten, wie er am Mittwoch in Warschau betonte. Dabei zähle er insbesondere auf Österreich, aber auch Länder wie Slowenien, Kroatien oder Rumänien könnten Anschluss finden.
Am Donnerstag ist der neue ungarische Regierungschef zu Gast in Wien. Es ist erst sein zweiter bilateraler Besuch – und Zeichen einer Fokussierung auf Mitteleuropa
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