Man kann die Ereignisse in L.A. auch aus 2 Richtungen betrachten: Entweder Trump will eine Situation provozieren, die ihm einen Grund bietet, das Militär in Zukunft landesweit gegen Andersdenkende einsetzen zu können.
Das ist eine politische Interpretation, die im Kern eine autoritäre Strategie unterstellt. Autoritäre Führer nutzen mitunter Krisen oder konstruierte Bedrohungen, um Machtbefugnisse auszuweiten. In der Vergangenheit wurde Trump wiederholt vorgeworfen, sich über institutionelle Grenzen hinwegzusetzen und mit dem Gedanken zu spielen, militärische oder polizeiliche Gewalt für politische Zwecke einzusetzen.
Oder er will verhindern, dass seine Politik der Ausweisung von Immigranten ohne Aufenthaltserlaubnis durch Proteste umgangen werden kann. Und er damit als schwacher Präsident dasteht.
Es wurden aber auch Personen mit gültiger Aufenthaltserlaubnis verhaftet und abgeschoben, also rechtswidrig. In einigen dokumentierten Fällen wurden Personen, die sich legal im Land aufhielten (z. B. mit DACA-Status oder mit gültigen Aufenthaltsgenehmigungen), kurzfristig festgenommen oder in Abschiebeverfahren verwickelt. In manchen Fällen wurden Verfahren fehlerhaft oder hastig durchgeführt, was zu rechtlichen Problemen oder späteren Rücknahmen führte.
Eine Demokratie muss mit Protesten umgehen können. Der Versuch, rechtlich durchsetzbare Abschiebungen mit Gewalt durchzusetzen, wenn es zivilgesellschaftlichen Widerstand gibt, ist ein Balanceakt zwischen Rechtsstaatlichkeit und Repression.
Die brachialen Bilder der Nationalgarde in L.A. täuschen nicht darüber hinweg, dass es keine juristische Rechtfertigung dafür gibt, dass man aus L.A. nicht abschieben kann, nur weil es dort Gegenwehr gibt. Wenn die Ausweisung rechtens ist, dann muss sie auch überall gelten.
Die Gegenwehr kam vor allem weil es eben keine juristische Rechtfertigung für eine Abschiebung gab.
In den den wenigsten Ländern der Welt würde man dulden, dass sich bestimmte Orte im Land staatlichen Anordnungen einfach widersetzen können.
Das stimmt im Prinzip – die zentrale Autorität eines Staates sollte für die Umsetzung bundesweiter Gesetze sorgen können. Aber:
Die USA sind ein föderales System mit teils erheblichen Rechten auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen. Dieses System macht es möglich – wenn auch politisch und juristisch umstritten –, dass Städte wie L.A. sogenannte Sanctuary Cities sind und bei bestimmten Bundesmaßnahmen auf Distanz gehen. Es handelt sich also nicht nur um Willkür, sondern oft um rechtlich abgestützte Autonomie.
Ob Trump das Recht hat, in diesem Fall die Nationalgarde ohne Zustimmung des Gouverneurs einzusetzen, ist eine andere Frage. Das müssen Gerichte klären. Die Klage ist ja bereits eingereicht.
Genau. In der Regel steht die Nationalgarde unter dem Befehl des Gouverneurs des jeweiligen Bundesstaates. Der Präsident kann sie nur unter bestimmten Umständen „föderalisieren“, d. h. unter Bundeskommando stellen, etwa gemäß dem Insurrection Act von 1807.
Diese Schwelle ist allerdings sehr hoch – der Einsatz muss notwendig sein, um „Aufstände“ oder massive Störungen der öffentlichen Ordnung zu bekämpfen. Inwiefern diese Kriterien im vorliegenden Fall erfüllt sind, wäre tatsächlich gerichtlich zu klären. Dass bereits Klage erhoben wurde, zeigt, wie strittig dieses Vorgehen ist.