Trumps blaues Denkmal-Debakel: 14,7 Millionen Dollar, 85 Schäden und unschuldige Menschen vor Gericht
Donald Trump wollte das Wasserbecken vor dem Lincoln-Denkmal in Washington verschönern. „Amerikanisches Flaggenblau“ sollte den Boden künftig schmücken, rechtzeitig zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten. Für 14,7 Millionen Dollar erhielt die Firma Atlantic Industrial Coatings den Auftrag, ohne öffentliche Ausschreibung. Die Regierung begründete das damit, dass nur wenige Unternehmen für solche Arbeiten geeignet seien. Was anschließend entstand, war eine kostspielige Ansammlung handwerklicher Fehler. Ein bislang unveröffentlichter Untersuchungsbericht vom 6. August dokumentiert mindestens 85 beschädigte Stellen in der neuen Beschichtung. Aufgeplatzte Flächen, abblätterndes Material und Risse. Trump hatte die Schäden wiederholt angeblichen Vandalen angelastet. Der 75 Seiten umfassende Bericht des von der Baufirma selbst beauftragten Prüfdienstes zeichnet ein erheblich unangenehmeres Bild.
Die Arbeiten begannen Ende April unter erheblichem Zeitdruck. Bereits am 4. Juni wurde das Becken wieder geflutet, obwohl Arbeiter noch am Vortag die Beschichtung aufgetragen hatten. Das Material benötigte mindestens 72 Stunden zum vollständigen Aushärten. Die Abdichtung am Beckenrand sogar 5 bis 7 Tage. An 8 von 10 Dehnungsfugen versagte die Beschichtung, an beinahe 40 Stellen entstanden Blasen, an knapp 24 lösten sich Materialschichten. Hinzu kamen 88 Beschädigungen durch spätere Prüfungen des Pionierkorps der US-Armee, davon 12 bis auf den Beton. Wenige Tage nach dem Einlassen des Wassers färbten Algen das Becken grün. Anschließend trieben blaue Farbreste an der Oberfläche. Trump erklärte trotzdem, Vandalen hätten sein Vorhaben zerstört. Im Juli wurden vier Menschen strafrechtlich verfolgt, darunter der frühere olympische Kanute David Hearn. Die Anklagen wurden später fallengelassen. Bundesstaatsanwältin Jeanine Pirro räumte ein, dass Hearn bei Kenntnis der tatsächlichen Baumängel nicht angeklagt worden wäre. Noch am 9. August behauptete Trump erneut, der Sportler habe das Becken beschädigt. Fehler der Baufirma seien lediglich geringfügig gewesen.
Der interne Prüfbericht widerspricht dieser Darstellung erheblich. Ungeeignete Materialien und eine überstürzte Fertigstellung werden als Ursachen genannt. Die Baufirma kündigte Reparaturen auf eigene Garantiekosten an, deren Höhe bislang unbekannt ist. Das Innenministerium versichert, die Arbeiten würden vollkommen ordentlich abgeschlossen. Trump wiederum versprach zuletzt ein künftig möglichst vandalismussicheres Becken. Die Geschichte wäre beinahe komisch, hätten die unbegründeten Anschuldigungen keine Menschen vor die Strafjustiz gebracht. Ein Präsident lässt für Millionen ein Wasserbecken blau streichen, die Arbeiten misslingen, und zunächst sollen Bürger dafür verantwortlich sein. Das Lincoln-Denkmal erinnert an einen Präsidenten, dessen politische Größe auch an seinem Umgang mit Wahrheit und Verantwortung gemessen wird. Wenige Schritte entfernt muss nun ausgerechnet die Farbe trocknen, bevor Washington den nächsten Erfolg verkünden kann.
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