174.000 Dollar und plötzlich soll Mitleid entstehen
Während Millionen Amerikaner an Tankstellen schlucken, an Supermarktkassen rechnen und bei der Miete längst nicht mehr fragen, was sie sich wünschen, sondern was sie noch irgendwie bezahlen können, sorgt Mike Johnson mit einer Aussage für Kopfschütteln. Der Sprecher des Repräsentantenhauses meint, die Öffentlichkeit solle Verständnis dafür haben, dass Mitglieder des Kongresses „nur“ 174.000 Dollar im Jahr verdienen. Dazu kommen eine sehr gute Gesundheitsversorgung, hohe Absicherung und Arbeitsbedingungen, von denen viele Menschen nur träumen können.
Die Begründung wirkt noch seltsamer, weil sie nicht einfach nur um Gehälter kreist. Johnson verbindet das mit der Debatte über Aktiengeschäfte von Abgeordneten im Amt. Dahinter steht die alte Frage, ob Menschen Gesetze beschließen und gleichzeitig an Entscheidungen mitverdienen sollten, die ihre eigenen Depots bewegen. Seit Jahren wächst die Kritik daran, weil normale Bürger weder geheime Briefings noch direkten Zugang zu politischen Entscheidungen haben.
Genau dort beginnt das Problem. Wer Familien erklärt, sie müssten höhere Preise akzeptieren, während gleichzeitig Mitleid für ein Jahreseinkommen von 174.000 Dollar eingefordert wird, verliert schnell den Kontakt zum Alltag vieler Menschen. Wer an der Spitze der Politik steht, muss nicht erklären, warum ein gutes Einkommen zu wenig ist. Er muss erklären, warum Regeln nicht für alle gleich gelten.