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... das sind die Momente, in denen man sich wünscht, 4,745 kg Tomaten dabei zu haben.

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Zweihundertfünfzig Jahre Amerika – und ein Präsident, der die Nacht mit sich selbst verwechselt
Es gibt Abende, an denen ein Land in einen Spiegel schaut und nicht sicher ist, ob es sich noch erkennt. Der vierte Juli dieses Jahres war ein solcher Abend. Amerika feierte seinen zweihundertfünfzigsten Geburtstag, das Jubiläum der Erklärung, mit der 1776 alles begann, und hätte allen Grund gehabt, groß und würdig zu feiern. Stattdessen stand kurz nach elf Uhr nachts ein Präsident auf einer halb geräumten Bühne vor einer ausgedünnten Menge und sprach von der Krönung der Menschheitsgeschichte. Zwischen diesem Anspruch und dem Bild, das sich an diesem Abend tatsächlich bot, lag eine Kluft, die mehr über den Zustand des Landes verriet als jede Rede es gekonnt hätte.

Der Tag hatte anders begonnen. In Philadelphia läuteten mittags die Glocken, zu jener Stunde, in der der Kontinentalkongress 1776 der Unabhängigkeitserklärung zustimmte, und Laiendarsteller in der Tracht der Minutemen marschierten über das Gras der Independence Mall. In New York segelte eine Flottille alter Schoner und Sloops den Hudson hinauf, an Bord eines der Schiffe eine Ausgabe der Boston Gazette vom zweiundzwanzigsten Juli 1776, die einst den vollständigen Text der Unabhängigkeitserklärung abgedruckt hatte. In Charlottesville in Virginia wurden fünfundsiebzig Menschen aus aller Welt auf Monticello, dem Anwesen Thomas Jeffersons, zu amerikanischen Staatsbürgern. In Los Angeles füllte sich ein Park für ein Fest, das über das ganze Wochenende reichen sollte. Es waren Bilder eines Landes, das sich seiner selbst noch erinnert, seiner Herkunft, seiner Versprechen. Es waren Bilder, die von unten kamen, aus der Gesellschaft heraus, und gerade darin lag ihre Würde.

In Washington aber wurde die Feier zur Geisel des Wetters und eines Willens, der sich vom Wetter nicht belehren lassen wollte. Ein Sturm zog auf, und der Secret Service sah sich gezwungen, die National Mall für mehr als zwei Stunden zu räumen, einen Notstand auszurufen und die Menschen von jenem Platz zu holen, auf dem sie hatten feiern wollen. Es hatte den ganzen Tag geregnet, es war heiß gewesen, es hatte lange Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen gegeben, und als die Menge endlich wieder zurückgeführt wurde, war sie merklich geschrumpft. Die Ränge, ohnehin schon in der Tageshitze nie ganz gefüllt, blieben nun weithin leer. Mehr als die Hälfte der Sitze im Bereich der besonderen Gäste, direkt vor der Bühne, war unbesetzt.

 
Der Spassvogel glaubt das wirklich 🤣 🤣 🤣 ...: „Vor dem Gesetz herrscht Gleichheit für alle, obwohl ich selbst nicht besonders gut behandelt wurde. Aber darauf wollen wir jetzt nicht eingehen.“

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Die Zahlen täuschen – und Amerika spürt etwas anderes
Donald Trump verweist seit Monaten auf sinkende Arbeitslosigkeit und stabile Wirtschaftsdaten. Auf dem Papier kann er das sogar begründen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,2 Prozent, die Zahl der neuen Anträge auf Arbeitslosenhilfe bleibt niedrig, offene Stellen gibt es weiterhin in Millionenhöhe. Doch wer nur auf diese Zahlen schaut, verpasst die eigentliche Geschichte. Im Juni entstanden lediglich 57.000 neue Arbeitsplätze. Das ist nicht einmal halb so viel wie im Vormonat. Gleichzeitig wurden auch die zuvor gemeldeten Beschäftigungszahlen nach unten korrigiert. Unternehmen schreiben zwar weiter Stellen aus, stellen aber immer seltener tatsächlich jemanden ein. Das ist kein Zeichen von Stärke. Es ist Vorsicht.

Noch deutlicher fällt das Urteil der Verbraucher aus. Das Vertrauen in die Wirtschaft bleibt trotz leicht gesunkener Benzinpreise auf einem ungewöhnlich niedrigen Niveau. Die Folgen des Iran-Krieges wirken weiter nach. Höhere Energiepreise haben die Inflation erneut angeheizt, viele Haushalte verlieren real an Kaufkraft und überlegen inzwischen zweimal, bevor sie Geld ausgeben. Besonders deutlich zeigt sich der Widerspruch am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote sank zwar leicht, doch vor allem deshalb, weil viele Menschen die Jobsuche aufgegeben haben und statistisch nicht mehr als arbeitslos gelten. Das ist keine Erfolgsmeldung. Selbst die etwas niedrigeren Hypothekenzinsen ändern daran wenig. Solange Preise schneller steigen als Einkommen und Unternehmen ihre Einstellungen bremsen, bleibt die Unsicherheit größer als jede Schlagzeile über einzelne Konjunkturdaten. Amerikas Wirtschaft wirkt nach außen stabil. Im Alltag vieler Menschen fühlt sie sich längst anders an.
 
Trump entdeckt den Kommunismus wieder – und macht daraus seinen nächsten Wahlkampf
Donald Trump hat einen alten politischen Gegner wieder aus dem Schrank geholt. Nicht China. Nicht Russland. Sondern den Kommunismus. In den vergangenen Tagen erklärte er mehrfach, die Demokratische Partei werde zu einer kommunistischen Partei. Beim Besuch der neuen Theodore Roosevelt Presidential Library in North Dakota sprach er sogar von der größten Bedrohung für die Vereinigten Staaten, größer als Pearl Harbor, der Zweite Weltkrieg oder der 11. September. Wenige Tage zuvor nannte er Demokraten auf einer Konferenz der Faith & Freedom Coalition „harte, gottlose Kommunisten“. Aus den Demokraten wurden bei ihm inzwischen auch „Dumocrats“, ein Spottname, den er immer häufiger benutzt.

Der Zeitpunkt kommt nicht zufällig. Mehrere demokratische Sozialisten haben Vorwahlen gewonnen und liefern Trump genau die Vorlage, die er seit Jahren sucht. Aus einzelnen Kandidaten macht er eine ganze Partei. Aus politischen Gegnern macht er Feindbilder. Das funktioniert im Wahlkampf oft besser als jede Debatte über Inflation, Staatsverschuldung oder Gesundheitskosten. Historiker und Politikwissenschaftler widersprechen dieser Darstellung jedoch deutlich. Marc Selverstone vom Miller Center der University of Virginia, der über den internationalen Kommunismus geforscht hat, sagt, selbst Politiker am linken Rand der Demokratischen Partei stünden weit entfernt von den Grundideen des Kommunismus. Niemand fordere die Abschaffung des Privateigentums oder eine zentral gelenkte Planwirtschaft. Demokratische Sozialisten wollten einen stärkeren Sozialstaat, höhere Steuern für Vermögende, strengere Regeln für große Unternehmen und eine umfassendere Gesundheitsversorgung. Das sei etwas völlig anderes als Kommunismus.

Auch aus der Kommunistischen Partei der USA kommt keine Unterstützung für Trumps Vorwürfe. Co-Vorsitzender Joe Sims erklärte, ihm sei keiner der derzeit diskutierten demokratischen Kandidaten bekannt, der Mitglied seiner Partei sei oder sich auf den Marxismus in der Tradition der Kommunistischen Partei berufe. Selbst Darializa Avila Chevalier, die sich offen als demokratische Sozialistin bezeichnet und wegen früherer Beiträge über kommunistische Themen kritisiert wurde, erklärte ausdrücklich, sie sei keine Kommunistin. Graham Platner, der die demokratische Vorwahl für den US-Senat in Maine gewann und wegen älterer Internetkommentare unter Druck geriet, sagte ebenfalls klar, er sei weder Kommunist noch Sozialist. Für Trump ist diese Wortwahl trotzdem politisch nützlich. Bereits 2024 erklärte er offen, man müsse den politischen Gegner nur als Kommunisten oder Sozialisten darstellen, dann werde die Wahl gewonnen. Dieses Rezept begleitet ihn seit Jahren. Sein früher Mentor Roy Cohn arbeitete einst als Chefberater des berüchtigten Senators Joseph McCarthy, der in den fünfziger Jahren zahllose Amerikaner ohne Beweise als Kommunisten brandmarkte und damit eine der dunkelsten Phasen der amerikanischen Innenpolitik prägte.

Genau dort liegt die eigentliche Geschichte. Es geht längst nicht mehr darum, ob Demokraten Kommunisten sind. Dafür gibt es nach Einschätzung praktisch aller Fachleute keine Grundlage. Es geht darum, dass aus einem politischen Kampf immer häufiger ein moralischer Vernichtungskampf wird. Wer den Gegner nicht mehr als Konkurrent beschreibt, sondern als existenzielle Gefahr für das Land, braucht über dessen Argumente nicht mehr zu sprechen. Genau das macht Donald Trump seit Jahren – und offenbar glaubt er, dass diese Strategie auch bei den Kongresswahlen 2026 wieder funktionieren kann.

 
Geschichte nach Drehbuch – Wie Trump Amerikas Vergangenheit neu erzählen lässt
Der Kampf um Amerikas Zukunft wird längst nicht mehr nur im Kongress oder vor Gerichten geführt. Er findet inzwischen auch in Klassenzimmern, auf Bildschirmen und in mobilen Ausstellungen statt. Zum zweihundertfünfzigsten Geburtstag der Vereinigten Staaten entsteht unter Donald Trump eine zweite, staatlich geförderte Erinnerungskultur. Neben der offiziellen America250-Initiative baut das Weiße Haus mit Freedom 250 ein eigenes Projekt auf, das ebenfalls Steuergeld erhält und Geschichte zu einem politischen Werkzeug macht. Tragende Säulen sind Organisationen wie Hillsdale College, PragerU, America First Policy Institute, Turning Point USA, Heritage Foundation und Moms for Liberty. Ihr gemeinsames Ziel ist klar formuliert. Patriotismus stärken, den Blick auf die Gründungszeit verändern und jungen Amerikanern ein neues Verständnis ihrer Geschichte vermitteln. Bildungsministerin Linda McMahon behauptet offen, amerikanische Schüler liebten ihr Land nicht mehr, weil ihnen die richtige Geschichte nie beigebracht worden sei.

Besonders weit geht die Kampagne mit Videos, in denen Künstliche Intelligenz George Washington, Thomas Jefferson oder John Adams sprechen lässt. Die historischen Figuren treten scheinbar selbst vor die Kamera und erklären die Entstehung der Vereinigten Staaten. Das Problem beginnt dort, wo belegte Zitate mit frei erfundenen Aussagen vermischt werden. So legt Freedom 250 John Adams den Satz in den Mund: „Fakten interessieren sich nicht für deine Gefühle.“ Tatsächlich stammt dieser Spruch vom konservativen Kommentator Ben Shapiro. Adams hat ihn niemals gesagt. Für Historiker ist genau das der gefährliche Punkt. Joseph McCartin von der Georgetown University spricht von einer vereinfachten Heldengeschichte, in der fast ausschließlich die Gründerväter auftreten. George Washington, Thomas Jefferson, James Madison und John Adams werden zu nahezu fehlerlosen Symbolfiguren. Die schwierigen Fragen verschwinden aus dem Bild. Geschichte wird glattgezogen, bis sie in das politische Konzept der Gegenwart passt.

Noch deutlicher wird die Kritik bei den Menschen, die vollständig an den Rand gedrängt werden. Schwarze Amerikaner, die während der Revolution auf britischer Seite kämpften, weil ihnen Freiheit versprochen wurde. Versklavte Menschen. Frauen. Indigene Völker. Arme Farmer. Ihre Erfahrungen geraten zur Randnotiz oder fehlen ganz. Gerade dadurch entsteht ein Bild der amerikanischen Revolution, das mit der historischen Wirklichkeit nur noch teilweise übereinstimmt. Mimi Eisen vom Zinn Education Project verweist auf Thomas Jefferson. In den Freedom-250-Videos erscheint er als Vorkämpfer der Freiheit. Gleichzeitig versklavte Jefferson in seinem Leben mehr als sechshundert Menschen und hielt dieses System mit Gewalt aufrecht. Wenn dieselbe Figur ausgerechnet erklärt, Freiheit entstehe ohne Zwang, werde Geschichte nicht erklärt, sondern umgedeutet.

Auch Quellen werden nach Ansicht der Kritiker gezielt gekürzt. Die afroamerikanische Dichterin Phillis Wheatley wird zwar zitiert. Ihre scharfe Kritik an weißen Kolonisten, die Freiheit für sich forderten und gleichzeitig an der Sklaverei festhielten, fehlt jedoch. Genau diese Passagen würden den historischen Zusammenhang verändern und zeigen, dass der Streit um Freiheit bereits 1776 weit komplizierter war, als es die neuen Lehrmaterialien darstellen. Deshalb wächst der Widerstand. Historiker, Lehrer und Bildungsinitiativen setzen bewusst auf Originalquellen, widersprüchliche Perspektiven und bislang übersehene Stimmen. Für sie besteht der Sinn historischen Unterrichts nicht darin, Helden zu feiern, sondern Zusammenhänge zu verstehen. Genau darum geht der Streit zum zweihundertfünfzigsten Geburtstag der Vereinigten Staaten. Nicht darum, ob Amerika stolz auf seine Geschichte sein darf. Sondern darum, wer entscheidet, welche Geschichte künftige Generationen überhaupt noch kennenlernen.
 
Amerika 2026 - Noch Fragen?


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Der Datenhunger frisst seine eigene Zukunft
Was in Utah als Vorzeigeprojekt für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz angekündigt wurde, entwickelt sich immer mehr zum Warnsignal. Das geplante Stratos-Rechenzentrum sollte ursprünglich über 40.000 Acres umfassen, mehr als doppelt so viel Strom verbrauchen wie der durchschnittliche Bedarf des gesamten Bundesstaates und aus einer eigenen Erdgasversorgung gespeist werden. Heute steht vor allem die Frage im Raum, wie ein solches Projekt überhaupt genehmigt werden konnte. Wissenschaftler warnten früh vor massiven Folgen. Die Abwärme könnte die Tagestemperaturen in der Umgebung um mehrere Grad erhöhen, nachts sogar noch deutlich stärker. Hinzu kommen enorme Mengen Wasser, die ein Rechenzentrum dieser Größe in einer ohnehin von Dürre betroffenen Region benötigen würde. Trotzdem wurde das Projekt innerhalb weniger Wochen genehmigt. Möglich machte das eine Sonderregelung über eine militärische Entwicklungsbehörde, wodurch große Teile der üblichen Prüfverfahren umgangen wurden.

Der öffentliche Widerstand wuchs danach so schnell, dass Utahs Gouverneur Spencer Cox neue Vorgaben für künftige Rechenzentren anordnete. Kurz darauf musste Hauptinvestor Kevin O’Leary das Projekt bereits um fast die Hälfte verkleinern. Inzwischen laufen zwei Klagen gegen das Vorhaben. Gleichzeitig verlor sogar der Präsident des Senats von Utah sein Mandat, nachdem seine Unterstützung für Stratos im Wahlkampf zum Thema geworden war. Der Streit reicht längst über Utah hinaus. Nach Angaben von Analysten wurden allein im ersten Quartal 2026 Rechenzentrumsprojekte im Wert von mehr als 130 Milliarden Dollar verschoben oder ganz gestrichen. Bundesstaaten verschärfen ihre Regeln, Unternehmen wie Microsoft, OpenAI und Anthropic versprechen höhere Umweltstandards und mehr Verantwortung für Strom- und Wasserkosten. Die Regierung Trump verfolgt dagegen den entgegengesetzten Weg und beschleunigt Genehmigungen für Milliardenprojekte. Genau dieser Kurs könnte den Ausbau der Rechenzentren am Ende sogar bremsen, weil jeder neue Standort ohne klare Regeln zum nächsten politischen Konflikt wird.
 
Der blaue Teich wird zum Politikum
Donald Trump wollte den Lincoln-Teich vor dem Lincoln Memorial rechtzeitig zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten in neuem Glanz präsentieren. Das Wasser wurde abgelassen, der Betonboden neu versiegelt und anschließend in einem Farbton gestrichen, den Trump als „amerikanisches Flaggenblau“ bezeichnete. Doch statt eines Prestigeprojekts entwickelte sich die Baustelle zu einem politischen Dauerstreit. Kaum war der Teich wieder gefüllt, breitete sich tagelang eine Algenblüte aus. Wenig später lösten sich Teile der neuen Beschichtung. Jetzt müssen erneut Reparaturen erfolgen. Innenminister Doug Burgum hält trotzdem an derselben Firma fest. Eine neue Ausschreibung werde es nicht geben. Die Arbeiten seien hervorragend ausgeführt worden, erklärte er, verantwortlich sei allein mutwillige Beschädigung.

Trump und Burgum sprechen von Schnitten in der Abdichtung des Beckens. Burgum erklärte, mehrere Beschädigungen ergäben zusammen rund 107 Meter. Fotos, die diese Darstellung eindeutig belegen, legte er auf Nachfrage jedoch nicht vor. Trotzdem wurden inzwischen mehrere Personen festgenommen. Gegen den früheren Olympiateilnehmer David Hearn läuft sogar ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung. Ihm drohen im schlimmsten Fall bis zu zehn Jahre Haft. Während die Regierung von Vandalismus spricht, sprechen Hearns Anwälte von einem konstruierten Fall und einem Missbrauch staatlicher Macht. Gleichzeitig geraten auch die millionenschweren Aufträge selbst immer stärker unter Druck. Unternehmen mit früheren Verbindungen zu Trump erhielten den Zuschlag ohne neue Ausschreibung. Mehrere demokratische Senatoren und Abgeordnete untersuchen inzwischen, wie die Verträge vergeben wurden und warum ein Projekt für Millionen von Steuergeldern schon kurz nach seiner Fertigstellung erneut repariert werden muss.
 
„Frei“: Ein Wort, das aus einem Menschen einen Terroristen macht – und Recherchen die zu einem Video führen, das die Wahrheit rettet
Es gibt Worte, die töten, ohne dass eine Hand sich rührt. Terrorist ist ein solches Wort. Man legt es einem Menschen auf wie einen Mantel, und mit einem Mal sieht ihn niemand mehr, nur noch den Mantel. Was der Behörde ICE mit Gabriel Hurtado-Cariaco gelang, ist die Anatomie dieses Vorgangs, Schritt für Schritt, bis ein Video die Konstruktion zum Einsturz brachte. Es ist eine Geschichte darüber, wie aus einem Asylsuchenden mit Arbeitserlaubnis und einem Gerichtstermin ein öffentliches Feindbild wurde, und darüber, wie dünn der Faden ist, an dem in solchen Fällen die Wahrheit noch hängt.

Beginnen wir mit dem Menschen, ehe die Etiketten kommen. Gabriel Hurtado-Cariaco ist ein venezolanischer Asylsuchender. Er hatte an der Grenze um Asyl gebeten, war in die Vereinigten Staaten eingereist und lebte in Bellevue im Bundesstaat Nebraska mit seiner Freundin. Den Behörden hatte er erzählt, er sei aus Venezuela geflohen, nachdem er die Armee verlassen habe, weil er das Regime von Maduro ablehnte und Vergeltung fürchtete. Er besaß eine Arbeitserlaubnis, er hatte einen Termin vor dem Einwanderungsgericht, er war, so heißt es, gerade auf dem Weg, sein Auto anzumelden, als ICE ihn festnahm. Ein Mann mit einem Alltag also, mit einer Freundin, einem Auto, einem anhängigen Verfahren. Das ist der Mensch, den man kennen muss, bevor die Behörde ihn zum Ungeheuer erklärte.

 
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