Ich erzähl dir mal was. Während meiner Schulzeit wurde ein Mädchen aus meiner Schule auf der Toilette einer Disko vergewaltigt. Es war die kleine Schwester eines Klassenkameraden und guten Freundes von mir. Dabei handelt es sich um eine sehr gut betuchte deutsche Familie. Der Täter war ebenfalls aus gutem deutschen Hause. Das aber nur mal als unbedeutende Randnotiz. Das Mädchen wurde danach psychologisch betreut. Der Rat der Therapeutin war es, keine Anzeige zu erstatten. Grund: Ständige Konfrontation mit den Geschehnissen vergrößert das traumatische Erlebnis nur. Vor allem auch deswegen, weil sich Gerichtsverfahren oft über Jahre ziehen, und so der psychologische Heilungsprozess über Jahre verzögert wird. In diesem speziellen Fall war es noch so, dass es keine echten Beweise gab und es Aussage gegen Aussage stand und es sowieso keine sonderlich großen Chancen auf einen Schuldspruch gab. Diese Aussage solltest du dir aber merken: Ständige Konfrontation mit den Geschehnissen vergrößert das traumatische Erlebnis nur. Auch, dass in der Schule noch wochenlang über das Thema geredet wurde hat das Mädchen extrem belastet. Irgendwann hat ihr Bruder dann gemeint, dass solche Dramatisierungen a la "OMG sie wurde vergewaltigt, sie wird nie wieder die selbe sein" alles andere als hilfreich sind, und das Gerede bitte eingestellt werden soll. Das therapeutische Ziel ist es, dass sich das Mädchen wieder weitestgehend normal fühlt, dazu gehört auch sich nicht gebrandmarkt als "die Vergewaltigte" zu fühlen. Also dir und allen anderen, die aus dem, was diesen Mädchen in Köln an Silvester geschehen ist so lüstern ein riesiges Spektakel machen sollte bewusst sein, ihr tut ihnen damit keinen gefallen, ganz im Gegenteil.